Eines steht nach dem neunten Saisonlauf auf der Lausitz fest: Die Zeit der Eintagsfliegen sind für Opel vorbei. Gelang es Opel jahrelang bestenfalls vereinzelt, in den Kampf um Siege und Podestplätze einzugreifen, so präsentierten sich die Rüsselsheimer nach Zandvoort nun bereits zum zweiten Mal zumindest in Podestform.
Schon das Qualifying ließ die DTM-Beobachter aufhorchen: Nachdem Laurent Aiello zunächst die provisorische Pole eingefahren hatte, belegten Heinz-Harald Frentzen und Manuel Reuter in der Super Pole die Plätze zwei und drei - eine hervorragende Ausgangsposition, die Frentzen in Zandvoort zum dritten Platz im Rennen gereichte. Jene Performance vermochte Opel insbesondere in der Anfangsphase des Rennens zu bestätigen: Infolge eines schlechten Starts von Pole-Setter Jamie Green setzten sich Frentzen und Reuter von Beginn an an die Spitze - ohne Angriffe des Drittplatzierten Mattias Ekström fürchten zu müssen.

Während für Marcel Fässler das Rennen bereits in Runde eins mit einem Crash sowie einem Ausflug ins Kiesbett ein schnelles Ende gefunden hatte, schienen Frentzen und Reuter ein gewichtiges Wort um den Sieg mitzureden; auch Laurent Aiello kämpfte sich vom neunten Startplatz aus mit Leichtigkeit in die Spitzengruppe. Doch wie bereits in Zandvoort vermochten die rennstrategischen Leistung der Opel-Mannschaft weitaus weniger zu überzeugen als die hervorragende Performance des Vectra GTS: Nachdem Mattias Ekström und Gary Paffett bereits in Runde sechs zum ersten Pflichtboxenstopp abgebogen waren, blieben der mittlerweile drittplatzierte Aiello, Frentzen sowie Reuter neun, zwölf bzw. 13 Runden auf der Strecke und vergaben so mit Rundenzeiten, die ebenso nachließen wie die Dunlop-Reifen, alle Podestchancen.
So sortierte sich das Opel-Trio nach den Boxenstopps erst auf den Positionen vier bis sechs hinter Ekström, Paffett und Tom Kristensen wieder ein - mit beträchtlichem Rückstand, der auch durch einen kurzen zweiten Stint nicht wettgemacht werden konnte. Eine überzeugende Aufholjagd Aiellos und Reuters verdeutlichten zwar das Podestpotenzial des Vectra, zeigte allerdings umso deutlicher, das jenes auf Grund der Boxenstrategie nicht ausgeschöpft worden war. Schließlich verlor Frentzen den sicher geglaubten sechsten Platz nach einer unverschuldeten Kollision mit Jean Alesi und rutschte letztlich auf Rang sieben.

Auch wenn den Rüsselsheimer der Durchbruch somit erneut nicht gelang, bestätigte die Vorstellung auf dem EuroSpeedway dennoch die enormen Fortschritte, die Opel während der laufenden Saison zu verzeichnen hatte: War der zweite Saisonlauf in der Lausitz noch der Tiefpunkt eines bescheidenen Starts in die Saison, so kann der heutige neunte Saisonlauf am gleichen Ort durchaus als vorläufiger Höhepunkt einer bemerkenswerten Aufholjagd bezeichnet werden.
Waren es vor viereinhalb Monaten sowohl ein problematisches Handling als auch die Disharmonie des Vectra GTS mit den Dunlop-Pneus, die einen nahezu peinlichen Auftritt in Qualifying und Rennen zur Folge hatten, so scheinen sich die konsequente Weiterentwicklung sowie das regelmäßige Testen, unter anderem auch im August auf dem EuroSpeedway, auszuzahlen: Aus dem nervösen und schlicht zu langsamen Vectra GTS ist ein repräsentativer DTM-Bolide geworden, der sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Leider wohl zu spät, um die General-Motors-Vorstandsetagen in Bezug auf eine Weiterführung des DTM-Engagements umstimmen zu können.

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