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Formel-E

NASCAR, Formel E, GP2, GP3 u.a.: Hier sind alle weiteren Serien daheim.
Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 16:05

Beiträge: 7932
Hatte ich vorher alles schon zur Genüge erklärt - dass ich zwar dem Konzept E-Motor im Motorsport kritisch aber nicht ablehnend gegenüberstehe, deshalb verfolge was man so draus macht, ich aber das Konzept sowohl von der technischen wie auch Veranstaltungsseite komplett misslungen finde und nach wie vor davon ausgehe dass man jeglichem Rahmenprogramm oder gar irgendwelcher Vergleichsmöglichkeit - und sei es auch nur gleicher Streckenführung - aus dem Weg geht weil man sich offensichtlich selber nicht ganz sicher ist dass man dann immer noch für voll genommen wird...

Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 16:33

Beiträge: 1036
Und das Wort Gablerstapel-Formel ist nicht ablehnend, sondern kritisch. Ah ja :drink:

Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 16:44

Beiträge: 7932
Yepp... Und vor allem zutreffend - so wie "Schleichdiesel-Taxi" für die aktuelle F1...

Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 16:54

Beiträge: 39269
Mav05 hat geschrieben:
Hatte ich vorher alles schon zur Genüge erklärt - dass ich zwar dem Konzept E-Motor im Motorsport kritisch aber nicht ablehnend gegenüberstehe, deshalb verfolge was man so draus macht, ich aber das Konzept sowohl von der technischen wie auch Veranstaltungsseite komplett misslungen finde und nach wie vor davon ausgehe dass man jeglichem Rahmenprogramm oder gar irgendwelcher Vergleichsmöglichkeit - und sei es auch nur gleicher Streckenführung - aus dem Weg geht weil man sich offensichtlich selber nicht ganz sicher ist dass man dann immer noch für voll genommen wird...


Das Problem ist aber, dass du nicht wirklich konstruktive Kritik übst, denn Schwächen hat die Formel-E in der Tat einige, sondern wild drauf rumklopfst mit Argumenten, die in der Dämlichkeitsstufe (sorry, dass ich das so direkt formuliere) den Alonso-Gebashe von formelchen um nichts, aber auch gar nichts nachsteht. Wie im aktuellen Fall Montagny. Mit der Formel-E hat das nichts zu tun, er hat schon vorher Koks genommen, was du aber bestreitest. Du tust damit so, als würde er nur wegen der Formel-E koksen. Wobei deine Argumentation in sich auch unschlüssig ist. Wenn ich schreibe, er kokste schon, als er noch F1 fuhr, schreibste "so geil fand ich ihn da auch nicht" - was für ein Argument, vor allem für was jetzt? Es ging nicht darum, ob Montagny geil ist oder nicht, es geht darum, dass seine Kokserei mit der Formel-E nichts zu tun hat. Und mit sowas machst du dich halt echt lächerlich. Schade, denn wir könnten auch gerne konstruktiv über die wahren Schwächen der Formel-E diskutieren und nicht über so einen Blödsinn. Aber sich dann über mangelnde Fachkenntnis und Ahnungslosigkeit von formelchen beschweren... :roll:

Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 17:08

Beiträge: 7932
Meine "konstruktive Kritik" steht für jede Diskussion offen, von der ersten Seite an - kann ich bei Bedarf auch gerne konkretisieren und nochmal zusammenfassen... An "konstruktiven Antworten" kam da seither "das ist nicht Sinn der Sache", "das ist doch vollkommen okay so, mir gefällts" usw.
Dass ich mir erlaubt habe den "Fall Montagny" auf etwas ironische Weise mit der (von mir) ungeliebten Formel E in Verbindung zu bringen mag man mir verzeihen - Ironie ist wohl hier nicht mehr besonders gefragt seit man meinen Freund AWE dafür entsorgt hat...
Wo ich allerdings bestreite dass er schon vorher Koks genommen hätte und woher Du den falschen Schluß ziehst dass sich das "so geil fand ich ihn da auch nicht" auf seine verkokste F1-Zeit bezog (und nicht - wie von mir gewollt - auf DEINE Feststellung dass ich diese seine F1-Zeit geil gefunden hätte) bleibt mir ein Rätsel...
Im übrigen wird das mit der "konstruktiven Schwächen-Diskussion" schwierig wenn sie mein Gegenüber nicht als Schwächen anerkennen will... Wie sagtest Du heute im F1-Thread sinngemäß - mir gefallen die neuen Motoren aber die bösen bösen Fans mögen sie einfach nicht???

Beitrag Freitag 2. Januar 2015, 17:32

Beiträge: 39269
1. Die Formel-E ist halt mal was ganz neues, vom Konzept und von der Technik her. Da hast du viel Kritik, musst aber eben auch mal damit rechnen, dass das anderen auch gefällt, was du schlecht findest. Wurde ja von den entsprechenden Usern auch mit Argumenten unterfüttert. Ansonsten kam auf deine konstruktive Kritik in Sachenn Fahrerwahl durchaus ein Argument von mir, auf das du aber dann nicht mehr eingegangen bist. Und das ist nur mal so ein Beispiel. Also tu mal nicht nur so, als würdest du nur konstruktive Diskussionsanstöße geben und die anderen bringen nur "gefällt mir aber".

2. Was wolltest du denn damit sagen? "und die Tatsache dass sein Kokain-Konsum schon 8 Jahre gehen soll halte ich - trotz meiner geringen medizinischen Kenntnisse - für nicht gerade realistisch..." Dass er SEIT acht Jahren kokst, hat keiner aufgebracht, sondern das war deine Antwort auf meinen Hinweis, dass er schon in der F1 gekokst haben soll. Was soll man da sonst denken, als dass du das bestreitest?

3. Und wegen deinem Rätsel: "Und so "geil" fand ich Montagny in der F1 nun auch nicht" bezieht sich nun mal auf Montagny und nicht auf die damalige Formel-1...

