Der Saisonauftakt in Hockenheim bedeutet den Beginn des Doppels zwischen Audi und Mercedes. Sowohl auf den Ingolstädtern als auch auf den Stuttgartern lastet dabei eine bisher nicht gekannte Verantwortung: Von beiden Herstellern war eine ähnlich gute Arbeit bei der Entwicklung des Neuwagens gefragt - ansonsten droht die Dominanz einer der beiden Marken, die weder der Spannung des weiteren Saisonverlaufs noch der DTM zu Gute käme...
Glaubt man den Statistiken, so stehen die Chancen auf ein Kräftegleichgewicht in Hockenheim nicht sonderlich gut: In der neuen DTM entschied Mercedes elf von 14 Hockenheim-Rennen für sich. Aus mehr oder minder ungeklärten Gründen zog Audi bei 13 von 14 Rennen im nördlichsten Zipfel von Baden-Württemberg stets den Kürzeren...

Audi
Gelingt es den Ingolstädtern, jene Negativstatistik auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs aufzubessern und annähernd ein Kräfte-Remis zu Stande zu bringen? Während es Audi auch in der vergangenen Saison im Wesentlichen weder an mechanischem Grip zum Durchqueren des berühmt-berüchtigten Motodroms noch an einer bei Bedarf problemslos auf Topspeed zu trimmenden Aerodynamik für das Befahren der schnellen Streckenpassagen mangelte, schien es in der vergangenen Saison an den letzten Quäntchen Motorleistung und Glück zu fehlen:
Ein Wettmachen des langjährigen leichten Motorleistungsdefizit im Vergleich zu den Stuttgartern sollte den Herren der Ringe angesichts der weit gehenden Neuentwicklung des V8-Aggregats zuzutrauen sein - was auch die positiven Ergebnisse auf der Berg- und Talbahn von Brands Hatch hoffen lassen. Das viel zitierte, letzte Quäntchen Glück liegt hingegen nicht zuletzt an den Piloten:
Sollte Mattias Ekström die Pole Position des Vorjahres wiederholen und einen besseren Start zu Stande bringen als im vergangenen Jahr, sollte Tom Kristensens Fehlerquote im neuen Qualifying weniger hoch angesiedelt sein als im Top-10-Einzelzeitfahren der vergangen Jahre, sollte Martin Tomczyk an seine frühere Qualifying-Brillanz anknüpfen können und sollte Heinz-Harald an seine Form der zweiten Saisonhälfte 2005 bei Opel anzuschließen vermögen, so sollten gute Startplätze im Bereich des Möglichen liegen - und damit auch ein verlustfreieres Überstehen der ersten Kurve als beim Saisonauftakt 2005...

Mercedes
Allen Ingolstädter Bemühungen zum Trotz gehen die Stuttgarter als Favoriten ins Rennen. Die in den vergangenen Jahren tendenziell eher auf Topspeed getrimmten Mercedes-Limousinen wussten sich auf dem vergleichsweise wenig Abtrieb erfordernden Kurs unweit von der DaimlerChrysler-Konzernzentrale stets gut in Szene zu setzen.
Auch die Testfahrten in Vallelunga und Brands Hatch deuten keine allzu großen Performance-Probleme der Mercedes-Truppe an - eher im Gegenteil: In Folge der scheinbar dominanten Vorstellung von Vallelunge schienen die Zeitenlisten von Südengland eher ein druckfreies, entspanntes Abspulen des umfangreichen Testprogramms zu demonstrieren, auf Grund derer man sich gar nicht mehr auf Bestzeitenjagd begeben mochte...
Ohnehin setzt die für die neue Saison weit gehend eingefrorene technische Entwicklung die Mercedes-Fans unter den DTM-Beobachtern kaum der Besorgnis aus, dass der Stuttgarter Stern angesichts seines tendenziellen Performance-Vorsprungs der vergangenen Saison im Vergleich zu Audi vollkommen ins Hintertreffen geraten sein könnte. Ein im Sinne der DTM zu erhoffendes, annäherndes Remis zwischen den Herstellern schließt dies nicht aus...

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