"Ich Arschloch", dachte sich Ralf Schumacher. Er wusste sofort, dass ihm sein Zucken am Start eine Strafe einbringen würde. Eine kostspielige noch dazu. Immerhin stand der Mercedes-Pilot zum ersten Mal in seiner DTM-Laufbahn auf der Pole Position. Nur kurz hoffte er, dass es vielleicht keiner in der Rennleitung gemerkt hätte. Doch sein Fehlstart vermasselte ihm alles - und brachte ihm mal wieder Spott und Häme ein.

Schon am Samstag nach dem Qualifying am Norisring sagte Schumachers Markenkollege David Coulthard: "Es ist eine riesige Last von seinen Schultern gefallen. Er hat in den letzten Jahren schwierige Zeiten erlebt. Die Pole ist eine tolle Geschichte für die DTM."

Dummheit statt Nervosität

Ein Fehler kostete Schumacher den Lohn für die harte Arbeit. Vielleicht die einzige Chance, ein DTM-Rennen zu gewinnen. Denn der Norisring hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Der Stadtkurs in Nürnberg besitzt eine Charakteristik wie keine andere Strecke. Hier kann Schumacher mit seinem Fahrstil beim harten Bremsen und starken Beschleunigen brillieren - nicht umsonst fuhr er die schnellste Rennrunde. Im Qualifying wären andere schneller gewesen, aber sie machten Fehler. So wie Schumacher beim Start.

"Ich hätte das Rennen gewinnen können", sagte Schumacher von sich und seiner Pace überzeugt. "Es ist extrem schade, diesen Mist habe ich selbst gebaut. Das ärgert mich extrem." Vor allem für seine Crew, die in den letzten Jahren viel mit ihm mitgemacht und gelitten habe. Das Rennen machte ihm trotzdem Spaß, sein Speed war auch im Mittelfeld vorhanden. "Umso größer ist die Enttäuschung, dass ich nicht in der Lage war, ordentlich loszufahren."

An Selbstkritik und ehrlichen Aussagen mangelt es bei Schumacher nicht. "Ich habe die Genugtuung der Konkurrenz auf den Monitoren gesehen, aber so ist das Leben - alles kommt zurück." Von Nervosität möchte er nichts wissen. "Es war pure Dummheit."

Der schnellste Mann

Ralf Schumacher fuhr Topzeiten, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche
Ralf Schumacher fuhr Topzeiten, Foto: adrivo Sportpresse/Gusche

Schon am Samstagabend stichelte Audi-Pilot Martin Tomczyk: "Es ist eine ganz neue Situation mit Ralf Schumacher ganz vorne. Das ist für seine Teamkollegen nicht so einfach zu handeln. Ich bin dahinter stiller Beobachter, was in den ersten Runden passiert - vielleicht können wir das ausnutzen." Statt einer Kollision gab es den Fehlstart.

Schumacher lässt das kalt. "Ich war schon immer so, auch zu F1-Zeiten", sagt er. Der Samstag sei ein toller Tag gewesen. Diese Momente müsse man genießen. Denn das nächste Rennen komme schneller als man denkt. "Dann passiert ein Moment der Unachtsamkeit und macht alles zunichte."

Was für ihn bleibt ist die Hoffnung und die Überzeugung, dass er zumindest in Nürnberg auf dem einzigartigen Straßenkurs wohl nicht zu schlagen gewesen wäre - weder vom Meisterschaftsführenden Bruno Spengler, noch vom Allrounder Mattias Ekström oder dem Sieger Jamie Green. "Ich bin nicht umsonst direkt vorne weggefahren", betonte Schumacher. "Das hätte funktionieren können und frustriert dadurch umso mehr, weil die Mannschaft verdient gehabt hätte, dass wir gewonnen hätten."