Wer hätte das vor dem Beginn der DTM-Saison 2025 gedacht: Ein Audi ganz oben auf dem Podium! Ricardo Feller machte das Motorsport-Märchen auf dem Red Bull Ring wahr: Der Schweizer gewann sensationell das Sonntagsrennen beim vorletzten Rennwochenende des Jahres.
Feller, der eigentlich schon raus war aus der DTM! Land-Motorsport, das in letzter Sekunde eingestiegen war und Feller damit überhaupt erst eine Zukunft ermöglichte. Und das mit einer Marke, deren DTM-Aus eigentlich schon besiegelt war, nachdem der Audi-Vorstand den Kundensport-Stecker gezogen hatte... "Ein mega-toller Sieg, wunderschön", jubelte Feller. "Ich bin so stolz, Land den ersten DTM-Sieg bescheren zu können."
Ricardo Feller beschert Land-Audi ersten DTM-Sieg
Während die zahlreichen Titelanwärter eine größtenteils untergeordnete Rolle spielten, sorgten Feller und die Land-Mannschaft für die großen Schlagzeilen. Feller feierte seinen dritten Sieg in der DTM und den ersten seit Zandvoort 2023, damals noch im Abt-Audi.
Der 25-Jährige hatte sich mit dem zweiten Platz im Qualifying bereits eine gute Ausgangslage erarbeitet. Im Rennen dann die entscheidende Szene in der 15. Runde: Feller kassierte Pole-Setter Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari), übernahm erstmals die Führung und gab sie nach zwei Pflicht-Boxenstopps bis zum Zieleinlauf nicht mehr her. Vermeulen gelang mit seinem zweiten Podestplatz auf dem Formel-1-Kurs dennoch ein bärenstarkes Wochenende.
Lucas Auer wieder DTM-Spitzenreiter
Feller und Vermeulen fuhren im Rennen zumeist in ihrer eigenen Liga. Das Duo hatte am Ende gut fünf Sekunden Vorsprung auf den Drittplatzierten Lucas Auer (Landgraf-Mercedes). Der Lokalmatador aus Österreich meldete sich nach einem schwierigen Samstag eindrucksvoll zurück, erzielte seinen vierten Podestplatz und eroberte zudem die Führung in der Meisterschaft zurück.
Auer erwischte den besten Ausgang aus dem großen Reigen der Titelkandidaten. Der Mercedes-AMG-Pilot, von P4 gestartet, profitierte zunächst von einem frühen Reifenschaden seines Meisterschaftsrivalen Jack Aitken (Emil-Frey-Ferrari - Platz 20) und übernahm kampflos dessen dritte Position. Später musste Auer P3 kurzzeitig abgeben, als Arjun Maini in der Box mit seinem Ford Mustang GT3 vorbeistürmte. Weil es beim zweiten Boxenstopp des Inders klemmte, konnte Auer zurückschlagen.
Platz vier ging an Maro Engel (Winward-Mercedes), der sich fast schon heimlich vom zehnten Startplatz durchs Feld nach vorne schlich und weiter zum Kreis der Titelanwärter zählt. Hinter Ford-Pilot Maini folgten Jordan Pepper (GRT-Lamborghini) und Ayhancan Güven (Manthey-Porsche) auf den Plätzen fünf und sechs.
DTM-Titelanwärter straucheln am Red Bull Ring
Pepper ist jetzt wieder Zweiter in der Gesamtwertung, weil die Konkurrenten böse strauchelten: Rene Rast (Schubert-BMW) peilte lange ein Top-5-Ergebnis an, bis er innerhalb kurzer Zeit zwei Penalty Laps kassierte (Unsafe Release und weiße Linie am Boxeneingang überfahren) und bis auf P13 durchgereicht wurde. Der dreifache Champion fiel in der Tabelle auf den dritten Platz zurück, bleibt aber in Schlagdistanz. Thomas Preining (Manthey-Porsche - Platz 21) erlebte ebenfalls einen Rückschlag und fiel nach einem frühen Reifenschaden chancenlos zurück.
Die Top-10 auf den Plätzen acht, neun und zehn komplettierten Jules Gounon (Winward-Mercedes), der amtierende Champion Mirko Bortolotti (Abt-Lamborghini) und Luca Engstler (GRT-Lamborghini). Marco Wittmann (Schubert-BMW), am Samstag auf dem Podium und später medial im Fokus, landete auf Platz zwölf und damit direkt vor Teamkollege Rast. Das Saisonfinale auf dem Hockenheimring steigt vom 03. bis 05. Oktober 2025.