4. Natürlich erkenne ich Schwächen an, sonst würde ich doch auch kaum schreiben, dass es Schwächen gäbe. Ich hab auch nirgends geschrieben, dass die bösen, bösen Fans es nicht wollen, sondern ich habe geschrieben, dass die Mehrheit der Fans die Motoren nicht gut finden, ich aber schon. Ich bin halt nicht so wie du, der seine Meinung als Meinung aller Fans (wie du das hier machst) betrachtet, sondern erkenne ich, wenn ich halt auch mal in der Minderheit bin. Und dass die Mehrheit deswegen böse ist oder eine falsche Meinung hat, ist nicht mein Punkt. Sie sehen es anders, das ist nicht besser oder schlechter als meine Meinung. Das war völlig neutral ohne jeglichen Vorwurf formuliert.

Beitrag Samstag 24. Januar 2015, 00:16

Beiträge: 39269
Ein kleines Update:

Obwohl Lucas di Grassi in Buenos Aires seinen Sparks-Renault in die Leitplanken setzte, führt er auch nach dem vierten Saisonrennen der Formel-E die erste Elektro-Meisterschaft an. Der Brasilianer ist vor allem in den Rennen stark und könnte als erster Formel-E-Meister Geschichte schreiben.

Di Grassi profitierte in Buenos Aires von den Fehlern der Konkurrenz. Auch Sébastien Buemi crashte an derselben Stelle in die Wand. Sam Bird fuhr während der Safety-Car-Phase aus der Boxengasse, obwohl die Ampel auf Rot geschaltet war. Das zog eine Durchfahrtsstrafe nach sich und verhinderte den Sieg für den Briten. Und Nick Heidfeld klebte das Pech schon seit dem Auftakt am Fuß: Zwei Mal von Konkurrenten aus dem Rennen geschubst, in Buenos Aires war er dann zu schnell in der Box und ebenfalls mit einer Durchfahrtsstrafe versehen.

Gewonnen hat das Rennen in Argentinien nach dem Favoritensterben Antonio Felix da Costa, der allerdings das erste Saisonrennen auslassen musste und daher in der Gesamtwertung vor dem Lauf in Südamerika noch weit zurück lag. Der Titelkampf ist völlig offen, aber Di Grassi reiste bisher aus allen Stationen als Leader ab.

Macau-Sieger und F1-Pilot

Der 30-Jährige ist aber auch so lange wie kein Zweiter mit dem Formel-E-Rennwagen vertraut, denn er war offizieller Formel-E-Testfahrer und hat den Sparks Renault bei Testfahrten rennbereit gemacht. Das ist aber sicherlich nicht der einzige Grund, wieso Abt Audi Di Grassi ins Team geholt hat. Immerhin ist er in der Sportwagen-WM auch Audi-Werkspilot. Gemeinsam mit Tom Kristensen und Marc Gené war er im Vorjahr Zweiter beim 24-Stundenrennen von Le Mans.

Inzwischen ist schon längst wieder in Vergessenheit geraten, dass Di Grassi auch schon in der Formel-1 aktiv war. Jahrelang war er parallel zu seinem GP2-Engagement Testfahrer bei Renault, 2010 fuhr er auch eine volle Saison für Virgin. Teamkollege war damals mit Timo Glock ein Deutscher – und einer, der schon erfahren war. Logisch, dass er ihm nichts entgegenzusetzen hatte. Bestes Resultat war Rang 14 beim Malaysia-GP. Aus der Rubrik „dumm gelaufen“ gab es noch den Großen Preis von Japan, als er schon auf dem Weg in die Startaufstellung, also eine halbe Stunde vor Rennstart, crashte und daher am Rennen selbst nicht teilnehmen konnte.

In den Nachwuchsserien war Di Grassi durchaus flott unterwegs: Drei aufeinanderfolgende Jahre war er unter den besten drei der GP2. Er besiegte in der GP2 und in der F3-Euroserie teamintern spätere F1-Fahrer wie Paul di Resta und Vitaly Petrov. Der Titel in der Formel-E wäre aber sein erster im internationalen Automobilsport. Sein bisheriges Highlight war der Sieg 2005 beim F3-GP in Macau, damals für das Manor-Team, das später auch seinen F1-Einsatz leitete.

Ergebnis
1. Antonio Felix da Costa (Amlin Aguri)
2. Nicolas Prost (e.dams)
3. Nelson Piquet jr. (China)
4. Jaime Alguersuari (Virgin)
5. Bruno Senna (Mahindra)
6. Jean-Eric Vergne (Andretti)
7. Sam Bird (Virgin)
8. Nick Heidfeld (Venturi)
9. Oriol Servià (Dragon)
10. Stéphane Sarrazin (Venturi)

Fahrerwertung

1. Lucas di Grassi (BRA) 58
2. Sam Bird (GBR) 48
3. Sébastien Buemi (SUI) 43
4. Nicolas Prost (FRA) 42
5. Nelson Piquet jr. (BRA) 37
6. Antonio Felix da Costa (POR) 29
7. Jaime Alguersuari (ESP) 26
8. Jérôme D’Ambrosio (BEL) 22
9. Franck Montagny (FRA) 18
10. Karun Chandhok (IND) 18
11. Bruno Senna (BRA) 18
12. Oriol Servià (ESP) 16
13. Jarno Trulli (ITA) 12
14. Charles Pic (FRA) 12
15. Jean-Eric Vergne (FRA) 11
16. Nick Heidfeld (GER) 5
17. Daniel Abt (GER) 4
18. Stéphane Sarrazin (FRA) 3
19. Takuma Sato (JPN) 2
20. Ho-Pin Tung (CHI) 0
21. Antonio García (ESP) 0
22. Michela Cerruti (ITA) 0
23. Marco Andretti (USA) 0
24. Matthew Brabham (AUS) 0
25. Katherine Legge (GBR) 0
26. Salvador Durán (MEX) 0

Teamwertung

1. e.dams 85
2. Virgin 74
3. Abt Audi 62
4. Andretti 41
5. Dragon 38
6. China 37
7. Mahindra 36
8. Amlin Aguri 31
9. Trulli 12
10. Venturi 8

Beitrag Mittwoch 25. Februar 2015, 13:45

Beiträge: 7932
Wundert mich dass noch keiner was zum Streckenentwurf für Berlin sagen wollte... Wenn ich das richtig sehe wollen die das ganze auf den direkten Stellplatz vor dem Terminal packen? Sieht für mich eher nach Kartbahn aus... Schade eigentlich, mit ein bisschen Investition wäre das ein tolles Gelände für ein Mega-Event, aber so siehts irgendwie improvisiert aus!

