Wer zwei Wochen lang mit dem Auto oder gar noch schlimmer mit dem Motorrad durch die Wüste, Dünen und weit entlegene Gegenden fährt, muss doch total bekloppt sein. So dürften die meisten Menschen denken, wenn man ihnen vorschlagen würde, ihren Jahresurlaub mit einer zweiwöchigen Fahrt durch die Wüsten von Afrika zu verbringen und nicht am Strand, in superfeinen Hotels und mit höchsten Wellness-Genüssen.

Doch für echte Motorsportler ist die Rallye Dakar das größte, vielleicht sogar das letzte, Abenteuer, dem sie sich verschreiben können. Leider hat die Königin der Wüstenrallyes in ihren 29 Jahren ein ums andere Mal die Leben ihrer Teilnehmer und noch schlimmer: die von Zuschauern und Helfern gefordert. 49 Menschen ließen seit der ersten Dakar im Jahre 1978 ihr Leben, sogar ihr Erfinder Thierry Sabine kam während der Dakar 1986 bei einem Hubschrauberabsturz in Mali ums Leben.

Motorradfahren in der Wüste ist gefährlich., Foto: Gauloises
Motorradfahren in der Wüste ist gefährlich., Foto: Gauloises

Nachdem die Dakar am Dienstag mit dem Motorrad-Fahrer Elmer Symons ein weiteres Opfer forderte, kam abermals Kritik an der Veranstaltung auf. Der Vatikan nannte die Rallye Dakar in der Mittwochsausgabe der eigenen Zeitung L'Osservatore Romano einen "blutigen, unverantwortlichen, brutalen und zynischen Versuch den Entwicklungsländern fragwürdige westliche Ansichten aufzudrücken". Der Artikel trug den Titel: "Das blutige Rennen der Verantwortungslosigkeit" und sprach dem Event den Status der Sportveranstaltung ab. "In Wirklichkeit hat es nur sehr wenig mit einem gesunden Wettkampf zu tun", heißt es darin.

Die 510 Teilnehmer, die sich am 6. Januar dieses Jahres in Lissabon auf den Weg in die senegalesische Hauptstadt Dakar machten, werden dem entschieden widersprechen. Genauso wie alle Racer und Motorsportler, egal ob Rallye-Fahrer oder Rundstrecken-Piloten. Auch das Besteigen von mehrere tausend Meter hohen Bergen ist gefährlich, trotzdem gilt es als Sport, ja sogar als Hobby. Auch das Tauchen in den größten Tiefen der Ozeane ist gefährlich, trotzdem gilt es als Sport, ja sogar als Hobby. Egal ob man als Astronaut in ein Spaceshuttle oder als Urlauber in einen Linienflieger steigt, die Gefahr fliegt immer mit. Ja sogar im Straßenverkehr kann man Unfälle nicht ausschließen. Im Gegensatz zu einer Marathonrallye oder dem Motorsport rechnet man dort aber nur selten damit. Denn hier gilt:

Motorradfahren ist gefährlich. Das weiß jeder Motorradfahrer.
Rennfahren ist gefährlich. Das weiß jeder Rennfahrer.
In die Wüste zu fahren, ist gefährlich. Das weiß jeder, der in die Wüste fährt.
Wenn also jemand in der Wüste mit dem Motorrad Rennen fährt, dann ist das nicht nur dreimal gefährlich, sondern ist sich dieser jemand auch der Risiken bewusst, und weiß er, worauf er sich einlässt.

Die Sicherheit muss verbessert werden, nicht die Parolen der Hetzjagd., Foto: VW
Die Sicherheit muss verbessert werden, nicht die Parolen der Hetzjagd., Foto: VW

Das macht die Vorfälle bei der Dakar weder ungeschehen noch besser. Es darf auch kein Argument sein, die Sicherheitsvorkehrungen nicht noch weiter zu erhöhen. Aber es gibt auch keinen Grund dafür die Dakar, Rallyes oder den Motorsport im Allgemeinen zu verteufeln. Egal wie man zu FIA-Präsident Max Mosley, seinen vielen Regeländerungen und langen Briefen stehen mag, eins hat der Brite in der Formel 1 erreicht: er hat sie sicherer gemacht.

Todesopfer sind heutzutage Gott sei Dank nicht mehr an der Tagesordnung, etwas, dass in den ersten paar Jahrzehnten der Formel 1-WM noch ganz anders war. Heute wird sogar darüber diskutiert, ob die F1-Boliden nicht sogar "zu sicher" sind und die Fahrer zu risikoreicher Fahrweise verleiten. Genau dahin muss die Dakar gelangen - zur bestmöglichen Sicherheit für die Zuschauer und die Teilnehmer. Diesen hilft es nämlich nicht, der restlichen Welt außerhalb des Vatikans in einem hetzerischen, unverantwortlichen, unverständlichen und zynischen Versuch fragwürdige religiöse Ansichten aufzudrücken, die in Wirklichkeit nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun haben. Statt über die Dakar zu schimpfen, sollte man lieber den Verbliebenen Trost spenden, ihnen Hilfe anbieten und für die zukünftigen Teilnehmer bessere Sicherheitsstandards etablieren, damit sich die Ereignisse der vergangenen 29 Jahre in den kommenden 29 Jahren eines der berühmtesten Motorsportereignisse der Welt nicht mehr wiederholen. Gänzlich werden sich die Gefahren in der Wüste aber leider nicht abschalten lassen.