Christina, 2005 hast Du in der DTM dein Debüt gefeiert. Fünf Jahre und vier Auftritte später bist du wieder am Norisring. Was ist das Besondere an der DTM?
Christina Stürmer: Die Atmosphäre hat einfach etwas. Es ist für uns eine willkommene Abwechslung. Normalerweise spielen wir nur unseren Auftritt. Bei der DTM tut sich viel mehr. Wir spielen nicht nur vor Christina Stürmer Fans, sondern müssen einen Großteil des Publikums neu erobern. Ich weiß, dass wir nicht der Mittelpunkt des Ganzen sind, sondern das Rahmenprogramm - also kann hier und dort reinschnuppern, mir in der Box die Autos anschauen und die Fahrer kennen lernen. Ich finde die Atmosphäre einfach geil. Es tut sich etwas. Ich kann die Leute beobachten, sehen, wie sie herpilgern. Ich finde das cool.

Christina Stürmer genießt die Auftritte bei der DTM, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche
Christina Stürmer genießt die Auftritte bei der DTM, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche

Es ist also eine Art Urlaubstag mit einem kleinen Auftritt dazwischen...
Christina Stürmer: Ja, genau. Das einzige Problem ist die Hitze. Letztes Jahr war es schon irre heiß und wir spielen auch immer genau zur Mittagszeit. Obwohl wir kein volles Konzert spielen, ist das anstrengend. Es ist kurz und knackig. Also genau richtig für Leute, die uns nicht kennen. Du kannst die Nummern gut verpacken, welche die Leute kennen, etwa "Fieber" und "Ich lebe". Diese Songs kennen die meisten Leute und jetzt sehen sie auch einmal ein Gesicht dazu. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Man kennt eine Nummer, hat aber keine Ahnung, wer das überhaupt ist. Das ist bei der DTM lustig, wenn die ganze Boxengasse voll ist, alle schauen in die Boxen rein und denken sich, da spielt halt irgendeine Band. Plötzlich kommt "Ich lebe" und du merkst, wie die Leute sich denken: "Oh, Moment, das kenne ich. Ach, die ist das." Ich finde es sehr interessant, wenn man die Leute so beobachten kann.

Ist ein Auftritt bei einem Stadtrennen mit so vielen Menschen wie am Norisring noch einmal etwas Besonderes?
Christina Stürmer: Es waren immer viele Menschen da, wenn wir bei der DTM gespielt haben. Ab einer gewissen Menge, kann ich das gar nicht mehr abschätzen. Egal ob 8.000, 10.000 oder 20.000 - ich würde Dir jede Zahl glauben. Irgendwann sind es einfach nur noch viele Menschen.

Bei Deinem ersten Auftritt bei der DTM, warst Du dem Rennsport noch nicht verfallen. Du meintest, es wäre alles so laut. Hast Du dich mittlerweile daran gewöhnt?
Christina Stürmer: Das habe ich. Allerdings ist unser erster Auftritt auch fünf Jahre her. Damals stand ich noch am Beginn meiner Karriere und hatte mit Lautstärke noch nicht so viel zu tun gehabt. Mittlerweile finde ich, dass die Motoren ein angenehmes Geräusch sind. Natürlich kann man sich nicht unterhalten, wenn die Autos gerade vorbeifahren, aber als Musiker hat man auf der Bühne mit viel Lärm zu tun. Die Instrumente sind verstärkt, es ist laut, mal pfeift es und übersteuert - das tut schon mal weh in den Ohren. Es ist unangenehm, aber meine Ohren haben sich ein bisschen daran gewöhnt. Mir ist es nicht zu laut und ich bin ja nur einen Tag da. Wenn ich das jeden Tag hören müsste, etwa wenn ich an der Autobahn wohnen würde, dann würde es mich auch irgendwann nerven. Für einen Tag empfinde ich es als total angenehm. Klar, die Motorengeräusche sind nicht gerade Musik in meinen Ohren, aber man gewöhnt sich an alles. Es ist von allem ein bisschen etwas: Man darf spielen, mit seiner Musik neue Leute erobern und in etwas Anderes reinschnuppern. Das ist wesentlich interessanter als irgendein 08/15-Konzert.

Bist Du durch deine Auftritt bei der DTM auch ein bisschen zum Motorsportfan geworden?
Christina Stürmer: Ich bin kein großer Fan, aber ich finde Autos interessant. Wenn ich eine absolute Abneigung gegen Motorsport hätte, würden wir gar nicht hier spielen. Sonst würde ich ja durchdrehen bei dem Lärm.

Christina Stürmer konkurriert gegen Rennautos in den Boxen, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche
Christina Stürmer konkurriert gegen Rennautos in den Boxen, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche

Bist Du schon in einem DTM-Renntaxi mitgefahren?
Christina Stürmer: Nein, leider nicht. Ich habe in der Box mit Mike Rockenfeller gesprochen. Er hat mich auch gefragt, ob ich schon mal mitgefahren bin. Es ist blöd. Ich bin zum vierten Mal da und spiele zum vierten Mal in der Boxengasse, wenn die Taxifahrten stattfinden. Das ist ungünstig. Natürlich könnte ich vorher fahren, aber dann müsste ich komplett verschwitzt mit Helm und voller Montur auf die Bühne gehen - das macht sich auch nicht so gut. Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr, mal einen Tag eher anzureisen. Meine Musikerkollegin Jennifer Paige ist mal mitgefahren und hat Vollgas geschwärmt. Ich möchte es auf alle Fälle einmal ausprobieren.

Dein Landsmann Mathias Lauda fährt dieses Jahr nicht mehr in der DTM, wem drückst du an seiner Stelle die Daumen?
Christina Stürmer: Letztes Jahr habe ich Timo Scheider getroffen, der sehr sympathisch war. Aber auch Mike Rockenfeller war total lustig, super offen und überhaupt nicht gestresst. Er hat mir auch ein bisschen das Auto erklärt. Dieses Mal habe ich mich allerdings nicht reingesetzt. Letztes Jahr saß ich im Auto von Timo und das ist nicht ohne. Es schaut so einfach aus, aber es ist alles genau an die Fahrer angepasst. Einsteigen geht noch, da kann man sich reinfallen lassen, aber rauskommen ist nicht so einfach. Jedenfalls habe ich letztes Jahr eine halbe Ewigkeit dafür gebraucht und das wollte ich dieses Mal vor den ganzen Kameras vermeiden.