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DTM / Analyse

Rückkehr als Wundertüte - Ausblick auf die Saison 2012: BMW

2011 ist Vergangenheit, die Planungen für die neue Saison sind im vollen Gange. Motorsport-Magazin.com nimmt die drei Hersteller unter die Lupe. Heute: BMW.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - In der kommenden Saison ist es soweit: BMW kehrt nach 18-jähriger Abstinenz in die DTM zurück, der Zweikampf zwischen Mercedes und Audi ist Geschichte. Zwischen 1984 und 1994 waren die Münchener in der Tourenwagenserie unterwegs, in 204 Rennen stand 49 Mal ein BMW-Pilot am Ende ganz oben. 41 Erfolge gehen auf das Konto des M3, die restlichen Siege erzielte der 635 CSi. Nach drei Fahrer-Meisterschaften in dieser Zeit will BMW 2012 an die Erfolgsgeschichte anknüpfen und schickt abermals den M3 ins Rennen.

Das neue Auto für 2012:

Am Rande des Show-Events im Münchener Olympia-Stadion war es soweit: der M3 DTM erblickte erstmals das Licht der Öffentlichkeit. BMW präsentierte die erste Stufe des M3 in mattgrauer Lackierung und mit Auspuffrohren am Heck. Seinen nächsten öffentlichen Auftritt erlebte das Auto beim Saisonfinale am Hockenheimring - diesmal in der traditionellen Farbgebung weiss-blau-rot mit seiner "BMW M Performance Zubehör"-Beklebung. Seit dem Launch in München hat sich einiges getan, wie Motorsportchef Jens Marquardt erklärt. Bei der Präsentation des Concept Cars Mitte Juli sei das Auto bei 80% gewesen. "Jetzt sind es vielleicht 95-98% der finalen Teile", so der Nachfolger von Mario Theissen.

So sah der M3 zunächst aus - Foto: BMW AG

Bei Testfahrten in Oschersleben, am Lausitzring und in Ungarn spulten diverse Piloten zahlreiche Kilometer mit dem neuen Auto ab. Während Audi und Mercedes bei den gemeinsamen Tests mit zwei beziehungsweise einem Auto aufkreuzten, brachte BMW mit drei Boliden das Maximum an den Start. Zwar gibt es für alle Hersteller völlig neue Autos, doch BMW setzt erstmals den 480 PS starken V8 in der DTM ein - es gilt, den Erfahrungsrückstand möglichst schnell aufzuholen.

"Der Motor ist eine Neuentwicklung, dabei sucht man das Limit", so Marquardt. "Bei der Entwicklung von Rennmotoren beginnt man meistens etwas über dem Limit, aber wir liegen voll im Plan. Es gibt keinen Grund zur Sorge." Bis zur Homologisierung im März ist noch Zeit, den letzten Feinschliff vorzunehmen. Wie der M3 letztendlich dastehen wird, ist noch nicht bekannt. BMW experimentiert beispielsweise mit drei unterschiedlichen Auspuffkonzepten, sowohl am Heck als auch mit den in der DTM üblichen Sidepipes.

Einen großen Unterschied wird es allerdings zu Mercedes und Audi geben. Während die Stuttgarter planen, mit acht Autos anzutreten und Audi wahrscheinlich nachziehen wird, bringt BMW lediglich sechs Boliden an den Start. "Aus unserer Sicht können wir 2012 nicht mehr als sechs Autos einsetzen - daran wird sich nichts ändern", betont Marquardt. "Das ist für das erste Jahr mit einem brandneuen Auto und einem brandneu entwickelten Motor das Maximum." Das Ziel sei es, Erfahrung zu sammeln und die Prozesse kennen zu lernen. "Dabei hilft es nicht, noch mehr Autos im Einsatz zu haben", merkt der Motorsportchef an. "Vielmehr benötigen wir einen effizienten Arbeitsablauf."

Aus unserer Sicht können wir 2012 nicht mehr als sechs Autos einsetzen - daran wird sich nichts ändern
Jens Marquardt

Die Fahrer-Frage für 2012:

Bei der Enthüllung des Concept Cars lüftete BMW gleichzeitig das wenig geheime Geheimnis, das Augusto Farfus und Andy Priaulx zwei der Cockpits besetzen werden. Viel spannender lief es derweil mit Bruno Spengler. Der Franko-Kanadier befand sich im vollen Meisterschaftskampf, als erste Gerüchte über seinen Wechsel zu BMW aufkamen. Was zunächst als reine Spekulation galt, sollte sich am Mittwoch nach dem großen Finale in Hockenheim offiziell bewahrheiten: Spengler verlässt Mercedes und versucht sein Titelglück ab 2012 bei BMW.

Dass Spengler bei den Münchenern anheuern würde, war schon seit geraumer Zeit klar, doch die Beteiligten hielten sich auffällig bedeckt. "Außerhalb der eigenen Reihen war Bruno Spengler einer unserer absoluten Wunschkandidaten", sagt Marquardt nun. Vorteil Spengler: Der 28-Jährige verfügt über ausreichend Erfahrung in der DTM, was für BMW Gold wert ist. Für welches der drei Teams er auf Punktejagd gehen wird, steht noch nicht fest. Mit Spengler hat BMW den Königstransfer bereits getätigt, nur noch einer könnte den Deal noch toppen: Martin Tomczyk.

Die aktuelle Ausbaustufe des M3 DTM - Foto: BMW

Am Hockenheimring machten Gerüchte die Runde, dass der neue Champion der DTM seine Fühler auch in Richtung anderer Teams ausstrecken würde. Vieles spricht allerdings dafür, dass der Rosenheimer in den gewohnten Ingolstädter Gefilden bleibt. Die Zahl der Kandidaten für die drei freien Cockpits bei BMW ist groß, wenn man allein einen Blick auf die Namen wirft, die bereits Praxiserfahrung mit dem M3 sammeln durften: Jörg und Dirk Müller, Dirk Werner, Rene Rast, Richie Stanaway, Jean-Karl Vernay - die Liste ist lang.

Es ist gut vorstellbar, dass BMW neben Spengler noch einen weiteren, DTM-erfahrenen Piloten sucht. Ein großer Name aus der Branche oder - analog zur Konkurrenz - eine Frau, würde den Münchenern auch gut zu Gesicht stehen. Namen wie Nick Heidfeld oder Christian Klien machen die Runde. Marquardt lässt sich allerdings noch nicht in die Karten blicken und verteilt lieber Wundertüten - was er beim Medien-Event in einem Autohaus auch wirklich tat.

Wie die Chancen der verschiedenen Fahrer-Kandidaten stehen, in der kommenden Saison für BMW auf Punktejagd zu gehen, erfahren Sie in unserer Bilderserie. Klicken Sie sich einfach durch.