Beitrag Freitag 27. Februar 2015, 14:40

Beiträge: 39269
Schon nächstes Jahr dürfen acht Hersteller eigene Antriebsstränge konstruieren. Freigeben sind der Motor, das Getriebe, der Inverter und das Kühlsystem. Schrittweise soll die Entwicklung freigegeben werden, so dass bald auch im Bereich der Batterien geforscht werden darf. Ab der fünften Saison (2019) will die Formel-E dann auch mit einem Fahrzeug pro Fahrer auskommen, so dass das Autowechseln während des Rennens wegfallen wird.

Die acht für die Saison 2015/’16 benannten Hersteller sind: Abt Audi, Andretti, Mahindra, Motomatica, NextEV TCR, Renault, Venturi und Virgin.

Abt Audi: Das Familienunternehmen der Abts reicht bereits ins 19. Jahrhundert zurück. Zunächst begann man als Pferdeschmiede, dann wurden aus einem PS mehrere und man nahm sich Motorrädern und Autos an. Seit einigen Jahren hat man auch eine eigene Rennsportabteilung. Als Audi-Werksteam ist man seit Jahren erfolgreich dabei, gewann schon fünf Mal den Fahrertitel. In der Formel-E setzt man derzeit auch den Tabellenführer Lucas di Grassi ein, daneben fährt Daniel Abt aus der Rennfahrerfamilie der Besitzer. Audi wird das Abt-Team bei der Entwicklung des eigenen Motors wohl unter die Arme greifen.

Andretti: Überraschenderweise wird auch das Andretti-Team einen eigenen Antriebsstrang entwickeln. Möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit Honda, denn bislang gab es bei Andretti in keiner Serie, in der man aktiv ist (IndyCar, Sportwagen etc.), Eigenentwicklungen. In der IndyCar ist Andretti außerdem Honda-Partner Nummer eins. Hinter dem Team steckt Ex-F1-Pilot und IndyCar-Meister Michael Andretti. In der IndyCar gewann das Andretti-Team zuletzt 2012 die Meisterschaft und 2014 das Indy-500 – jeweils mit Ryan Hunter-Reay als Fahrer.

Mahindra: Der indische Hersteller ist so ein Beispiel, dass die Formel-E ganz neue Automobilhersteller in den Rennsport lockt. Mahindra konzentriert sich nämlich auf die Herstellung reiner Elektro-Rennwagen. Seit 2011 mischt man im Motorsport mit, zuerst in der Motorrad-WM, seit diesem Jahr auch in der Formel-E.

Motomatica: Dahinter steckt auch ein bereits existierender Formel-E-Rennstall: Der von Ex-F1-Pilot Jarno Trulli. Man übernahm erst kurz vor dem Saisonauftakt den Platz der Dyson-Mannschaft, die nun Trulli bei der Entwicklung des eigenen Motors auch unter die Arme greifen soll. Auch das italienische Elektronik-Unternehmen Tecnomatic ist als Partner an Bord.

NextEV TCR: Dahinter verbirgt sich das ebenfalls schon existierende Team China Racing. Das Team von Steven Lu ist im Motorsport kein unbeschriebenes Blatt: Man trat auch schon mit leistungsstarken Rennwagen in der A1GP-Serie und in der Formel-Superleague an. China Racing will für den eigenen Motor chinesische Firmen begeistern. Konkrete Namen wurden bislang noch nicht genannt.

Renault: Den französischen Automobilhersteller braucht man ja nicht weiter vorzustellen. Renault liefert ja schon die aktuellen Motoren in der Formel-E. Man plant wohl eine enge Kooperation mit e.dams, einem Zusammenschluss des Nachwuchsteams DAMS und dem viermaligen F1-Champion Alain Prost. Derzeit ist e.dams erfolgreich mit Sébastien Buemi und Nicolas Prost in der Elektro-Formel-Serie mit von der Partie.

Venturi: Der monegassische Hersteller von exklusiven Sportwagen und Elektroautos war 1992 mit 65% am Larrousse-F1-Team beteiligt. Ukyo Katayama und Bertrand Gachot waren damals die Fahrer, Gachot wurde beim Monaco-GP auch Sechster. Die Formel-1 war teuer, schnell verscherbelte man das Team, ausgerechnet an einen gewissen Rainer Walldorf, eigentlich Klaus Walz, gesucht wegen Vierfach-Mordes! In der Formel-E kehrte Venturi 2014 in den Rennsport zurück. Der berühmte Schauspieler Leonardo di Caprio ist als Teilhaber dabei! Im Angebot von Venturi findet sich bereits ein Solarfahrzeug und ein Solar-Hybrid-Fahrzeug. Mit 495 km/h hält man den Rekord für elektrisch betriebene Landfahrzeuge, 2015 will man sogar 695 km/h erreichen!

Virgin: Auch Virgin mischte schon die Formel-1 auf. Hinter der Multi-Mischfirma steckt Abenteurer Sir Richard Branson. Einiger seiner Firmen könnten für das Projekt des eigenen Formel-E-Motors auch mit dem Rennteam zusammenspannen.

Beitrag Montag 2. März 2015, 11:41

Beiträge: 0
Mav05 hat geschrieben:
Wundert mich dass noch keiner was zum Streckenentwurf für Berlin sagen wollte... Wenn ich das richtig sehe wollen die das ganze auf den direkten Stellplatz vor dem Terminal packen? Sieht für mich eher nach Kartbahn aus... Schade eigentlich, mit ein bisschen Investition wäre das ein tolles Gelände für ein Mega-Event, aber so siehts irgendwie improvisiert aus!


