Mit großer Zuversicht hatte sich Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich nach dem gestrigen Testfreitag in Anbetracht des Setups für die Neuwagen gezeigt, weniger euphorisch hingegen mit Blick auf die Jahreswagen, in Bezug auf deren Abstimmung er jedoch von Fortschritten am Samstag überzeugt war. Es sollte anders kommen: Während die Jahreswagen ihren Mercedes-Pendants die Stirn bieten konnten, erlebte das Abt-Quartett eine deutliche Pleite.

Wie schon im vergangenen Jahr hatte das Team um Hans-Jürgen Abt auf eine vergleichsweise abtriebsorientierte Abstimmung gesetzt, nachdem Tom Kristensen 2005 mit eben jenem Schachzug überraschend die Pole Position erobert hatte. Die Konzentration auf den zweiten Sektor mit seinem engen Schöller-S schlug heute hingegen deutlich fehl: Mit dem Ausscheiden des später zornig aus dem Fahrzeug stürmenden Martin Tomczyk in der ersten Qualifying-Session deutete sich die Niederlage bereits an, konnten sich doch auch Mattias Ekström und Heinz-Harald Frentzen nur mit Mühe für die zweite Runde qualifizieren.

So endete auch der Arbeitstag des Mönchengladbachers vorzeitig, nachdem dieser zu keinem Zeitpunkt dauerhaft in die Top acht vordringen konnte. Ihrer Teamkollegen entledigt versuchten Mattias Ekström und Tom Kristensen im letzten Durchgang ihr Glück, konnten dem HWA-Quartett jedoch in keiner Weise Konkurrenz machen: Abgeschlagen landeten die beiden Skandinavier auf den Rängen sechs und sieben.

Mit Blick auf den Meisterschaftskampf zeichnet sich für Audi schon jetzt ein Rückschlag ab, halten sich aus den Startreihen drei und vier doch auch die rennstrategischen Möglichkeiten für Ekström und Kristensen in Grenzen. Die gute Performance der Jahreswagen ändert hieran nicht viel: Zwar wusste Timo Scheider mit Platz acht zu überzeugen, während sich auch Christian Abt und Frank Stippler im vorderen Mittelfeld präsentieren, dennoch wird Audi für morgen auf ein ähnlich chaotisches Rennen wie 2005 hoffen müssen, sollte Tom Kristensen in der Meisterschaft in Schlagdistanz zum von Platz zwei startenden Bernd Schneider bleiben.

"Es ist uns leider nicht gelungen, mit den Autos wirklich konstante Gripverhältnisse zu erreichen. Übersteuern, Untersteuern - das waren die Kommentare aller unserer Fahrer", stellte Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich im Anschluss an das Qualifying ernüchtert fest, während sich bei Tom Kristensen die Enttäuschung über den Startplatz mit jener über den Brands-Hatch-Ausfall multipliziert: "Jetzt spüren wir noch einmal, wie wichtig die Punkte aus Brands Hatch gewesen wären."

Derweil übt sich der mit Platz sechs beste Audi-Pilot Mattias Ekström in Zweckoptimismus: "Ich glaube schon, dass viel möglich ist, aber man muss auch sagen, dass die Voraussetzungen nach einem Vorteil für Mercedes aussehen. Wir schauen nur nach vorne, denn hinten gibt es nichts zu gewinnen."