Für ITR-Chef Hans Werner Aufrecht brachte der Norisring bisher eine Menge Positives: Tolle Stimmung, tolle Zuschauerzahlen - und Komplimente von FIA-Präsident Max Mosley für die Serie. Kein Wunder, dass Aufrecht in einer Zwischenbilanz bei der adrivo Sportpresse beruhigt feststellen konnte, dass man letztes Jahr die richtigen Entscheidungen getroffen habe, als man sich auf das gewisse Wagnis DTM mit nur zwei Herstellern einließ.

Max Mosley hat bei seinem ersten Besuch hier bei der DTM am Norisring der Serie viele Komplimente gemacht - ist das Balsam für ihre Seele?

H. W. Aufrecht: Ja, wenn ein Mann wie Mosley, der so viel Erfahrung hat und in dieser Position ist, die er auch zu Recht besitzt, dann kann man das schon genau so bezeichnen.

Er hat ja auch gesagt, er könne sich durchaus vorstellen, dass die DTM in absehbarer Zeit ein FIA-Prädikat bekäme. Wie wichtig wäre das für Sie, für die ITR, für die Serie?

H. W. Aufrecht: Das ist eine der Auflagen, die wir uns als Ziel gesetzt haben...

Einen Zeitraum dafür wollte Max Mosley aber noch nicht festlegen - wie könnte der den Ihrer Meinung nach aussehen?

H. W. Aufrecht: Ich denke, das sollte man nicht von einem Zeitrahmen abhängig machen, das müssen die Gespräche ergeben. Ich kann mir das auf jeden Fall mittelfristig sehr wohl vorstellen.

Der Norisring hier als alljährlicher Saisonhöhepunkt - ist er das in diesem Jahr ganz besonders - bei den tollen Zuschauerzahlen, der Superkulisse?

H. W. Aufrecht: Ja, wir waren alle gespannt, obwohl wir ja aus Amerika wissen, wie gut eine Serie auch mit zwei Herstellern funktionieren kann. Die NASCAR hat, wenn ich es richtig weiß, für 32 Jahre sehr gut mit zwei Herstellern funktioniert, sie ist die Tourenwagenserie, die die meisten Menschen anspricht. Deshalb war uns eigentlich nicht bange vor dieser Saison. Trotzdem müssen wir sagen, dass es auch für uns eine Umstellung war, mit nur zwei Herstellern zu fahren und es doch eine gewisse Vorsicht gab, ob der Erfolg, den wir im letzten Jahr hatten, wirklich wiederholt werden könnte. Ich glaube, Vorstand und Beirat haben die richtigen Entscheidungen getroffen, dass wir gesagt haben, wir gehen das mit zwei Herstellern an. Ich bin einfach begeistert davon, dass hier am Donnerstag Abend im Prinzip die Sitzplätze praktisch ausverkauft sind und nur noch Stehplätze verkauft werden können. Das Konzept ist aufgegangen, wir sind stolz darauf - und auch ein bisschen glücklich.

Ganz am Anfang sah es ja so aus, als gingen die Zahlen doch etwas zurück, als würden vielleicht doch die Opelfans wegbleiben - aber dieser Trend scheint sich jetzt glücklicherweise wieder zu drehen…

H. W. Aufrecht: Ja, das ist richtig, das sehen wir genauso. Wobei ich der Auffassung bin, dass es für die Verluste am Anfang auch noch andere Gründe gab, wir waren einfach für den regulären Tourenwagen-Besucher mit dem Saisonstart ungewöhnlich früh dran, Hockenheim ist normalerweise vier Wochen später. Und die Menschen, das haben wir auch lernen müssen, sind gewohnt, zu bestimmten Zeiten zum Rennen zu kommen. Wir haben ein wunderbares Beispiel, den Nürburgring, wo wir seit Jahren schon Mitte August fahren. Es könnte sein, dass am Nürburgring heute schon sämtliche Sitzplätze ausverkauft sind, am Anfang der Woche gab es ja gerade mal noch 1000 davon... Das bestätigt uns darin, dass Menschen Events planen, so wie sie ihren Urlaub planen und das schon recht frühzeitig - und das ist uns diesmal am Saisonbeginn sicher nicht entgegen gekommen. Aber es ging nun mal nicht anders, um der Fußball-WM auszuweichen, auf die wir natürlich Rücksicht nehmen mussten. Deshalb freut es mich jetzt besonders, dass wir nach der Begeisterung rund um die WM jetzt hier unser Publikum ähnlich begeistern können.

Wie schätzen sie die Stärke der Meisterschaft in diesem Jahr ein?

H. W. Aufrecht: Sehr, sehr gut. Hier hat einfach das Handicap-Reglement dazu geführt, dass die Autos dicht beieinander bleiben und das ist, wie Max Mosley es auch zu Recht gesagt hat, mit zwei Herstellern leichter durchzusetzen als mit mehreren. Das Reglement hat sich bestätigt - und wenn sich etwas bestätigt hat, dann lässt es sich auch durchsetzen. Ich könnte mir vorstellen, wenn sich heute ein Hersteller dieses Reglement genauer anschaut, dass er dann sagen muss: Mensch, das was die da gemacht haben, das funktioniert.

Trotzdem muss man die Frage nach dem dritten Herstellen immer wieder stellen - wie sind da die Perspektiven? Braucht ihn die DTM? Bewegt sich da etwas?

H. W. Aufrecht: Dass wir ihn brauchen, das würde ich verneinen. Schön wäre es, wenn wir einen dritten hätten...

Laufen denn weiter Gespräche?

H. W. Aufrecht: Es laufen Gespräche, aber im Moment zumindest planen wir mit zwei Herstellern für 2007.

Wenn sie sich außerdem für diese Meisterschaft noch etwas wünschen könnten - was wäre das?

H. W. Aufrecht: Zwei oder drei Rennen mehr. Und daran sind wir auch am Arbeiten.

Wäre denn eventuell noch einmal ein Rennen in Shanghai denkbar - diesmal als offizieller Wertungslauf?

H. W. Aufrecht: Der chinesische Markt ist natürlich immer ein Thema, auch in unseren Überlegungen. Die Frage ist, können wir es umsetzen. Bedingung ist, da mache ich kein Geheimnis daraus: Die Hersteller haben das Budget für zehn Rennen - alle weiteren müssen finanziert werden.