Empört sich Bernie Ecclestone bereits regelmäßig über die vermeintliche Altertümlichkeit der britischen Formel-1-Strecke Silverstone und ihre Verkehrsinfrastruktur, so erlitte der ergraute F1-Boss beim Anblick der zweiten britischen Traditionsstrecke, Brands Hatch, vermutlich gesundheitliche Schäden: Noch weitaus uriger bringt der altehrwürdige Kurs in der Grafschaft Kent die Ursprünge des Motorsports näher...
Was Motorsportpuristen als große Bereicherung für die DTM erachten, hält der nüchterneren Betrachtung nur in eingeschränkter Form stand. So verwundert es kaum, dass DTM-Renndirektor Roland Bruynseraede mit Blick auf die DTM-Premiere des Kurses im Sommer bei den britischen Streckenbetreibern zurzeit verbesserte Sicherheitsvorkehrungen anregt, stellte doch auch Klaus Ludwig in Folge der ITR-Testfahrten in Brands Hatch gegenüber motorsport-magazin.com besorgt fest:

"In Brands Hatch sind relativ schwere Unfälle passiert, bei denen relativ viel kaputt gegangen ist." Zwar hatte an diesen auch die mangelnde Erfahrung der in der Regel vom fahrerischen Anspruch des Kurses angetanen Piloten mit der Berg- und Talbahn ihen Anteil, auf die sich fahrerische Erfahrungswerte von modernen Strecken nur bedingt übertragen lassen. Ob die nur 1,973 Kilometer lange Kurzversion jedoch beim Renndebüt im Juli für Begeisterung sorgen wird, zieht Ludwig, der damit auch die Einwände einzelner Piloten, u.a. Martin Tomczyks, bestätigt, in Zweifel: "Eine Rennstrecke, um die man in 40 Sekunden herum ist und die so wenige Kurven hat - muss man das haben?"
Zwar versprechen die insgesamt 82 Umläufe für den Zuschauer vor Ort eine häufige Präsenz der Fahrzeuge vor den Tribünen. Der dreifache DTM-Meister, der den beiden übrigen westeuropäischen DTM-Neuzugängen Barcelona und Le Mans ein weitaus positiveres Zeugnis ausstellt, sieht südöstlich von London überdies jedoch das Erreichen des wichtigsten Maßstabs der DTM - den der spannenden, actionorientierten Rennen - scheitern: "Ich denke auch, auf dem kleinen Kurs ist auch das Überholen vollkommen unmöglich. Wer vorne sein wird, wird gewinnen."
So bleibt zur Entschärfung der Problematik der kurzen "Indy-Variante" in den Augen Klaus Ludwigs nur eine Lösung: "Da muss man sich vielleicht doch überlegen, ob man nicht auf den großen Kurs geht. Der große Kurs ergibt auf jeden Fall mehr Möglichkeiten."

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