DTM

Norisring: Die 7 Brennpunkte zum Rennen

Die DTM reist zum Saison-Highlight auf dem Norisring. Schafft BMW die Trendwende, was treibt Mattias Ekström und wofür sorgt der neue Zeitplan? Die Brennpunkte.
von Robert Seiwert

Brennpunkt 1: Schafft BMW den Anschluss?

Audi ist derzeit der führende Hersteller, relativ dicht gefolgt von Mercedes - nur BMW fällt noch ziemlich ab. Die Münchner haben bislang erst 125 Punkte gesammelt, weniger als halb so viele wie Spitzenreiter Audi mit 284 Zählern. Timo Glock liegt als bestplatzierter BMW-Pilot in der Fahrerwertung nur auf dem siebten Platz, Meister Marco Wittmann ist Zwölfter. BMW hat es noch nicht verstanden, die neuen, weichen Reifen ins richtige Fenster zu bringen. Ob der Norisring mit seinen Bodenwellen und dem extrem glatten und anfangs grünen Asphalt da recht kommt? Gelingt BMW nicht schnellstmöglich der Anschluss, können sie die Saison vorzeitig abhaken.

Brennpunkt 2: Neuer Zeitplan sorgt für Stress

In der Woche vor dem Norisring gab die ITR bekannt, dass das ursprünglich für 18:55 Uhr geplante Samstagsrennen auf 13:25 Uhr vorverlegt wird. Ansonsten hätte die ARD das Rennen nicht übertragen, da die Sendezeit mit der Trauerfeier für den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl kollidiert. Die DTM-Fans wird's freuen - die Teams eher nicht. Wegen der Verschiebung könnte der Samstag kaum stressiger sein. Nach dem Ende des Qualfiyings um 11:40 Uhr haben die Teams nur eine Stunde Zeit, um die Autos für das Rennen startklar zu machen. Ab 12:45 Uhr beginnen die Informationsrunden, der Rennstart erfolgt wenig später.

Brennpunkt 3: Warten auf die nächste Affäre

Die Action in der neuen DTM ist bislang top, da sind sich die meisten Experten einig. Zahleiche Überholmanöver und spannende Reifen-Strategien prägten die meisten Rennen der Saison 2017. Nur eines kam bislang etwas zu kurz: Zoff zwischen den Fahrern. Selten verlief ein Saisonstart so harmonisch wie in diesem Jahr, es gab kaum Reibereien untereinander. Dabei sorgten genau diese Geschichten in den vergangenen Jahren für die großen Schlagzeilen. Eben das Salz in der Suppe der Tourenwagenserie. Da kommt der Norisring gerade recht. Von der Watergate- bis hin zur Arschloch-Affäre 2016: Am Norisring ging es in den letzten Jahren auch immer abseits der Rennstrecke mächtig rund. Da kann es zumindest nicht schaden, dass Mattias Ekström auch wieder am Start ist...

Brennpunkt 4: Die Cause Ekström

Es war die große Frage der letzten Wochen: Wo startet Mattias Ekström an diesem Wochenende? Eigenes Heimspiel in Schweden bei der Rallycross-WM oder Audi-Heimrennen in der DTM am Norisring? Ekström und Audi hatten die Ausnahmeklausel in der WRX gezogen, um so spät wie möglich zu entscheiden, wo er starten wird. Letztendlich fiel die Wahl auf den Norisring, da Ekström nach dem letzten Rennwochenende in Ungarn voll im DTM-Titelkampf steckt. Vereinbart war vor der Saison, dass die DTM im Zweifel Priorität genießt. Damit dürften Ekis Chancen auf die Titelverteidigung in der WRX deutlich sinken. "In Höljes habe ich 2014 und 2015 gewonnen. Klar, dass ich dort gerne den dritten großen Pokal geholt hätte", sagte Ekström. "Aber die DTM hat Priorität und leider kann ich mich nicht zweiteilen. Zum Glück hat mir mein Chef Dieter Gass die Entscheidung abgenommen." Mit bislang sechs Podestplätzen gilt der Schwede als sichere Bank am Norisring.

Brennpunkt 5: Rosberg nach der Disqualifikation

Das Audi-Team Rosberg leistet bislang überragende Arbeit, das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rookie Rene Rast führt die Gesamtwertung an, Teamkollege Jamie Green ist Dritter. Der Brite erlebte zuletzt in Ungarn einen Rückschlag, als er vom ersten Rennen disqualifiziert wurde. Das Mercedes-Team HWA hatte Protest eingelegt, weil an Greens Frontdiffusor ein Spalt unerlaubt abgeklebt worden war. Der DMSB stimmte zu, Green verlor Platz sieben und damit sechs Meisterschaftspunkte. Hätte er sie behalten dürfen, würde er die Gesamtwertung anführen... Stattdessen thront Rast an der Spitze, der vor seinen ersten DTM-Rennen am Norisring steht. Der perfekte Ort für Green, um zurückzuschlagen. Mit vier Siegen beim Stadtrennen trägt er den Spitznamen Mister Norisring. Ob Rast hier viele Tipps von Titelrivale Green bekommen wird?

Brennpunkt 6: Wieder Chaos dank Regen?

Den Norisring gibt es üblicherweise in zwei Aggregatszuständen: heiß oder nass. Nach dem Hitze-Wochenende 2016 droht diesmal wieder Regen. Für beide Renntage sind derzeit nasse Verhältnisse vorhergesagt. Das riecht nach Chaos-Rennen. Davon hat es in der Vergangenheit zahlreiche gegeben, etwa bei Bruno Spenglers Sieg 2011 im Abbruch-Rennen, 2012 bei Jamie Greens Triumph in der letzten Runde, 2014 wo es etliche Male knallte oder auch 2015, als es kurz vor Rennstart schüttete. Das einzige Regenrennen in diesem Jahr, das Sonntagsrennen in Hockenheim, gewann Jamie Green vor Gary Paffett und Marco Wittmann. Die neue Safety-Car-Regel mit Indy-Restart-Prozedere dürfte für zusätzliche Spannung sorgen.

Brennpunkt 7: BMW mit Gewichts-Vorteil

Am Norisring kommt zum zweiten Mal die neue Erfolgsballast-Regel zum Einsatz. Die Zusatzgewichte werden seit Ungarn nicht mehr anhand der Qualifying-Performance, sondern gemessen an der Leistung im Rennen verteilt. Während auf normalen Strecken der Mittelwert der Rundenzeiten in den ersten 28 Umläufen als Maßstab gilt, sind es am Norisring die ersten 48 Runden. Audi und Mercedes treten im ersten Qualifying unter gleichen Bedingungen an, die Autos beider Hersteller wiegen je 1222,5 Kilogramm. Einen Gewichtsvorteil hat nur BMW, die M4 DTM sind am Samstag 5 Kilo leichter.


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