Ein Wort: Denkmalschutz :)

Beitrag Dienstag 17. März 2015, 13:59

Beiträge: 39269
Das fünfte Rennen der Formel-E-Meisterschaft endete mit dem fünften Sieger: Nicolas Prost übernahm nun auch die Tabellenführung, weil Lucas di Grassi und Sam Bird schwächeln.

Der ePrix in Miami war dieses Mal nicht ganz so ereignisreich wie die Rennen davor. Es war nicht das beste Wochenende, denn ein Gewittersturm führte dazu, dass das Training erst mit deutlicher Verspätung in Angriff genommen werden konnte. Ansonsten gab die Streckenführung im Sonnenstaat Florida nicht viel Action her, trotzdem versuchten es einige Fahrer immer wieder – und die Manöver, die gelangen, die waren auch spektakulär.

Einer, der das Publikum besonders begeisterte, war Lokalmatador Scott Speed. Der US-Amerikaner fuhr erst sein erstes Formel-E-Rennen, ersetzte bei Andretti Marco Andretti, der wegen IndyCar-Testfahrten nicht fahren konnte. Speed, der bislang letzte amerikanische F1-Fahrer, sorgte für ein Spektakel, hatte bis zum Schluss die meisten Energiereserven und kletterte durch tolle Manöver noch auf Platz zwei nach vorne.

Vorne aber ließ Nicolas Prost nichts mehr anbrennen. Der Sohn des viermaligen F1-Weltmeisters Alain Prost holte sich damit den ersten Sieg. Bereits beim Auftakt in Peking schnupperte Prost bereits am Sieg, aber damals leistete er sich einen groben Fahrfehler, der in einem heftigen Unfall von Nick Heidfeld resultierte. Seither fährt Prost aber konstant gute Punkteplatzierungen ein und übernahm daher nach dem Lauf in Miami die Tabellenführung von Lucas di Grassi, der nicht über Rang neun hinaus kam.

Speed war nicht der einzige Neuzugang in Miami: Beim Trulli-Team wurde Michela Cerruti durch Vitantonio Liuzzi ersetzt. Cerruti war zuletzt die letzte Dame im Feld, erreichte bislang aber auch keine Punkte. Mit Liuzzi kommt ein ehemaliger F1-Fahrer an Bord, der vom Team kurzfristig kontaktiert wurde. Mit Formel-Fahrzeugen ist der Italiener noch bestens vertraut: Er fuhr 2014 in der Super-Formula-Meisterschaft in Japan. Das Rennen in Miami beendete er als 16. Einen weiteren Fahrerwechsel gab es bei China Racing: Charles Pic, der in dieser Saison bereits für Andretti ins Lenkrad griff ersetzte Ho-Pin Tung. Pic lief als 17. ein.

Ergebnis ePrix Miami

1. Nicolas Prost (e.dams)
2. Scott Speed (Andretti)
3. Daniel Abt (Abt Audi)
4. Jérôme D’Ambrosio (Dragon)
5. Nelson Piquet jr. (China)
6. Antonio Felix da Costa (Amlin Aguri)
7. Loïc Duval (Dragon)
8. Sam Bird (Virgin)
9. Lucas di Grassi (Abt Audi)
10. Salvador Durán (Amlin Aguri)

Fahrerwertung
1. Nicolas Prost (FRA) 67
2. Lucas di Grassi (BRA) 60
3. Sam Bird (GBR) 52
4. Nelson Piquet jr. (BRA) 49
5. Sébastien Buemi (SUI) 43
6. Antonio Felix da Costa (POR) 37
7. Jérôme D’Ambrosio (BEL) 34
8. Jaime Alguersuari (ESP) 26
9. Daniel Abt (GER) 19
10. Franck Montagny (FRA) 18
11. Scott Speed (USA) 18
12. Karun Chandhok (IND) 18
13. Bruno Senna (BRA) 18
14. Oriol Servià (ESP) 16
15. Jean-Eric Vergne (FRA) 14
16. Jarno Trulli (ITA) 12
17. Charles Pic (FRA) 12
18. Loïc Duval (FRA) 6
19. Nick Heidfeld (GER) 5
20. Stéphane Sarrazin (FRA) 3
21. Takuma Sato (JPN) 2
22. Salvador Durán (MEX) 1
23. Ho-Pin Tung (CHI) 0
24. Antonio García (ESP) 0
25. Michela Cerruti (ITA) 0
26. Marco Andretti (USA) 0
27. Matthew Brabham (AUS) 0
28. Katherine Legge (GBR) 0
29. Vitantonio Liuzzi (ITA) 0

Teamwertung

1. e.dams 110
2. Abt Audi 79
3. Virgin 78
4. Andretti 62
5. Dragon 56
6. China 49
7. Amlin Aguri 40
8. Mahindra 36
9. Trulli 12
10. Venturi 8

Beitrag Donnerstag 19. März 2015, 22:51

Beiträge: 39269
Mit dem Sieg in Miami kletterte Nicolas Prost an die Tabellenführung. Dabei machte er im Auftaktrennen in Peking eher Negativ-Schlagzeilen, als er in einem rüpelhaften Manöver Nick Heidfeld in einen heftigen Unfall schickte. Aber, dass Prost zum Favoritenkreis gehört, zeigte sich schon damals, denn beim Duell damals ging es um die Führung – und das in der letzten Runde des Rennens!

Unmittelbar nach dem Unfall waren Heidfeld und Prost noch verschiedener Ansicht über die Schuldfrage. Doch schließlich lenkte Prost ein – wahrscheinlich nach dem er sich die Fernsehbilder zu Gemüte geführt hat, denn die ließen gar kein anderes Urteil zu. Heidfeld und Prost verstehen sich sonst eigentlich ganz gut, beide fahren für Rebellion auch gemeinsam in der Sportwagen-Weltmeisterschaft, sind dort Teamkollegen und teilen sich ein Fahrzeug mit Mathias Beche beim 24-Stundenrennen von Le Mans. Letztes Jahr erreichten sie dabei Rang vier.

