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DTM / Kolumne

Schmitz' Katze: Die Lehren des Saisonauftakts - Hockenheim

Zu Beginn einer neuer Saison gibt es immer viel zu lernen. Der erste Saisonlauf 2007 war da keine Ausnahme.
von Stephan Heublein & Stefanie Szlapka

Motorsport-Magazin.com - Bis zuletzt blieb die größte Regeländerung der DTM-Saison 2007 im Verborgenen. Niemand hat den absoluten Megacoup mitbekommen, der erst am Freitag in Hockenheim von den Argusaugen unserer Redakteure entdeckt wurde. Dabei ging es nicht um die neue Gewichtsregelung, die allen Rechenfreaks mathematische Höchstleistungen abverlangt und sicher von so manchem noch immer nicht ganz verarbeitet wurde.

Bei diesem Start darf überholt werden. - Foto: DTM

Der große Hammer war ein anderer: Audi und Mercedes traten mit völlig veränderten Fahrzeugmaßen an! Die Fahrzeuglänge der neuen C-Klasse und des neuen A4 DTM wurde für das Auftaktrennen drastisch verkürzt, dafür aber das Dach viel weiter nach oben gezogen. So erinnerten die DTM-Boliden ein wenig an aufziehbare Spielzeugautos - oder lag das nur daran, dass die normalen 4:3-Fernseher im Media Centre vergeblich versuchten das 16:9-Breitbildformat ohne schwarze Balken in irgendein Ausgabeformat zu pressen? Nach dem Rennen wurden die Gesichter in der Mercedes-Box dadurch jedenfalls noch einen Tick länger...

Dabei hatte es am Freitag so gut angefangen. Mercedes fuhr den ersten Sieg der DTM-Saison 2007 ein. Allerdings nur beim Kampf der Presse-SMS-Dienste. Kaum war die Uhr einer Trainingssession abgelaufen oder die Zielflagge gefallen, begann das große Piep- und Vibrationsfestival im Media Centre. Dem SMS-Speed von Mercedes hatte Audi nichts entgegenzusetzen, auf der Strecke waren jedoch die Ingolstädter die schnelleren. Wenn es schon mit der Versandgeschwindigkeit nicht klappte, durfte Audi am Sonntag wenigstens die wichtigste Kurzmitteilung des Wochenendes versenden: "Tom Kristensen blieb unverletzt; Alexandre Premat brach sich einen Lendenwirbel, laut Auskunft der Ärzte ohne bleibende Schäden."

Die Leben in ihrer eigenen Welt.
Christian Abt

Den besten Start des Wochenendes erwischte Daniel La Rosa; allerdings nur bei den Startübungen nach dem Testen. Der Mercedes-Pilot stellte sich wie üblich hinter zwei seiner Kollegen an, dachte sich aber: Was soll eine Startübung, wenn nur zwei Autos nebeneinander starten? Also Gang rein, Vollgas und mitten zwischen den vor ihm stehenden Kollegen hindurch. Ein waschechter Raketenstart. Nur der Chefetage dürfte das nicht so gut gefallen haben, gab es dafür einen Rüffel? "Nein, sie haben mir nur zum Sieg gratuliert", sagte La Rosa lächelnd.

Schon beim offiziellen Test in Oschersleben standen die Startübungen der beiden Hersteller im Blickpunkt. Schließlich interessiert sich die Konkurrenz immer für den Leistungsstand der Gegner, ganz besonders, wenn man nur einmal für wenige Tage aufeinander trifft. Da kann man von Glück sprechen, wenn man die festgeklebten Videokameras am Boxenausgang entdeckt und umfahren kann. Einigen Akteuren des VW Polo Cups gelang das nicht: Sie wähnten sich an einem gänzlich ungünstigen Ort unbeachtet - im Parc Fermé. Dort sollte man besser nicht vor den Augen der Stewards und den Objektiven der Weltpresse in bester Paul Tracy-Manier schlagkräftige Argumente vorbringen...

Stau im Fahrerlager. - Foto: DTM

Und wenn wir schon dabei sind einen Blick über den Rennserienrand hinaus zu werfen: In der Formel 3 EuroSerie drohte am Freitag die große Handschuhkrise. Nachdem etliche Nachwuchspiloten mit nicht homologierten Handschuhen ihres Ausrüsters angereist waren, mussten sie bei Kollege Tim Sandtler betteln gehen. Als Sohn eines Rennhandschuhspezialisten wurde das Teamzelt von Jo Zeller Racing schnell zum Umschlagplatz unzähliger Handschuhdeals.

Manche junge Fahrer sind eben noch nicht auf Manager angewiesen und wissen selbst noch, wie man ein gutes Geschäft macht. Andere wissen noch nicht einmal, was ihre Manager und deren Freunde alles für sie beschließen. Aber so ist das nun einmal, wenn man in den Dunstkreis des Dunstkreises der Königsklasse gerät. "Über die Formel 1 brauchen wir uns nicht zu unterhalten", sagte uns Christian Abt wie immer ohne Umschweife. "Die leben in ihrer eigenen Welt..."


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