Fünf Briten fahren zurzeit in der DTM. Glaubst du, dass in Großbritannien das Interesse an der DTM wächst?
Gary Paffett: Ja, die DTM genießt auch in England Aufmerksamkeit, denn seit Beginn fahren Briten in der neuen DTM und kämpfen teilweise auch um die Meisterschaft. Oft hatten wir auch ein Rennen im Vereinigten Königreich, wie zurzeit wieder mit Brands Hatch. Nach wie vor haben wir in Großbritannien eigene Tourenwagenserien, aber auch hier ist die DTM etwas Besonderes. Die Briten haben mit der Zeit immer mehr über die DTM gelernt, denn auch in Großbritannien wird sie im Fernsehen übertragen. Die Fans bekommen immer mehr von ihr zu sehen.

Hast du in Großbritannien ähnliche viele Fans wie in Deutschland?
Gary Paffett: Vermutlich habe ich mehr Fans in Deutschland als in England, denn seit 2001 fahre ich in deutschen Serien. Die DTM zieht in Deutschland so viele Menschen an, dass ich hier zwangsläufig auch viele Fans habe.

Hilft es dir, dass deine aktuelle C-Klasse technisch noch sehr eng mit jener verwandt ist, die du 2005 gefahren bist?
Gary Paffett: In der Tat verändern sich die DTM-Autos nicht wesentlich, sie sind immer ähnlich zu fahren. Der größte Unterschied sind für mich in diesem Jahr die neuen Reifen, denn durch sie fährt sich das Auto doch deutlich anders, als ich es aus meiner letzten Saison 2005 gewohnt war. Daran musste auch ich mich gewöhnen, auch wenn der Unterschied zwischen 2005er- und 2006er-Mercedes überschaubar ist. Wenn ich die gleichen Reifen zur Verfügung hätte wie damals, wäre mir das Comeback sicher noch leichter gefallen.

Hat sich die Herausforderung, in der DTM zu fahren, für dich in den letzten beiden Jahren verändert?
Gary Paffett: Ja, auf jeden Fall. Vor zwei Rennen hatte ich noch eine gewisse Routine, was das Rennenfahren allgemein und auch das Siegen angeht. Das Ziel war damals, die Meisterschaft zu gewinnen, und von Beginn an waren wir an der Spitze dabei. In diesem Jahr ist alles anders: Ich muss die DTM und ihre Rennen nach einem Jahr Pause neu lernen, und ich habe mit dem 2006er-Fahrzeug ein Auto, mit dem man nicht pausenlos an der Spitze sein kann. Ich kämpfe um möglichst viele Punkte, Podestplätze und Siege und gebe einfach mein Bestes - all das ist nun noch herausfordernder als damals.

Gary Paffett will ein erfolgreiches DTM-Jahr zum Sprung ins F1-Stammcockpit nutzen, Foto: Sutton
Gary Paffett will ein erfolgreiches DTM-Jahr zum Sprung ins F1-Stammcockpit nutzen, Foto: Sutton

War es wirklich so schwer, nach einem Jahr wieder mental in die Rennen hineinzufinden?
Gary Paffett: Das Rennenfahren an sich ist Teil meiner Natur, das war nicht das eigentliche Problem: Ich habe das Rennen in Hockenheim in Angriff genommen und alles lief gut. Das Qualifying hingegen, alles in einer einzigen Runde wieder auf den Punkt zu bringen - das empfand ich schon als schwieriger. Hier musste ich Einiges noch einmal neu erlernen.

Glaubst du, dass Alexandros Margaritis zurzeit mehr von dir lernen kann oder umgekehrt?
Gary Paffett: Es ist egal, wer dein Teamkollege ist - immer hat man unterschiedliche Arbeitsweisen. Insofern kann man immer voneinander lernen. Wo man selbst die bessere Leistung zeigt, kann der Teamkollege lernen, wo er besser ist, kann man selbst lernen: Es ist immer ein bisschen von beidem. Alexandros hat Rennerfahrung aus dem vergangenen Jahr, ich weiß, wie es ist, auf der Pole Position zu stehen und sie umzusetzen - so trägt jeder andere, wichtige Erfahrungen ins Team.

Hilft dir dein Testjahr 2006 bei McLaren Mercedes in der Formel 1 auch in deiner aktuellen DTM-Saison?
Gary Paffett: Ohne Zweifel, denn in einem so hochklassigen Formel-1-Team wie Vodafone McLaren Mercedes kann man beispielsweise in technischer Hinsicht viel lernen. Ich habe gelernt, Testfahrten mit noch mehr Disziplin anzugehen, nachdem ich im letzten Jahr 14.000 Kilometer getestet habe. So bekommt man, was Tests und Entwicklung angeht, einen geschulten Blick, der mir und meinem Team auch in der DTM weiterhilft.

Wie unterscheiden sich DTM und Formel 1 in der Arbeitsweise?
Gary Paffett: Natürlich ist die Formel 1 um Einiges größer; es sind mehr Personen involviert. Die Formel 1 ist noch professioneller - doch deswegen, gerade weil noch mehr Menschen einbezogen sind und mehr Geld investiert wird. Auch in der DTM leisten alle Beteiligten eine tolle Arbeit, aber dennoch ist die Formel 1 noch auf einem anderen Level. Auch wenn die Arbeit und die Aufgabenstellungen der Teams sehr ähnlich sind.

Glaubst du, dass du für deine Formel-1-Karriere weitere gute Ergebnisse in der DTM brauchst?
Gary Paffett: Ja, denn wo immer man auch fährt, muss man gute Resultate einfahren. Gelingt das nicht, übersehen dich die Leute. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass viele Menschen schnell das Interesse an dir verlieren, sobald du ein weniger erfolgreiches Jahr bestritten hast. Man muss sein Potenzial immer und überall ausschöpfen, denn so schnell wie man aufgestiegen ist, kann man auch wieder abstürzen.