Dass der letzte Opel-Sieg in der DTM beinahe fünf Jahre zurückliegt, bedeutet nicht, dass für die Rüsselsheimer ein Sieg stets außer Reichweite war: Nicht nur in Zandvoort 2003, als man den in Führung liegenden Timo Scheider auf Grund eines völlig missglückten Boxenstopps seiner Siegchancen entledigte, sondern auch heute auf dem Norisring sah ein Opel-Pilot zeitweise wie der sichere Sieger aus, musste allerdings mehr oder minder unverschuldet seine Hoffnungen auf einen Triumph begraben.
Bereits der erste Freitagstest war für Marcel Fässler zunächst ein gutes Omen: Eher überraschend landete der Schweizer auf Platz eins, rückte allerdings während der folgenden Trainingssitzungen in den Schatten Manuel Reuters, der sich auch im Qualifying mit Rang sechs als überzeugendster Opel-Pilot herausstellte.
Wenig viel versprechend verlief für Opel der Beginn des viel zitierten Saisonhöhepunktes: Während Manuel Reuter beim Start keine Plätze gutmachen konnte, geriet Fässler wenig später in eine Rangelei in der Grundig-Kehre - und verlor prompt einige Positionen. Nachdem allerdings infolge des Crashs zwischen Jamie Green und Mika Häkkinen das Safety-Car zum ersten Mal zum Einsatz kam, schlug die große Stunde des Schweizers: Anders als Reuter nutzte er die Gelegenheit, suchte gleich zu Beginn der Safety-Car-Phase die Box auf und führte bei der Wiederfreigabe des Rennens die Gruppe der Piloten an, die bereits ihren ersten Stopp absolviert hatten.

Angesichts eines überschaubaren Abstands auf die noch nicht neu bereifte und betankte Spitzengruppe bestanden, abgesehen von einem drängelnden Mattias Ekström im Rückspiegel, für Marcel Fässler kaum Gründe, diesen Sieg noch aus der Hand zu geben... Jener folgte in Runde 30 in Form eines auf der Straße verteilten Audi-Hecks: Nachdem Rinaldo Capello in der Schikane seinen übersteuernden A4 nicht mehr abzufangen vermochte, schloss sich die zweite Safety-Car-Phase an, die nicht nur Fässlers Vorteil durch den ersten Boxenstopp erlangten Boxenstopp zunichte machte. Vielmehr kam es zu einem Trauerspiel, das in Form eines sich mit loser Motorhaube in die Box schleppenden Vectras und einer Mischung aus Heulkrampf und Tobsuchtsanfall des sonst so bedächtigen Fässlers in der Box sein Ende fand: Offenbar war der Schweizer auf der Ölspur Rinaldo Capellos ausgerutscht und daraufhin in die Leitplanken gerutscht.
Beim Versuch, Schadensbegrenzung zu betreiben, waren allerdings vor allem Laurent Aiello und Manuel Reuter wenig erfolgreich: Zwar hatte sich Aiello bis in die Punkteränge vorangekämpft, jedoch wurde der Aufholjagd des Franzosen in Form einer Drive-through-Penalty schnell ein Ende gesetzt, nachdem er Mercedes-Jahreswagenpilot Alexandros Margaritis in der Grundig-Kehre umgedreht hatte. Auch Manuel Reuter behielt nicht die Nerven: Einen angesichts der Umstände vorzüglichen vierten Platz verspielte der DTM-Veteran, als er sich während der letzten Runde mit der Brechstange an Mattias Ekström vorbeizuschieben versuchte. Während der Schwede die Motorhaube seines ohnehin lädiert daherkommenden A4 verlor, büßte Manuel Reuter kurze Zeit später den dritten Platz ein und landete auf Platz neun, nachdem das Manöver von der Rennleitung als nicht sportlich erachtet worden war.

Und so war es ausgerechnet Norisring-Neuling Heinz-Harald Frentzen, der die Rüsselsheimer vor einer weiteren Nullrunde rettete: Der Mönchengladbacher behielt in einem chaotischen Rennen den Überblick, kam vergleichsweise unbeschadet über die Renndistanz und darf sich über Platz sechs freuen, womit er seine Position als stärkster Opel-Pilot in der Meisterschaft ausbaut.
Fazit:
Möglicherweise waren es unglückliche Umstände die einen sensationellen Opel-Sieg verhinderten; gewiss waren es jedoch auch die eigenen Fehler Aiellos und Reuters, die eine wesentlich bessere Punkteausbeute verhinderten. Der viel gescholtene Vectra GTS V8 präsentierte sich in Nürnberg unerwartet konkurrenzfähig und brauchte sich im Rennen, mit Ausnahme der C-Klasse Gary Paffetts, im Rennen vor keinem anderen Fahrzeug zu verstecken. Dass ausgerechnet Manuel Reuter und Marcel Fässler das Wochenende Opel-intern zunächst dominierten, spricht dafür, dass die im Vorfeld des Rennens bestrittenen Testfahrten in Oschersleben von Erfolg gekrönt waren - denn eben diese Piloten kamen im Motopark als Testfahrer zum Einsatz und wussten so die gewonnenen Erkenntnisse offenbar gut umzusetzen. Und so war es neben dem durchaus signifikanten Gewichtsvorteil, der insbesondere über die Renndistanz von Bedeutung war, auch eine deutliche Verbesserung des Handlings des Vectras, das zu einem erfolgreichen Wochenende hätte beitragen können.

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