Vor der Saison hatten Prost nicht unbedingt alle auf der Rechnung, wenn es um die Frage ging, wer denn den Formel-E-Titel gewinnen wird. Das lag auch an seiner bisherigen Karriere, denn als großes Highlight steht bisher der Titelgewinn 2008 in der Euro-F3000-Meisterschaft zu Buche, der heutigen Auto-GP-Meisterschaft. Damals wie heute ist die Serie aber eher mäßig besetzt, die großen Nachwuchstalente fahren eher Renault-World-Series oder GP2. Und Prost wurde auch deswegen Meister im Bull-Team des früheren italienischen F3-Fahrers Ernesto Catella, weil Fabrizio Crestani und Adam Khan nicht die gesamte Saison absolvierten. Sie gewannen aber jeweils mehr Rennen als Prost.

F1-Testfahrer bei Lotus

Als zweites Highlight in Prosts Vita sticht sein F1-Engagement bei Lotus heraus. 2012 und ’13 fuhr er ein paar Testfahrten, aber als Stammfahrer wurde er nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Es handelte sich wohl vor allem um den Versuch seitens Renaults, etwas PR zu bekommen. Immerhin ist Prosts Vater Alain Prost auch Botschafter von Renault. Alain Prost wurde in der Formel-1 vier Mal Weltmeister, einmal öfter als Ayrton Senna – und doch stand er irgendwie immer im Schatten des legendären Brasilianers.

Alain Prost ist jetzt auch Teamchef seines Sohnes in der Formel-E. Den Einsatz der Rennwagen leitet zwar das GP2-Meisterteam DAMS, aber Prost ist als Partner an Bord – damit führt er erstmals seit der Pleite seines eigenen Prost-F1-Rennstalls 2001 wieder eine Rennequipe an. Eine Bevorzugung für den Sohnemann gibt es nicht. Mit Sébastien Buemi hat er auch einen starken Teamkollegen an seiner Seite, der ebenfalls noch sehr gute Chancen auf den Titelgewinn hat.

Dass Nicolas Prost den Anschein erweckt, als würde er immer besser werden, ist kein Zufall. Der 33-Jährige begann erst sehr spät mit der Rennerei. Mit 21 Jahren gab er in der französischen Formel-Renault sein Debüt, ohne dabei vorher Kartrennen gefahren zu sein. Zunächst war nämlich Golf sein favorisierter Sport. Auch Bruno Senna, der Neffe von Ayrton Senna, trat erst spät seine Karriere los. Das hatte allerdings andere Gründe: Nach Sennas Tod musste er warten, bis er 18 war, um Rennen zu fahren. Trotzdem schaffte er es in die Formel-1, wenn auch nur zu einer Statistenrolle. In der Formel-E ist er einer der Konkurrenten von Prost, aber als Gesamt-Elfter hat er im Titelrennen nichts zu melden, obwohl er sehr oft den so genannten Fan-Boost bekommt, also bei den Fans so beliebt ist, dass er 30 Kilowatt mehr Leistung verwenden darf. Drei Mal kam er bereits in den Genuss des Fan-Boosts, nur Nick Heidfeld gelang das einmal öfter.

Beitrag Dienstag 7. April 2015, 13:24

Beiträge: 39269
Sechstes Saisonrennen, sechster Sieger: Die Formel-E bleibt eine hart umkämpfte Meisterschaft. Nelson Piquet jr. dominiert aber das Rennen in Long Beach und liegt nur noch ein Punkt hinter dem Tabellenführer Lucas di Grassi.

Warum ist die Formel-E so hart umkämpft? Weil die Geschwindigkeiten geringer sind, ist auch das Feld enger beisammen. Sowohl was die Fahrer, als auch die Teams betrifft. Aber trotzdem ist die Abstimmung des Sparks Renault keine leichte Aufgabe. In Long Beach verzettelte sich das e.dams-Team total. Oder hatte einen technischen Defekt. Jedenfalls klagte man über geringe Höchstgeschwindigkeiten. Nicolas Prost wurde von Startplatz zwei Platz für Platz zurückgereicht.

Auch andere Mitfavoriten schwächelten in Long Beach. Sam Bird warf seinen Boliden in Runde eins in die Mauer. In dem er das Auto tauschte fuhr er zwar noch eine Zeit lang mit, aber die noch übrige Energie reichte natürlich nicht aus, um das Rennen zu beenden.

In Long Beach führte aber kein Weg an Nelson Piquet jr. vorbei. Das China-Team, das vom Campos-Rennstall betreut wird, feiert seinen ersten Sieg. Und das passenderweise gerade just, als man die Lackierung änderte. Man fährt jetzt in den silber-gelben Farben von NEXTEV, also jener chinesischen Firma, die nächstes Jahr einen eigenen Antrieb für China Racing entwickeln wird.

Ergebnis Long Beach

1. Nelson Piquet jr. (China)
2. Jean-Eric Vergne (Andretti)
3. Lucas di Grassi (Abt Audi)
4. Sébastien Buemi (e.dams)
5. Bruno Senna (Mahindra)
6. Jérôme D’Ambrosio (Dragon)
7. Antonio Felix da Costa (Amlin Aguri)
8. Jaime Alguersuari (Virgin)
9. Loïc Duval (Dragon)
10. Stéphane Sarrazin (Venturi)

