Gemäß dem Titel eines beliebten Kinderbuches kommt am Samstag das Sams zurück - und beschert demjenigen, der ihm begegnet, so manchen "Wunschpunkt" zur Erfüllung lange erfolglos gehegter Wünsche. Am Samstag des Auftaktrennens in Hockenheim wurden die Wünsche der Protagonisten nur zum Teil in die Realität umgesetzt - es bestand folglich ein erhöhter Bedarf an Wunschpunkten...

Der Qualifying-Wunsch

Wenngleich das Shoot-out-Qualifying in der Formel 1 seine Feuerprobe bereits erfolgreich bestanden hatte, fieberten die ITR-Verantwortlichen dem Debüt des neuen Qualifyings in der DTM gespannt entgegen - und durften aufatmen. Die neue Ermittlung der Startplätze nach dem Knock-out-Prinzip wurde so gut aufgenommen, dass sich ein Zitieren einzelner Meinungen erübrigt: Durchweg äußerte man sich nahezu euphorisch.

Was in der Formel 1 angesichts missverständlicher und komplizierter Regeln bezüglich der Motorwechsel, ihres Zeitpunktes sowie damit einhergehender Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Startplätze sowie der zu langen, seitens des Reglements zu ökologisch wie sportlich wenig sinnvollen "Spritverbrennungsrunden" motivierenden dritten Session noch leichte Schattenseiten aufwies, präsentiert sich in der DTM von seiner faszinierend simplen und faszinierend viel Spannug erzeugenden Seite.

Für Jamie Green blieb kaum ein Wunsch offen, Foto: DTM
Für Jamie Green blieb kaum ein Wunsch offen, Foto: DTM

Die Performance-Wünsche

Die Freude des ITR-Beirats Dr. Wolfgang Ullrich über den Erfolg des Qualifying-Formats wurde vom Abschneiden seiner Piloten überschattet: Der Audi-Sportchef musste zusehen, wie seine Piloten einer überraschend bravourösen Generalprobe im Samstagstraining in für Audi gewohnte Hockenheim-Gefilde abrutschten.

"Es scheint, dass wir uns schwer tun, die wirklich guten Ergebnisse vom Vormittag umzusetzen, wenn die Außentemperaturen steigen und sich dadurch die Gripverhältnisse ändern, denn am Freitag war es ähnlich", erklärte der Österreicher die Audi-Pleite, die mit Martin Tomczyk lediglich einen Vertreter der Ingolstädter in die Top fünf eindringen ließ. Jener jedoch zauberte ein Lächeln auf die an diesem Samstag ernste Miene Ullrichs.

"Ich freue mich, dass Martin Tomczyk ein so gutes Ergebnis erzielt hat und wieder da ist, wo ich ihn immer gesehen habe", stellte Ullrich erleichtert fest, der lange mit dem Gedanken gespielt hatte, den jungen Bayern in einen Jahreswagen zu degradieren. Doch nicht nur bei Audi bestand der Wunsch nach Performance-Wunschpunkten - auch so mancher Mercedes-Pilot sehnte sich nach ihnen:

Im Lager der Stuttgarter sorgte Mika Häkkinen für unerwartete Zitterpartien. Jeweils nur äußerst knapp mogelte sich der ambitionierte Finne durch die ersten beiden Sessions, um mit Position sieben auch in Session Nummer drei nur bedingt durch die Audi-internen Rangeleien zwischen Frentzen und Kristensen nicht das Schlusslicht darzustellen. "Es sieht im Moment danach aus, als würde ich beim Bremsen Zeit verlieren. Das wäre eigenartig", erklärte der zweifache Formel-1-Weltmeister sein Abschneiden mit den Eigenarten seiner C-Klasse.

Frentzen bildete unfreiwillig den Stein des Anstoßes, Foto: DTM
Frentzen bildete unfreiwillig den Stein des Anstoßes, Foto: DTM

"Das könnte ein Hinweis sein, dass die Bremsen nicht richtig funktioniert haben. Die Jungs werden noch alles analysieren", muss Häkkinen inständig hoffen, um mit Jamie Green, Bernd Schneider und Bruno Spengler am morgigen Tage nicht gleich von drei Teamkollegen düpiert zu werden. Der teaminternen, einer dem Meisterschaftsgewinn förderlichen Stellung des zweifachen Vaters käme dies kaum zu Gute...

Der Luftwunsch

Wenngleich es kaum der Wunsch eines feucht-fröhlich am Hockenheimring campenden DTM-Fans sein dürfte, dass sich ein mit weiß-grünem "Veltins"-Schriftzug versehender Gegenstand in Luft auflöst, so ging es Abt-Pilot Tom Kristensen anders: Dem Dänen rutschte auf Bestzeitkurs zwar keine reifenfeindliche Veltins-Glasflasche unter den A4-Boliden, dafür jedoch stellte sich ihm ein Audi mit Veltins-Bedruckung in den Weg.

Der im Cockpit immer wieder unerwartet heißblütige Däne, der 2005 zeitweise selbst mit dem für seine Fairness bekannten Mattias Ekström einen teaminternen Zwist austrug, ließ sich von Frentzen im Audi bis auf 180 bringen - sowohl im emotionalen als auch im geschwindigkeitsreduzierenden Sinne. Warum es zwischen Kristensen und dem Mönchengladbacher schließlich zu einer Berührung kam, wird wohl für immer ein Audi-internes Geheimnis bleiben, obgleich Heinz-Harald Frentzen als Schuldigen für den Fauxpas die immer wieder gern zitierte defekte Funkverbindung zum Kommandostand ausmachte...