Eine enge, winklige Rennstrecke in unmittelbarer Nähe der Nordsee, spärlich verteilte Tribünen, dafür umso mehr "Naturtribünen" in Form von Dünen, teils mit langen Gräsern bewachsen: Eine solche Beschreibung weckt bei der Mercedes-Truppe um Norbert Haug keine allzu frohen Erinnerungen, sah man doch im vergangenen Jahr auf einem solchen, im niederländischen Zandvoort gelegenen Dünenlabyrinth im Kampf um den Titel eine Vorentscheidung zu Gunsten Audis.
Doch ob gute oder schlechte Erinnerungen - auch in diesem Jahr müssen sich die DTM-Akteure den Herausforderungen des 4,307 Kilometer langen Dünenkurses stellen. Während die niederländische Traditionsstrecke von den Fahrzeugen ein hohes Maß an Abtrieb verlangt, ist von den Fahrern höchste Konzentration gefordert: Der größtenteils auffallend enge Kurs erfordert bei Überholversuchen, sollten sie sich überhaupt anbieten, Einiges an Fingerspitzengefühl. Auf die Strecke gewehter Nordseesand erschwert ebenso ein fehlerfreies, 36-faches Umrunden des Kurses.
Audi
Auch in diesem Jahr reist Audi mit einiger Zuversicht nach Holland und möchte abseits der abendlichen Beachpartys die Erfolge von 2002 und 2004 wiederholen. "Zandvoort ist ein sehr anspruchsvoller Kurs, für den wir gut aufgestellt sein sollten", urteilt Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich und hofft auf eine deutliche Verbesserung der ohnehin schon starken Meisterschaftspositionen.

Während die Joest-Audi des Vorjahres angesichts ihres hohen Maßes an Abtrieb gegen die Vorjahres-Mercedes und möglicherweise auch gegen Opel gute Karten haben sollte, brauchen auch die Fahrer eines aktuellen A4 DTM keine bitteren Niederlagen zu fürchten, ist doch der diesjährige Rennbolide aus Ingolstadt beim Abtrieb noch immer leicht im Vorteil. Wie in den vergangenen Rennen ließe sich diese Stärke wohl auch in Zandvoort mit einer geschickten Abstimmung besonders herausstellen.
Und so sind es eher die fahrerischen Tücken der Strecke, derer sich die Audi-Piloten, insbesondere im vorentscheidenden Qualifying, annehmen müssen. Tom Kristensen, im vergangenen Jahr Sechster, gibt seine Sicht der Strecke kund: "Zandvoort ist eine echte Handling-Strecke, die beim Fahren vollen Einsatz verlangt. Es gibt viele verschiedene Kurven, es geht rauf und runter, und die Leitplanken stehen dicht an der Strecke."
Mercedes
Auch zwei Wochen nach dem siebten Lauf auf dem Nürburgring hadert Gary Paffett noch mit dem Schicksal. "Ich habe leider die Meisterschaftsführung auf dem Nürburgring durch meinen dummen Fehler beim Überfahren der weißen Linie an der Boxenausfahrt verschenkt. In Zandvoort will ich besser sein", kündigt der junge Brite an.

Dies liegt zwar durchaus im Bereich des Möglichen, sollte der Vizemeister von 2004 seine überzeugende Performance beim letztjährigen Zandvoort-Qualifying wiederholen und im Folgenden anders als im Vorjahr darauf verzichten können, im Eifer des Gefechts mit einem Audi aneinanderzugeraten. Hinter der Vorstellung der C-Klasse auf dem kurvigen Dünenkurs stehen allerdings noch ein, wenn auch im Vergleich zu 2004 weniger großes Fragezeichen.
Zwar weist die Stuttgarter Mittelklasselimousine heute einen weitaus weniger eklatanten Nachteil beim Abtrieb auf; die Topspeed-Vorteile dürften allerdings auch in diesem Jahr kaum eine Hilfe sein. Und so gilt es für Mercedes, angesichts der bis auf 1.070 Kilogramm beladenen Audi A4 erstmals nicht alleiniger Inhaber des Maximalgewichts, die bekannten Qualitäten des Teams in Qualifying und Rennstrategie voll auszuschöpfen.
Opel
Mit eher gemischten Gefühlen blickt Opel auf das anstehende Rennen in den Niederlanden: Verhinderte 2003 nur ein misslungener Boxenstopp eine überzeugende Siegfahrt Timo Scheiders, so präsentierte man sich im vergangenen Jahr zwar solide, doch insbesondere gegen Audi machtlos. Dass sich dies am kommenden Wochenende ändert, erscheint eher fraglich.

So dürfen sich die Rüsselsheimer zwar weiterhin des Minimalgewichts von 1.030 Kilogramm erfreuen, dem auf dem hügeligen Zandvoort-Kurs zudem eine besondere Bedeutung zukommt, die wenigen Überholmöglichkeiten dürften Opel allerdings nicht zu Gute kommen: Eine gute Performance in Qualifying und Super Pole, bislang sicherlich keine Stärke des Teams, ist in Zandvoort so wichtig wie kaum anderswo.
Eher unklar ist derweil die Eignung des Vectra GTS V8 für den Zandvoorter Kurs: So weist die Rüsselsheimer Rennlimousine zwar keine besonderen Schwächen mehr auf, spezielle Stärken sucht man allerdings nach wie vor vergeblich. Eine Einschätzung, die für Opel durchaus die Möglichkeit bietet, wie schon 2003 völlig unerwartet aufzutrumpfen...

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