Fahrerwertung

1. Lucas di Grassi (BRA) 75
2. Nelson Piquet (BRA) 74
3. Nicolas Prost (FRA) 69
4. Sébastien Buemi (SUI) 55
5. Sam Bird (GBR) 52
6. Antonio Felix da Costa (POR) 43
7. Jérôme D’Ambrosio (BEL) 42
8. Jean-Eric Vergne (FRA) 32
9. Jaime Alguersuari (ESP) 30
10. Bruno Senna (BRA) 28
11. Daniel Abt (GER) 22
12. Scott Speed (USA) 18
13. Franck Montagny (FRA) 18
14. Karun Chandhok (IND) 18
15. Oriol Servià (ESP) 16
16. Jarno Trulli (ITA) 12
17. Charles Pic (FRA) 12
18. Loïc Duval (FRA) 8
19. Nick Heidfeld (GER) 5
20. Stéphane Sarrazin (FRA) 4
21. Takuma Sato (JPN) 2
22. Salvador Durán (MEX) 1
23. Ho-Pin Tung (CHI) 0
24. Antonio García (ESP) 0
25. Michela Cerruti (ITA) 0
26. Marco Andretti (USA) 0
27. Vitantonio Liuzzi (ITA) 0
28. Matthew Brabham (AUS) 0
29. Katherine Legge (GBR) 0

Teamwertung

1. e.dams 125
2. Abt Audi 97
3. Virgin 82
4. Andretti 80
5. China 74
6. Dragon 68
7. Amlin Aguri 46
8. Mahindra 46
9. Trulli 12
10. Venturi 9

Beitrag Montag 27. April 2015, 21:19

Beiträge: 39269
Serienchef Alejandro Agag erklärte gegenüber „Formula E Zone“, dass man in Zukunft eigene Nachwuchsserien plant. Ist dafür wirklich Platz oder ist die Idee ein Luftschloss?

Es ist paradox: Auf der einen Seite versucht der Automobilweltverband FIA durch die Installierung nationaler F4-Serien, der F3-Europameisterschaft und die Formel-2 eine klare Linie in die Formel-1 durch den Dschungel des aktuellen Formel-Sports ebnen, auf der anderen Seite scheinen sich an anderer Front schon wieder neue Optionen für Nachwuchsfahrer aufzutun.

Nämlich durch die Formel-E: Das aktuelle Fahrerfeld setzt sich aus vielen Ex-F1-Fahrern, IndyCar-Piloten, DTM- und Sportwagenfahrern, dazu einigen Nachwuchshoffnungen zusammen. Serienchef würde aber auch gerne mehr jüngere Fahrer an die Formel-E heranführen und durch eine eigene Nachwuchsmeisterschaften-Struktur setzen. Denn das Fahren mit Elektrofahrzeugen unterscheidet sich durchaus etwas von den Benzinern.

Doch bei so vielen Serien, die bereits existieren, stellt sich natürlich die Frage, ob überhaupt Platzbedarf besteht. Auf der einen Seite nein, auf der anderen Seite will die Formel-E auch in Bezug auf Nachwuchsarbeit neue, innovative Wege gehen. Geplant ist eine Meisterschaft für Elektro-Karts, plus eine Ausweitung der aktuellen Formel-E-Schools-Series.

An einigen Stationen der Formel-E bringen lokale Schulen eigene, kleine Elektrowagen an den Start und fahren damit Rennen. Hier werden allerdings eher junge Ingenieure geschult, weniger junge Fahrer. Eine andere Nachwuchsserie mit Elektro-Motoren hätte wohl keine Chance, sich dauerhaft zu etablieren.

Beitrag Donnerstag 11. Juni 2015, 17:41

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Noch drei Fahrer haben vor dem Doppel-Rennwochenende in London Chancen, erster Formel-E-Weltmeister zu werden. Doch die besten Karten haben zwei Brasilianer: Tabellenführer Nelson Piquet jr., sowie Lucas di Grassi aus dem deutschen Abt-Audi-Rennstall.

Für die Fans nur noch interessanter: Beide können sich auch nicht wirklich ausstehen. Auch die größten brasilianischen Fahrer führten Fehden gegeneinander, vor allem natürlich die beiden F1-Champions Ayrton Senna und Nelson Piquet. Piquet Senior natürlich. Sein Sohn steht nach dem Sieg beim ePrix in Moskau an der Tabellenspitze und könnte damit Geschichte schreiben.

Piquet jr. hat aber auch Glück: Seine Konkurrenten stehen sich selbst im Weg. Auch Di Grassi könnte in der Tabelle viel besser platziert sein. In Berlin gewann er das Rennen, wurde aber disqualifiziert, weil sein Frontflügel nicht dem Reglement entsprach. Das Team erklärte, es hätte Reparaturarbeiten gegeben, wobei der Flügel nicht ordnungsgemäß zusammengeschraubt wurde. Einen Performancevorteil hätte es nicht gegeben.

Buemi und Di Grassi im Pech

Auch Sébastien Buemi hätte eigentlich besser Titelchancen. Aber nach dem Rennen in Moskau bekam er wegen Blockierens im Zweikampf eine Zeitstrafe, wodurch er von Rang drei auf Platz neun zurückfiel. Zuvor verlor er noch bessere Erfolgsaussichten durch den Boxenstopp: Fälschlicherweise ging das von Ex-F1-Weltmeister Alain Prost geleitete Team e.dams davon aus, dass die Mindeststandzeit 68 statt 58 Sekunden betrage!

Piquet profitiert von den ganzen Problemen der anderen Teams und gewann in Moskau sein zweites Saisonrennen. Nur Buemi hat außer ihm ebenfalls zwei Siege vorzuweisen.

Inzwischen haben sich in dieser Saison übrigens schon 30 Fahrer während eines Formel-E-Rennens versucht. In Moskau übernahm Justin Wilson das Andretti-Cockpit von Scott Speed. Wilson bestritt für das Andretti-Team bereits das Indy-500. 2003 war der lange Brite auch in der Formel-1 für Minardi und Jaguar unterwegs. Einen zweiten Fahrerwechsel gab es bei NEXTEV: Hier nahm wieder Antonio García den Platz von Charles Pic als Teamkollege von Piquet jr. ein.

