DTM

DTM, Hockenheim-Klatsche für Audi: Sind die Regeln schuld?

Audi hat beim ersten Rennen der DTM-Saison 2018 in Hockenheim arge Probleme. Selbst die Konkurrenz ist verblüfft. Das sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Als amtierender Meister in der Fahrer-, Hersteller- und Teamwertung war Audi in die DTM-Saison 2018 gestartet. Nach dem ersten Rennen auf dem Hockenheimring herrscht große Ernüchterung. Die sieben Audis inklusive Gaststarter Mattias Ekström fuhren im Qualifying und Rennen größtenteils chancenlos hinterher. Bezeichnend: Rene Rast fehlte im Quali als bestplatziertem Audi-Fahrer eine halbe Sekunde zu Pole-Setter Gary Paffett.

Im Rennen lief es für die Ingolstädter kaum besser. Während Mercedes klar als stärkste Marke herausstach, schafften es nur zwei Audis in die Top-10. Rast und Loic Duval retteten die Ehre ansatzweise auf den Plätzen neun und zehn. Top-Fahrer wie Jamie Green, Ekström bei seiner Abschieds-Tournee oder auch Rookie Robin Frijns waren komplett abgeschlagen.

Im Audi-Lager herrscht eine gewisse Resignation vor dem Sonntagsrennen. Die Sorge, dass es ähnlich schlecht laufen wird wie zum Auftakt, ist akut. "Man kann jetzt nur noch schauen, dass wir am Setup arbeiten", sagt Motorsportchef Dieter Gass zu Motorsport-Magazin.com. "Normalerweise würde ich sagen, dass wir da keine halbe Sekunde finden können. Dafür hätten wir heute schon ziemlich daneben liegen müssen."

Es hatte sich angedeutet, dass sich Audi 2018 wesentlich schwerer tun würde. Über den Winter wurden die Autos überarbeitet. Unter anderem die Vereinheitlichung der Radhäuser - 2017 ein wichtiger Trumpf der Audi-Ingenieure - könnte jetzt teuer werden für den stärksten Hersteller der vergangenen Jahre.

"Im Endeffekt scheint sich das zu bewahrheiten, was wir nach den Testfahrten befürchtet hatten", vermutete Gass. "Heute ist uns das Aero-Thema ein bisschen auf den Kopf gefallen. Letztes Jahr haben wir im Rennen durchaus Boden gutmachen können, weil wir mit den Reifen besser umgegangen sind. Das ist dieses Jahr auch schwieriger. Wir müssen schauen, welche Lösungsansätze wir finden können."

Bis zur vergangenen Saison waren die Performance-Gewichte ein künstlicher Ausgleich, um das Feld einigermaßen eng beisammen zu halten. Die gibt es aber nicht mehr. Audi tappt im Dunkeln. Gass: "Wir hatten in der Vergangenheit öfter große Schwankungen in der Performance zwischen den Herstellern. Wir müssen schauen, ob es so etwas überhaupt noch gibt, da wir alle eine Einheits-Aerodynamik haben."

Der Audi-Chef klang am Samstag alles andere als zuversichtlich, dass noch in Hockenheim die Kehrtwende gelingt. Schon jetzt kündigte er an, was im Motorsport eigentlich nicht allzu beliebt ist: Experimente. "Ja, ein Stück weit experimentieren wir", bestätigte Gass. "Auch vom Ansatz der Rennstrategie, denn vom einen auf den anderen Tag kann man das Paket nicht so viel besser machen. Da kann man nur versuchen, etwas anders zu machen."

Auch die Konkurrenz zeigte sich verdutzt angesichts der schwachen Audi-Pace sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Mercedes-Teamchef Uli Fritz zu Motorsport-Magazin.com: "Das war sicherlich überraschend. Ich kann mich aber ans letzte Jahr erinnern. Da sah es ähnlich aus, wir wissen aber alle, wie es ausgegangen ist. Man darf den Gegner nach dem ersten Rennen nicht abschreiben - und vor allem nicht Audi."

Die Streckenbedingungen, die relativ hohen Temperaturen oder auch ein völlig verwachstes Setup könnten dazu geführt haben, dass Audi am Samstag ohne echte Chance war. Setzt sich der Trend aber in den kommenden fort, sind große und politische Diskussionen im Fahrerlager schon programmiert...


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