Wie haben Sie Ihr erstes DTM-Wochenende seit 2004 erlebt?
Frank Biela: Trotz ausgebliebener Ergebnisse war es ein schönes Erlebnis. Die DTM ist eine tolle Serie. Es hat Spaß gemacht, im Audi Sport Team Abt Sportsline und einem Topauto zu fahren. Ich saß seit meinen letzten Fahrten im Renntaxi vor eineinhalb Jahren nicht mehr in einem DTM-Auto, insofern konnte man bei den Ergebnissen keine Sensationen erwarten. Wenn man einen Sportwagen gewohnt ist, muss man sich gravierend umstellen: Wo es normal über den Asphalt geht, passen meine Zeiten, wo man über die Randsteine räubern muss, verliere ich die entscheidenden Zehntel.

Wie sah Ihre Vorbereitung auf Ihren Einsatz aus?
Frank Biela: Es gab im Grunde keine Vorbereitung. Ich habe am Mittwochabend meinen Einsatz bestätigt bekommen, bin am Donnerstag nach Oschersleben gefahren und habe mir einen Sitz anpassen lassen. Am Freitagmorgen bin ich eingestiegen.

1987 sind Sie mit Ford erstmals in der DTM gestartet. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Debüt?
Frank Biela: Wenn ich ehrlich bin, habe ich daran fast gar keine Erinnerungen mehr. Soweit ich weiß, bin ich mein erstes Rennen mit Ford beim Saisonauftakt in Zolder gefahren. Aber das ist schon so lange her, seitdem ist so viel passiert... Hinzu kommt, dass ich damals Formel 3 und Tourenwagen parallel gefahren bin. Das heißt zwar nicht, dass mir der Tourenwagensport egal war - ganz im Gegenteil. Bei den Doppelveranstaltungen von DTM und Formel 3 bin ich in beiden Serien gefahren, doch konzentriert habe ich mich bei getrennten Veranstaltungen damals auf die Formel 3. Erst langsam bin ich in die DTM hineingewachsen, nachdem ich jedoch im Ford-Youngster-Team schon lange etabliert war: Gemeinsam mit Bernd Schneider und Manuel Reuter habe ich 1986 im Gruppe-N-Auto ein Rennen auf der Nordschleife bestritten. Es war eine schöne Zeit, denn Ford war mit dem Sierra ein Topteam mit Topautos, mit denen ich und meine Teamkollegen Klaus Ludwig und Klaus Niedzwiedz um den Titel gekämpft haben. Damals lief alles noch unkomplizierter ab, es wurde nicht versucht, im Vorhinein alles bis ins letzte Detail zu planen.

Zwischen 2004er- und aktuellem A4 DTM machte Biela deutliche Fortschritte aus, Foto: Audi
Zwischen 2004er- und aktuellem A4 DTM machte Biela deutliche Fortschritte aus, Foto: Audi

Wie hat sich die DTM seit Ihrer Anfangszeit aus Ihrer Sicht generell entwickelt?
Frank Biela: Natürlich ist alles um Welten professioneller geworden. Auch damals waren bereits Werksteams und Semi-Werksteams vertreten, die in ihrer Zeit das Maß der Dinge waren. Doch wenn man dies mit der heutigen DTM, den heutigen Teams und ihren Möglichkeiten vergleicht, war es aus jetziger Sicht Hobby-Rennfahrerei. Die technischen Voraussetzungen waren damals völlig anders: Damals betrat man die Boxen und wurde nach Wasser- und Öltemperatur gefragt, heute kann man mit moderner Computertechnik Daten zu den kleinsten Details nutzen.

Hat Ihr Audi A4 DTM aus Oschersleben noch irgendetwas mit Ihrem Audi V8 quattro gemein, mit dem Sie 1991 die Meisterschaft einfuhren?
Frank Biela: Teile kann man dabei gar nicht kennen. Vielleicht das Lenkrad - aber das ist heutzutage kleiner... Eines ist jedoch gleich geblieben: Schnell zu sein ist immer schwierig, auch wenn es in der heutigen DTM noch viel enger zugeht. Und: Ein Auto ist nie gut - selbst wenn man vorne steht, fallen immer wieder Details auf, die man weiter optimieren könnte. Als Rennfahrer will man immer das Maximum.

Mit welchen Erwartungen sind Sie an Ihr DTM-Comeback 2004 herangegangen?
Frank Biela: Mit recht hohen Erwartungen. Auch damals war ich mir darüber im Klaren, dass die Leistungsdichte hoch ist und die Umstellung auf den DTM-Boliden schwierig werden wird. Dass es jedoch so schwierig wird und ich selbst innerhalb einer ganzen Saison nicht wirklich herausfinde, was zu tun ist, um ganz vorne dabei zu sein - das hätte ich nicht erwartet. Ich hätte im Laufe der Saison größere Lernfortschritte erwartet, wobei ich auch davon ausging, mehr zum Fahren zu kommen. Hier hatte die alte DTM der neuen etwas voraus, denn damals konnte man, wann immer man wollte, spontan einen Test fahren. Eine gewisse Erfahrung mit den DTM-Autos ist heute noch wichtiger als früher. Im Jahr 2004 habe ich vor der Saison zwei bis drei Tage getestet - bei dieser Leistungsdichte reicht das nicht aus, um bestehen zu können. Insofern war ich auch für das aktuelle Wochenende vorgewarnt...

Welche Entwicklungen in der DTM haben Sie seit 2004 beobachtet?
Frank Biela: Im aktuellen A4 DTM ist alles neu, auch wenn es in keinem Bereich technische Revolutionen gegeben hat. Im konkreten Fall Audi Sport hat man vieles weiter verfeinert, hat wie immer aus Fehlern gelernt und das Gute weiterentwickelt. Der jetzige A4 DTM ist beim Fahren gutmütiger als der A4 DTM von 2004. Mit dem damaligen Auto wäre man nach einem Fahrfehler an manchen Stellen neben die Strecke geraten, wo man mit dem neuen Fahrzeug heute die Kurve bekommt.