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DTM / Kolumne

Klaus Ludwig: Hockenheim: Zum Motorsport gehören immer Drei

Beim Saisonfinale erlebte Klaus Ludwig ein DTM-Fest: Die Fans waren begeistert und die Fahrer sorgten für tollen Motorsport.
von Klaus Ludwig

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Beim Saisonfinale hat Hockenheim wieder einmal bewiesen, dass es für ein volles Haus sorgen kann. Mit einem neuen Zuschauerrekord zeigte die Region an allen drei Tagen ihre beeindruckende Liebe zum Tourenwagensport. Dafür ein großes Dankeschön an die Fans!

Etwas schade war, dass einige Fahrer den Start verpatzten. Martin Tomczyk hatte einen guten Start, konnte seine 3. Position aufgrund eines Drehers in der ersten Kurve aber nicht halten. Ihm hätte ich zum Saisonabschluss noch ein gutes Ergebnis gewünscht. Bernd Schneider legte aus der 2. Reihe einen Superstart hin. Jamie Green und Tom Kristensen verloren hingegen Positionen.

Die Starts waren also wieder einmal ein entscheidendes Kriterium für den Rennverlauf. Für das kommende Jahr heißt es deshalb mehr Startübungen zu absolvieren und die Starts zu perfektionieren.

Perfekt war die Leistung von Bernd Schneider, der sowohl im Nassen als auch im Trockenen eine absolute Klasse für sich gewesen ist. Seine Überlegenheit rührte vom Setup her, welches er mit seinen Ingenieuren wohl besser als die Konkurrenten hinbekommen hat. Allerdings hat Bernd schon beim 1. Rennen in Hockenheim eine tolle Leistung gezeigt. Deshalb war dieser Sieg für ihn sicherlich eine große Genugtuung.

Meister Paffett - Auf einer Stufe mit den ganz Großen

Der neue DTM-Champion Gary Paffett ist ein cleveres Rennen gefahren. Er hat den Druck gut weggesteckt und damit bewiesen, dass er zu Recht DTM-Meister geworden ist. Er umschiffte die Wellen der stürmischen See und holte trotz der enormen Belastung einen dritten Platz. Ob er die Pace von Bernd Schneider hätte mitgehen können, bleibt jedoch für immer ungeklärt.

Obwohl ich mich von Vorwürfen distanzieren möchte, welche mir zuletzt eine gewisse Parteilichkeit in Richtung Mercedes unterstellten, muss ich zugeben, dass ich in den letzten Jahren seit seiner Formel 3 Zeit ein Anhänger von Gary Paffett geworden bin. Denn dieser Mann besitzt ein unglaubliches Talent.

Für mich steht er auf einer Stufe mit den besten Motorsportlern der Welt. Allerdings ist ein Fahrer immer nur so gut, wie es sein Material zulässt. Deswegen gehören zum Motorsport immer Drei: Das Team, das Auto und der Fahrer.

Im Fall von Gary Paffett passt die Kombination aus Team, Auto und Fahrer perfekt zusammen. Man stelle sich bloß einmal vor, was gewesen wäre, wenn Gary Paffett eine fehlerlose Saison gelungen wäre. Dann wäre dieses Trio noch überlegener Meister geworden.

Lassen wir die Saison des neuen Meisters noch einmal Revue passieren: In Hockenheim wurde Gary trotz der Probleme mit seiner Tür Zweiter, beim 1. Lauf in der Lausitz hat er gewonnen, in Spa hätte er ohne die Strafe gewinnen können und in Brünn hätte er ohne den Frühstart siegen können. In Oschersleben und am Norisring holte er sich den Sieg.

Am Nürburgring kam es dann zu jenem leidlichen Zwischenfall mit der weißen Linie, ohne welchen er ebenfalls auf dem obersten Podestplatz gestanden hätte. Am EuroSpeedway wurde Gary hinter Mattias Zweiter, wobei er sich fair verhielt. Denn mit der Brechstange hätte er sicherlich auch dort gewinnen können. In Istanbul holte er einen klaren Sieg und beim Saisonfinale fuhr er trotz des immensen Drucks einen guten 3. Platz ein. Diese Ergebnisse zeigen deutlich auf, wie gut der Brite ist.

Vizemeister Ekström - Die zweite Ausnahmeerscheinung

In diesem Zusammenhang kommen wir zum Vizemeister Mattias Ekström. Dieser hat aus seinen Möglichkeiten bei Audi ein unglaubliches Ergebnis herausgeholt.

Sein Auto war sicherlich sehr gut. Allerdings konnten nur er und Tom Kristensen damit Topplatzierungen einfahren. Einige andere Fahrer wie Allan McNish kamen damit nicht so gut klar. Mercedes lag hingegen immer mit allen neuen Autos eng zusammen.

Vor diesem Hintergrund hat der Schwede in diesem Jahr eine irre Nummer abgezogen. Somit ist auch er eine Ausnahmeerscheinung in der DTM, in welcher er in diesem Jahr sein Talent vollständig ausreizen musste.

Im kommenden Jahr wird Audi alle Hebel in Bewegung versetzen, um den Titel zurückzuerobern. Audi Motorsport besitzt sowohl den technischen als auch den finanziellen Background, um ein perfektes Rennauto zu bauen. Über ihren Fahrerkader werden sich die Ingolstädter aber noch einmal intensiv Gedanken machen müssen.

In Hockenheim konnte sich Frank Stippler gut in Szene setzen und für ein Spitzenauto im nächsten Jahr empfehlen. Über Tom Kristensen schwebt jedoch noch ein Fragezeichen. Sollte er die DTM in Richtung Sportwagen verlassen, wäre dies für die Rennserie ein herber Verlust. Denn Tom besitzt ganz klar das Potenzial um DTM-Champion zu werden. Dieser Aufgabe sollte er sich im neuen Jahr stellen.

Die Zukunft - Ein Fall für Zwei

Da Audi und Mercedes ohne ein Opel-Privatteam im nächsten Jahr mindestens 10 Autos stellen sollten, beginnt auf dem Fahrermarkt die Suche nach weiteren geeigneten Piloten. Die Aufteilung der Fahrer auf die Neuwagen, die Vorjahreswagen und die diesjährigen Vorjahresautos ist aber völlig offen.

Viele fragen sich jetzt natürlich: Kann man mit zwei Herstellern überhaupt eine spannende Saison durchführen? Meine Antwort lautet ganz klar: Ja. Schließlich wurde die Spannung bereits in diesem Jahr nur von zwei Herstellern erzeugt. Opel spielte leider nur eine Außenseiterrolle. Und auch das nur aufgrund ihres Gewichtsvorteils.

Was mich aber wirklich interessieren würde wäre, ob Prodrive oder Zytek auf der Silhouette eines Opel Vectra ein konkurrenzfähiges Auto aufbauen könnten. Wie gut wäre das von Zytek entwickelte DTM-Chassis? Ich würde jedenfalls gerne sehen, wie sich ein von Ex-F1-Leuten entwickeltes Auto made in England in der DTM schlägt.

Ihr Klaus Ludwig


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