Audi und das Heimrennen in Nürnberg - schon seit Jahren eine nicht immer glückliche Konstellation. Nachdem man allerdings entgegen den allgemeinen Erwartungen gestern die Pole Position errungen und sich als durchaus konkurrenzfähig herausgestellt hatte, keimten begründete Hoffnungen auf einen Sieg auf. Eine nahezu perfekte fahrerische und taktische Leistung Gary Paffetts und des H.W.A.-Teams machten diese allerdings zunichte.

Bereits der Start kann im Nachhinein als ein wenig glückliches Vorzeichen gelten. Nach einem eher mittelmäßigen Start von Pole-Setter Tom Kristensen schob sich Gary Paffett problemlos am Dänen vorbei, während auch Mattias Ekströms Start von Platz fünf aus nicht herausragend ausfiel. Allan McNish wurde im Startgetümmel gar um seine Motorhaube erleichtert, die allerdings im Laufe des Rennens ersetzt werden konnte. Im Folgenden machte Kristensen zwar den an Jean Alesi in der ersten Kurve verlorenen Platz wieder gut und begab sich auf die Jagd nach dem bereits enteilten Paffett, doch stellte die durch Jamie Green und seinen Unfall mit Mika Häkkinen ins Leben gerufene Safety-Car-Phase einen Rückschlag für den ambitionierten Dänen dar: Ebenso wie Paffett, aber anders als seine Teamkollegen Ekström, Christian Abt und Martin Tomczyk verpasste er es, die Safety-Car-Phase für den ersten der beiden Pflichtboxenstopps zu nutzen und sie somit in einen Zeitvorteil umzumünzen.

Mattias Ekström verlor die Meister-schaftsführung an Gary Paffett., Foto: Sutton
Mattias Ekström verlor die Meister-schaftsführung an Gary Paffett., Foto: Sutton

Als Profiteur trat zunächst Ekström hervor: Nachdem er seine Audi-Kollegen Allan McNish, Martin Tomczyk und Christian Abt passiert hatte, schloss der junge Schwede zu Marcel Fässler auf, den Führenden jener Gruppe, die bereits den ersten Boxenstopp erledigt hatten. Doch ausgerechnet Rinaldo Capello, seines Zeichens der bislang in diesem Jahr am wenigsten überzeugende Pilot der A4-Jahreswagen, machte dem zu diesem Zeitpunkt durchaus aussichtsreich im Rennen befindlichen Schweden in Runde 30 einen Strich durch die Rechnung: Nach einem Crash im zweiten Sektor stellte der Italiener seine um das Stufenheck erleichterte Stufenhecklimousine in der Box ab und rief angesichts der über die Strecke verteilten Kohlefaserteile das Safety Car erneut auf den Plan - womit der taktische Vorteil Ekströms seinem Kontrahenten Paffett gegenüber egalisiert wurde.

Nach Freigabe des Rennens entbrannte schnell ein Kampf zwischen dem Meister sowie dem Vizemeister von 2004 - mit besserem Ende für Gary Paffett, der sich letztlich souverän am Schweden vorbeischob und sogleich davonzog. Ein eher unerwartetes Hindernis schloss sich für Ekström in Form des A4-Jahreswagens Christian Abts an, der sich noch immer sensationell in der Spitzengruppe befand. Entgegen den Hoffnungen Ekströms ließ der temperamentvolle Bayer den Titelaspiranten nicht passieren - woraufhin sich Ekström einem herannahenden Bernd Schneider stellen musste, dessen Überholversuche schnell Erfolg zeigten.

Christian Abt fuhr im A4-Jahreswagen sensationell Rang 2 ein., Foto: Sutton
Christian Abt fuhr im A4-Jahreswagen sensationell Rang 2 ein., Foto: Sutton

Der führende Tom Kristensen, der in Runde 58 möglicherweise in der Hoffnung, von einer weiteren Safety-Car-Phase profitieren zu können, noch immer nicht zum zweiten Boxenstopp erschienen war, bekam derweil Druck von Seiten Gary Paffetts zu spüren, bevor der Däne in Runde 60 schließlich in die Boxengasse einbog. Obschon sich das Rennen allmählich dem Ende zuneigte, kam Mattias Ekström noch immer nicht zur Ruhe: Nachdem Bruno Spengler im Vorjahres-Mercedes zur Reihe der zahlreichen misslungenen Überholmanöver dieses Rennens beitragen und dem viertplatzierten DTM-Champion die Fahrertür eingedrückt hatte, profitierte Ekström zwar von einem Fehler Bernd Schneiders und schob sich auf Rang drei, wurde im Folgenden jedoch von Manuel Reuter in Bedrängnis gebracht. Jenes Duell endete in einer übereilten Aktion Manuel Reuters, die Ekström zwar die Frontverkleidung, angesichts einer Strafe der Rennleitung an den Opel-Piloten nicht den dritten Platz kostete.

Somit entging der noch immer auf Rang zwei liegende Christian Abt einer möglichen Stallorder und fuhr im A4 des Vorjahres, den im Vorfeld kaum jemand eine ernsthafte Punktechance zugebilligtg hatte, ungefährdet den ersten Podestplatz eines Jahreswagens in der Geschichte der neuen DTM ein - wenn auch begünstigt durch das Mindergewicht von 1.035 Kilogramm.

Fazit:

Während mit den Mercedes- und Opel-Piloten vergleichsweise häufig die Nerven durchgingen, blieb die Audi-Truppe recht souverän und brachte so sechs der acht Fahrzeuge in die Punkte; hinter Abt und Ekström landeten Allan McNish und Martin Tomczyk auf den Rängen vier und fünf; Tom Kristensen und Pierre Kaffer sicherten sich die letzten beiden Punkteränge. 26 Punkte und die Übernahme der Führung in der Herstellerwertung sind die Folge und stimmen angesichts der Tatsache, dass Mattias Ekström die Führung in der Fahrerwertung an Gary Paffett verlor, mehr als versöhnlich. Dass man Mercedes nach Punkten mit 16 Zählern letztlich deutlich übertrumpfte, gibt allerdings nicht das eigentliche Kräfteverhältnis auf dem Norisring wieder: Zwar fiel der Rückstand des aktuellen A4 auf die C-Klasse, auch auf Grund einer cleveren, die Stärken des Audis hervorbringenden Abstimmung, weit weniger groß als befürchtet aus, jedoch bewies Gary Paffett, der das Potenzial des Fahrzeug als einziger Vertreter des Mercedes-Fahrerkaders voll abzurufen vermochte, den Fortbestand der altbekannten Überlegenheit der Stuttgarter auf dem Nürnberger Stadtkurs.