Exakt 66 Tage, nachdem Mike Rockenfeller mit seinem Abschied von Audi nach 15-jähriger Zusammenarbeit für einen Paukenschlag gesorgt hat, saß er wieder in einem Rennwagen.

Wir erreichen den gebürtigen Neuwieder nach einem zweitägigen Test auf dem Daytona International Speedway am Telefon. "Ja, ich habe hier in Hinblick auf das 24h-Rennen in Daytona mit dem Team Action Express Racing (AXR) am Dienstag und Mittwoch dieser Woche einen Cadillac-DPi-Prototyp getestet", bestätigt Rockenfeller, was Motorsport-Magazin.com aus gut informierten US-Quellen erfahren hat.

"Ich war zuvor in Indianapolis im Simulator und bin dann von dort aus am Montag nach Orlando geflogen. Der private Test lief für uns so wie wir es erhofft hatten ohne Probleme und so konnten wir unser vorgesehenes Programm auch durchziehen", sagte Rockenfeller am Donnerstag (Ortszeit) vor seinem Rückflug nach Deutschland.

Auf die Frage, ob dieser Test möglicherweise etwas mit seinem neuen Job zu tun habe, wich Rocky aus: "Das AXR-Team, mit dem ich hier Anfang des Jahres beim 24h-Rennen den zweiten Gesamtrang erzielt habe, hat sich mit dem privaten Test auf das Rennen Ende Januar 2022 vorbereitet. Mehr kann ich dazu momentan nicht sagen."

Rockenfeller beim 24h-Rennen Daytona 2021 mit dem Cadillac-DPi -
Rockenfeller beim 24h-Rennen Daytona 2021 mit dem Cadillac-DPi -Foto: LAT Images

Daytona: Rockenfeller wieder mit Superstar-Cadillac?

Fakt ist, dass neben ihm auch NASCAR-Rekordchampion Jimmie Johnson und der dreimalige Tourenwagen-Weltmeister und Le-Mans-Sieger Jose Maria Lopez im von Ally gesponserten AXR-Cadillac DPi mit der #48 getestet haben. Dessen Toyota-Teamkollege Kamui Kobayashi fehlte in Daytona, weil der neue Teamleiter von Toyotas WEC-Programms zeitgleich bei der Jahrespressekonferenz des Autobauers in Japan weilte.

Dass das AXR-Team auch beim 24h-Rennen in Daytona (29./30. Januar 2022) mit dem erfolgreichen Trio Johnson, Kobayashi und Rockenfeller an den Start gehen könnte, scheint logisch. Den vierten Fahrer im diesjährigen, zweitplatzierten Daytona-Quartett, IndyCar-Champion und Indy-500-Sieger Simon Pagenaud, der in Daytona für Michael Shank Racing in einem Acura-Prototyp testete, könnte Lopez ersetzen.

Damit hätte das Team Action Express Racing große Chancen, nach 2010, 2014 und 2018 den vierten Gesamtsieg in Daytona zu feiern. Mit dem möglichen erneuten Triumph wäre AXR übrigens das dritterfolgreichste Team bei dem berühmten Langstreckenklassiker an der Ostküste Floridas.

Mike Rockenfeller: Deutschlands letzter Daytona-Sieger

Für Rockenfeller, der als letzter deutscher Rennfahrer 2010 mit AXR in Daytona triumphiert hat, wäre es der zweite Triumph, womit er hinter Rolf Stommelen auch der zweiterfolgreichste Deutsche bei den 24h Daytona wäre.

Dazu passen auch die Spekulationen, dass der Wahlschweizer seine Rennkarriere wohl in einem Sportwagen-Prototyp fortsetzen wird. "Daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Meine Leidenschaft für Langstreckenrennen, insbesondere mit Prototypen, ist nach wie vor sehr groß", sagte Rockenfeller.

"15 Jahre für einen Hersteller (Audi, d. Red.) zu fahren, das können nicht viele sagen", erinnerte er sich stolz: "Davor war ich bei Porsche, also bin ich insgesamt 20 Jahre im Volkswagen-Konzern tätig gewesen. Leider hat sich bei Audi einiges geändert, vor allem sind viele Leute gewechselt."

Enttäuschung über Umgang bei Audi Sport

Was Rockenfeller nicht aussprach, aber andeutete, ist seine Enttäuschung über das Verhalten des neuen Audi-Motorsportchefs Julis Seebach, der nach unseren Informationen seinen Schützling bezüglich eines möglichen Werkseinsatzes mit dem neuen LMDh-Prototyp im Regen stehen ließ, was im Klartext heißt: Es wurde bis zu seiner persönlichen Entscheidung nicht mehr mit ihm über das neue Audi-Werksprojekt gesprochen.

