Sauber, Williams, Jordan, Prost, wieder Sauber und schließlich Arrows. Bereits in zehn Formel-1-Jahren kam Heinz-Harald Frentzen beim Wechseln von Teams zu einem beträchtlichen Erfahrungsschatz. Er lernte die Unterschiede zwischen Top-Teams wie Williams, Mittelfeldlern wie Sauber und Schlusslichtern wie Arrows kennen. In der Formel 1 machte er sich jenes Wissen zu Nutze, nach außen hin schwieg er jedoch diesbezüglich...

Auch in seiner noch jungen DTM-Karriere lernte der Mönchengladbacher zu differenzieren - zwischen Opel und Audi. Erlebte Frentzen bei Opel ein enttäuschendes Einstandsjahr 2004, während dessen er angesichts eines insgesamt nicht konkurrenzfähigen Opel Vectra GTS sowie auch eigener Eingewöhnungsschwierigkeiten nicht zu brillieren vermochte, so verlief das vergangene Jahr mit zwei Podestplätzen, jedoch fernab jeglicher Meisterschaftschancen nur um Nuancen besser.

Das erste DTM-Jahr Frentzens endete mit drei Punkten, Foto: DTM
Das erste DTM-Jahr Frentzens endete mit drei Punkten, Foto: DTM

Nach einigen langwierigen vertraglichen Gehalts- und Sponsorenverhandlungen mit den Ingolstädtern, die mit unverbindlichen Gesprächen bereits im August 2005 ihren Anfang nahmen, darf Frentzen mit dem Audi A4 DTM schließlich ein konkurrenzfähiges DTM-Fahrzeug sein Eigen nennen. Anders als 2005, als der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 im Opel Vectra zum Saisonstart mit erheblichen Handlingproblemen zu kämpfen hatte, kommt der dreifache Familienvater nun in den Genuss eines von Beginn an meisterschaftsfähigen Fahrzeugs - und verweigert den nicht nur für Technikinteressierte interessanten Vergleich mit Opel.

"Das Rennauto ist immer ein Produkt der Mannschaft und der einzelnen Menschen, die damit beschäftigt sind und das Auto über die Jahre entwickelt haben. Ich könnte jetzt jede Menge Vergleiche gegenüber Opel ziehen und damit würde ich dann auch die Philosophien der jeweiligen Mannschaften wiedergeben", erläuterte Frentzen gegenüber DTM Magazin, "ich werde unheimlich oft danach gefragt. Ich bin in diesem Punkt nie ganz offen. Weil ich die Arbeitsweise von Opel nicht verraten werde. Das macht man nicht."

In Brünn kam Frentzen 2005 erstmals zu Podestehren, Foto: DTM
In Brünn kam Frentzen 2005 erstmals zu Podestehren, Foto: DTM

Was sich nicht für jeden unmittelbar erschließen mag, ist tatsächlich ein Beleg für die Fairness und Loyalität Frentzens - gab Opel dem dreifachen Grand-Prix-Sieger doch die Chance, einem unrühmlichen Ende seiner Formel-1-Karriere die Rehablitierung in einer anderen hochklassigen Serie folgen zu lassen. Doch schließlich lässt sich Frentzen zumindest zu einem indirekten Vergleich hinreißen und möglicherweise auf eine besondere Schwäche des Opel Vectra schließen...: "Der Audi A4 ist super gut auf der Bremse. Man kann unheimlich spät bremsen."

Bei Audi sieht Heinz-Harald Frentzen die Chance, seine nicht immer mit dem größten Rennfahrerglück gesegnete Karriere voller Höhen und Tiefen auf einem Hoch würdig abzuschließen. Die Tatsache, dass er berechtigterweise bereits in dieser Saison regelmäßige Siegchancen, nicht jedoch den Titelgewinn zur Zielsetzung erklärt hat, erscheint angesichts der weiteren Karriereplanung des 38-Jährigen vernünftig: "Grundsätzlich sage ich: Bis 45 kann ich noch locker Motorsport machen. Ich fühle mich psychisch und physisch topfit."

So sieht sich der nun dreifache DTM-Podestbesucher zumindest nicht im zeitlichen Druck, das letzte Ziel seiner Karriere in die Tat umzusetzen: "Ich kann locker noch ein paar Jahre dranhängen. Was ich haben möchte, ist ein schöner Abschluss. Das ist zwar nicht immer möglich im Leben, aber das habe ich mir einfach in den Kopf gesetzt. Dafür will ich mich noch einmal richtig ins Zeug legen."