Die DTM-Meisterschaft: In der Gesamtwertung konnte sich Auer mit seinem Podestplatz bereits das dritte Rennwochenende in Folge am Sonntag die Führung zurückholen, nachdem er diese am Samstag verloren hatte. Der 31-Jährige hat mit 171 Punkten nun sieben Zähler Vorsprung auf Pepper. Rast fällt mit 160 Punkten auf den dritten Rang zurück. Es folgen Engel mit 155 und Güven mit 154 Zählern. Aitken hat nach einem völlig gebrauchten Wochenende nun bereits 21 Punkte Rückstand auf Auer und liegt punktgleich mit Wittmann auf der sechsten Position. Insgesamt bleibt es an der Spitze äußerst eng: Die ersten neun Piloten in der Gesamtwertung trennen lediglich 29 Punkte.
DTM am Red Bull Ring: So lief das Rennen am Sonntag
Die Startaufstellung: Beim 14. Saisonrennen 2025 startete kein Titelkandidat aus der ersten Reihe. Thierry Vermeulen packte seinen Emil-Frey-Ferrari auf die Pole-Position, Ricardo Feller platzierte den einzigen Audi im DTM-Feld auf dem zweiten Platz. Dahinter fanden sich drei Hauptakteure des Titelkampfs wieder: Jack Aitken, Lucas Auer und Thomas Preining vervollständigten die Top-5. Nach seiner Pole-Position am Samstag schaffte es Marco Wittmann nur auf einen weit abgeschlagenen 18. Platz, sein Teamkollege und Tabellenführer Rene Rast startete das zweite Spielberg-Rennen vom 7. Platz.
Der Start: Turbulenter Auftakt ins Sonntagsrennen, aber an der Spitze klare Verhältnisse. Pole-Setter Thierry Vermeulen verteidigte die Führung durch die ersten Runden, während sich Ricardo Feller auf P2 seinen Hintermann Jack Aitken erfolgreich vom Leib hielt. Dahinter ging es zur Sache: Marco Wittmann rasselte mit Ben Dörr zusammen und wurde halb gedreht. Thomas Preining erlitt von P5 nach leichtem Kontakt einen Reifenschaden hinten links und musste die Boxengasse ansteuern. Obendrein drehte sich noch Nicki Thiim.
Die erste Rennhälfte: Schon wieder Drama um Aitken! Der von Platz drei gestartete Ferrari-Pilot zog sich in der 3. Runde ebenfalls einen Reifenschaden zu und musste den Slick wechseln lassen. Wenig später noch mehr Trubel in der Spitzengruppe, als sich Fabio Scherer wegen eines Schadens von seiner starken Ausgangslage verabschieden musste. Großer Gewinner der ereignisreichen Startphase war Arjun Maini, der mit seinem HRT-Ford von P13 bis auf Platz vier nach vorne stürmte.
In Runde 7 öffnete sich das erste von zwei Boxenstopp-Fenstern, fünf Autos aus dem hinteren Feld bogen umgehend ab. Bis zum 10. Umlauf hatten zwei Drittel des Feldes neue Reifen aufziehen lassen, während die Spitzengruppe draußen blieb. Vermeulen und Feller bekriegten sich munter auf der Strecke und setzten sich mit 5 Sekunden vom Drittplatzierten Lucas Auer ab. In Runde 15 übernahm Feller die Führung.
Der weitere Rennverlauf: Rene Rast machte von Platz fünf in Runde 15 den Anfang aus dem Favoritenkreis und ließ neue Reifen aufziehen. In Runde 16 folgten Spitzenreiter Feller und Vermeulen von P2, dazu Lucas Auer, Arjun Maini und Maro Engel von den Plätzen drei, vier und fünf. Maini gelang es dank eines schnellen Stopps der HRT-Crew, Vordermann Auer in der Box für P3 zu überholen. Ansonsten blieb die Reihenfolge unverändert.
In der Folgezeit tat sich nicht allzu viel auf der Strecke. Feller und Vermeulen fuhren weiter in ihrer eigenen Liga und hatten mehr als 6 Sekunden Vorsprung zu Arjun Maini, der den dritten Platz souverän behauptete. 16 Minuten vor dem Rennende, in Runde 26, öffnete sich das zweite Boxenstopp-Fenster. Sieben Autos aus dem hinteren Feld nutzten die Gelegenheit sofort und bogen ab. Bitter: Bei Ben Greens Ferrari klemmte eine Radmutter komplett und ließ sich nicht lösen.
In Runde 29 wurde es geschäftig in der Boxengasse: Die Top-8, angeführt von Feller, kamen im letzten Moment zum Reifenwechsel rein! Diesmal erwischte Maini keinen guten Stopp und fiel vom dritten auf den fünften Platz zurück, wenig später wurde der Inder sogar bis auf P7 durchgereicht.
Rene Rast kassierte zwei Penalty Laps (Unsafe Release und weiße Linie überfahren), als er P5 belegte. Das warf den BMW-Piloten innerhalb von zwei Runden bis auf Platz zehn zurück.



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