Moskau ePrix
1. Nelson Piquet jr. (NEXTEV)
2. Lucas di Grassi (Abt Audi)
3. Nick Heidfeld (Venturi)
4. Jean-Eric Vergne (Andretti)
5. Daniel Abt (Abt Audi)
6. Salvador Durán (Amlin Aguri)
7. Antonio Felix da Costa (Amlin Aguri)
8. Nicolas Prost (e.dams)
9. Sébastien Buemi (e.dams)
10. Justin Wilson (Andretti)

Fahrerwertung
1. Nelson Piquet jr. (BRA) 128
2. Lucas di Grassi (BRA) 111
3. Sébastien Buemi (SUI) 105
4. Nicolas Prost (FRA) 82
5. Jérôme D’Ambrosio (BEL) 77
6. Sam Bird (GBR) 68
7. Jean-Eric Vergne (FRA) 55
8. Antonio Felix da Costa (POR) 51
9. Daniel Abt (GER) 32
10. Nick Heidfeld (GER) 31
11. Jaime Alguersuari (ESP) 30
12. Bruno Senna (BRA) 28
13. Loïc Duval (FRA) 23
14. Scott Speed (USA) 18
15. Franck Montagny (FRA) 18
16. Karun Chandhok (IND) 18
17. Stéphane Sarrazin (FRA) 18
18. Charles Pic (FRA) 16
19. Oriol Servià (ESP) 16
20. Jarno Trulli (ITA) 15
21. Salvador Durán (MEX) 9
22. Vitantonio Liuzzi (ITA) 2
23. Takuma Sato (JPN) 2
24. Justin Wilson (GBR) 1
25. Ho-Pin Tung (CHI) 0
26. Antonio García (ESP) 0
27. Michela Cerruti (ITA) 0
28. Marco Andretti (USA) 0
29. Matthew Brabham (AUS) 0
30. Katherine Legge (GBR) 0

Teamwertung

1. e.dams 187
2. Abt Audi 143
3. NEXTEV 132
4. Dragon 116
5. Andretti 104
6. Virgin 98
7. Amlin Aguri 62
8. Venturi 49
9. Mahindra 46
10. Trulli 17

Beitrag Mittwoch 1. Juli 2015, 12:02

Beiträge: 39269
In der Formel-1 ging seine Karriere mit einem Skandal zu Ende, aber Nelson Piquet jr. hat sich inzwischen in diversen Rennserien bereits wieder einen Namen verschafft. In der Formel-E schrieb er nun als erster Meister Geschichte.

Piquet, Prost, Senna – es sind die Namen großer Weltmeister in der Formel-1. Jetzt ist die Zeit der Sprösslinge und das in einer ganz neuen, modernen Rennserie. Die Formel-E ist die erste Meisterschaft, die mit vollständig elektronisch betriebenen Formel-Boliden ausgetragen wird. In der Formel-1 hatten alle drei Fahrer anders als ihre Vorfahren, die ihre Namen groß machten, keinen besonderen Erfolg. Nicolas Prost fuhr nicht einmal ein Rennen, war nur Testfahrer bei Lotus. Bruno Senna bekam sogar die Chance bei Williams, nutzte sie aber nicht. Und Williams war seinerzeit 2012 auch nicht so stark wie jetzt.

Und Nelson Piquet jr. fuhr zwar beim Deutschland-GP 2008 auf das Treppchen, aber das war begünstigt durch eine Safety-Car-Phase, die für den Brasilianer recht günstig lag. Und schließlich führte dieses Rennen zu einem der größten Skandale in der F1-Geschichte. Renault war damals als Weltmeister entthront, rutschte sogar ins Mittelfeld ab. Obwohl Weltmeister-Fahrer Fernando Alonso nach einem wenig ruhmreichen Jahr bei McLaren zu Renault zurückkehrte. In einer Zeit, in der die Wirtschaftskrise ausbrach und in der diverse Hersteller die Formel-1 verließen, brauchte Renault dringend wieder einen Erfolg.

Crashgate 2008 in Singapur


Wer auch immer die Idee hatte: Letztlich griff man das Rennen in Hockenheim auf und spann es weiter: Würde Nelson Piquet jr. einen Unfall absichtlich herbeiführen und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem Fernando Alonso als erster an der Box war und Sprit gefasst hätte, dann könnte Alonso gewinnen, weil das Safety-Car, das durch den Unfall auf die Strecke geschickt wird, die Abstände egalisiert. Während die anderen aber noch einmal Nachtanken mussten, hatte Alonso das schon gemacht und könnte die Führung übernehmen. Der Plan ging auf, Alonso gewann das Rennen.

Der Skandal kam erst ein Jahr später zum Vorschein. Als Nelson Piquet jr. von Renault entlassen wurde. Er war bei Renault ohnehin nur das fünfte Rad am Wagen, also der Wasserträger von Fernando Alonso. Er blieb also stets unter Wert geschlagen. Vor der Saison 2010 hatte er noch gute Karten, ein Cockpit bei Force India zu bekommen, aber das klappte nicht und Piquets GP-Karriere war vorbei. Auch der Titel in der Formel-E wird daran nichts ändern.

Sein Vater Nelson Piquet Senior war in der Formel-1 erfolgreicher. Er galt als Lausbub, legte sich mit Landsmann Ayrton Senna oder mit Teamkollege Nigel Mansell bis aufs Bitterste an. Drei Mal allerdings wurde er Weltmeister, darunter 1983 als erster Fahrer mit einem Turbomotor. Der kam damals von BMW, gefahren ist er für das Brabham-Team des heutigen F1-Zampanos Bernie Ecclestones.

Familiendynastie für Erfolg entscheidend


Legendär waren auch Piquets Affären. Daraus entstanden auch immer wieder Kinder und Nelson Junior ist nicht der einzige, der in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte. Geraldo Piquet hat sich inzwischen einen Namen in der Formel-Truck-Serie in Südamerika gemacht. Zuletzt fuhr er dabei einen Mercedes-LKW. Pedro Piquet ist der jüngste Sprössling der Piquet-Familie und gilt als äußerst talentiert. Im Winter stand er vor einem Wechsel in die F3-Europameisterschaft, blieb aber letztlich doch in der brasilianischen Formel-3 (bei Césario), um sich nebenbei auch auf die Schule fokussieren zu können.