Rockenfeller hatte insgeheim - und sicher nicht unberechtigt - darauf gehofft, bei Audi Sport wegen seiner großen Sportwagen-Erfahrung in die Entwicklung des neuen LMDh-Prototypen eingebunden zu werden und ab 2023 auch Rennen damit zu fahren. Dieses Ansinnen hatte ein Audi-Sprecher gegenüber Motorsport-Magazin.com auf Nachfrage bestätigt und mitgeteilt, er sei ein möglicher Kandidat für das neue LMDh-Projekt von Audi Sport. Nun ist es bekanntermaßen aber anders gekommen.

207 DTM-Rennen, 6 Siege, 36 Podien, 1 Titel: Mike Rockenfeller -
207 DTM-Rennen, 6 Siege, 36 Podien, 1 Titel: Mike Rockenfeller -Foto: LAT Images

"Ich habe gewisse sportliche Ziele und Ansichten, wie man miteinander umgeht. Und die sehe ich nicht mehr bei Audi. Ich brauche ein neues Umfeld. Dinge entwickeln sich und man bespricht sie, oder eben nicht", wurde Rockenfeller, der sich nicht ohne Grund bei den früheren Audi-Motorsportchefs Dr. Wolfgang Ullrich und Dieter Gass ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit bedankte, in einer Medienrunde am Rande des DTM-Events in Hockenheim deutlich.

"Ich war immer happy, dass ich so eine loyale Firma wie Audi als Partner hatte und andersherum genauso. Ich habe immer versucht, mich in den Dienst der Marke zu stellen. Das wurde immer gegenseitig wertgeschätzt. Das Gefühl habe ich nicht mehr."

Sauberer Abschied: Abt Sportsline bedankt sich bei Rocky -
Sauberer Abschied: Abt Sportsline bedankt sich bei Rocky -Foto: LAT Images

Rockenfeller hat Le-Mans-Rückkehr im Blick

Das Kapitel Audi ist für den Langstreckenspezialisten - Rockenfeller gewann als einer von nur wenigen Rennfahrern auf der Welt die berühmten Langstreckenklassiker in Daytona, Le Mans und auf dem Nürburgring - zwar beendet, nicht auszuschließen ist aber, dass sich die Wege demnächst sogar wieder kreuzen.

Denn sein Ziel ist, an der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC 2023 mit Hypercar- oder LMDh-Prototypen bei noch nicht feststehenden Rennen um Gesamtsiege zu kämpfen - möglicherweise sogar mit Cadillac. Unabhängig davon hofft der 38-Jährige, wie schon in der Vergangenheit, 2022 einige US-Langstreckenrennen bestreiten zu können und möchte auch abseits des großen Teichs mit weiteren möglichen Starts, beispielsweise bei den 24-Stunden-Rennen in Le Mans und Spa "mit guten Leistungen auf mich aufmerksam machen".

Auf dem Grand-Prix-Kurs in den belgischen Ardennen fehlt Rockenfeller noch ein Gesamtsieg, um sich als erster Rennfahrer den Grand Slam, den historischen Triumph bei den vier bedeutendsten Langstreckenrennen der Welt, zu sichern.

Siegreiche 24h-Rennen von Mike Rockenfeller

JahrRennenTeam
200524h Spa-FrancorchampsKlassensieg mit GruppeM-Porsche
200624h NürburgringGesamtsieg mit Manthey-Porsche
201024h DaytonaGesamtsieg mit AXR-Porsche-Riley
201024h Le MansGesamtsieg mit Werks-Audi R15 TDI

Rockenfeller 2022 in DTM? "Für fast alles offen"

Der DTM-Champion von 2013 hat auch einen möglichen Start in der GT3-Rennserie noch nicht abgehakt. "Ich habe Gespräche geführt, aber von einer Einigung kann überhaupt keine Rede sein", versicherte der langjährige und erfolgreiche Audi-Pilot in der DTM, der sich wundert, dass offensichtlich wenig Interesse an seiner Person besteht. "Das hätte ich so nicht erwartet, aber ich muss das akzeptieren. Außer mit Audi bin ich für fast alles offen und auch weiterhin gesprächsbereit."

Fakt ist nach aktuellem Stand, dass sich keines der DTM-Events 2022 mit einem möglichen Engagement von Rockenfeller in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship überschneidet - was die Thematik für alle Beteiligten sicher vereinfacht.