Nelson Piquet jr. hatte stets die Unterstützung seines Vaters. Und das gibt er heute als einen Grund für den aktuellen Erfolg in der Formel-E an. Der heute 29-Jährige fuhr nämlich stets in Rennteams, die sein Vater für Piquet Serie für Serie aus dem Boden stampfte. Das war bereits der Fall, als er noch in Brasilien Rennen fuhr und zog sich bis in die GP2, dem F1-Vorzimmer. Zwar hatte Piquet Senior schon 1992 ein Team in der Vorgängerserie Formel-3000 für seinen Freund Olivier Beretta, aber letztlich mussten alle Rennställe wieder neu aufgebaut werden.

Diese Aufbauarbeit, mit der Piquet Junior nun bestens vertraut ist, war auch in der Formel-E nötig, denn die Rennserie ist neu, die Erfahrungen daher auch – die Teams erst Recht. Piquet jr. fährt für das China-Racing-Team, das einst für die Nationenmeisterschaft A1GP-Serie vor rund zehn Jahren gegründet wurde. Geleitet werden die Renneinsätze von Campos Racing, einem Team, das auch in der GP2, der GP3 und der Euroformula Open mitmischt. Aber letztlich waren es auch Piquet jr. Erfahrungen, die halfen, dass sich China Racing, inzwischen in NEXTEV umgetauft, durchsetzen konnte.

Neue Herausforderungen 2015/2016

Neben der Formel-E fährt Piquet auch in der Global-Rallye-Cross-Meisterschaft. Gaststarts hatte er auch in der brasilianischen Stockcar-Serie und der Indy-Lights. Vor einem Jahr kam er auch mit einem Wechsel in die IndyCar in Verbindung. Auch dort war Vater Nelson Piquet Senior bereits unterwegs. Piquet jr. sieht sich aber dauerhaft in der Formel-E und hat seinen Vertrag mit NEXTEV auch um mehrere Jahre verlängert.

Die nächste Mission ist also die Mission Titelverteidigung. Das wird schwer genug, schließlich dürfen die Teams nächstes Jahr Teile des Motors selbst bauen. Piquets Rennstall bekommt dafür die Unterstützung von diversen chinesischen Firmen. Die Formel-E ist eben hochmodern.

Beitrag Mittwoch 1. Juli 2015, 14:18

Beiträge: 39269
Ein Fazit:

Es ist ein Schritt in eine neue Ära: Die erste Rennserie, die mit voll elektronisch betriebenen Formel-Rennwagen über die Bühne ging. Die erste Saison ist vorbei, Anlass genug ein erstes Fazit zu ziehen.

Die Fahrer

Elf Rennen, zehn Teams, 20 Cockpits, aber am Ende 35 Fahrer, die während der Saison mindestens einmal zum Einsatz kamen. Die Formel-E zeigte immer wieder eine Flut an Fahrerwechsel. Vor dem Finale in London ersetzte beispielsweise Simona de Silvestro bei Andretti Justin Wilson, Sakon Yamamoto sprang bei Amlin Aguri für Antonio Felix da Costa ein, der seinen Verpflichtungen in der DTM nachkommen musste, Oliver Turvey fuhr anstelle von Jaime Alguersuari für NEXTEV, nachdem der Spanier vorrübergehend die Rennlizenz verlor (nach dem Rennen in Moskau wurde er ohnmächtig) und schließlich ging Alex Fontana für Vitantonio Liuzzi für Trulli an den Start.

Fahrerwechsel sind meistens ein Zeichen dafür, dass es um die Rennserien nicht besonders gut steht, weil viele Teams Fahrerwechsel aus finanziellen Gründen durchführen. In der Formel-E liegt der Fall aber anders. Oftmals sind die Fahrer anderweitig verpflichtet. Und auch die Ersatzfahrer sind meistens sehr bekannte Größen des Rennsports, mit Erfahrungen in der Formel-1, dem Sportwagenbereich, der IndyCar oder anderen großen internationalen Meisterschaften.

18 der 35 Fahrer haben bereits GP-Rennen absolviert. Die Qualität des Fahrerfeldes hatte es also wirklich in sich. Es ist vielleicht sogar der größte Erfolgsfaktor der Formel-E.

Die Teams

Auch die engagierten Rennteams sind in Motorsport-Kreisen gut bekannt und vernetzt. Mit Virgin, Amlin Aguri und Venturi gibt es drei Teams, die auch in der Formel-1 schon involviert haben, das DAMS-Team ist der führende Rennstall in den F1-Nachwuchsserien GP2 und Renault-World-Series, das Andretti-Team ist eines der größten Mannschaften in der IndyCar-Serie, Abt ist das Audi-Werksteam in der DTM.

Nächstes Jahr dürfen Teile des Motors von den Teams selbst gebaut werden. Von den acht Herstellern, die ausgesucht wurden, sind keine neuen Automobilkonzerne dabei. Sie lassen sich noch etwas Zeit, bevor sie in die Formel-E einsteigen oder tun das nur mit Tochterfirmen. So steigt Citroёn nächstes Jahr mit der Marke DS bei Virgin ein. Renault arbeitet mit e.dams zusammen, Abt mit Audi, Venturi und Mahindra sind eigenständige Automobilhersteller in Monaco respektive Indien. Manche Teams haben Kontakte zu Honda, doch die Japaner haben derzeit schon ein umfassendes Motorsportprogramm. BMW ist Partner der Formel-E, mischt aber selbst noch nicht aktiv mit.

Die Rennen

Sieben verschiedene Sieger in elf Rennen – das ist eine Statistik, die zeigt, wie spannend die Formel-E war. Am Ende unterlag Sébastien Buemi dem Meister Nelson Piquet jr. nur um einen Punkt, Lucas di Grassi nur um deren elf. Die Rennen selbst waren ebenfalls spannend und boten teilweise packenden Motorsport. Besonders die Duelle der Fahrer begeisterten, denn hier wurde knallhart gefahren. Oftmals auch zu hart und so gab es immer wieder einige spektakuläre Unfälle, allen voran natürlich der Auftaktcrash von Nick Heidfeld im Kampf um den Sieg. Das steigerte die Aufmerksamkeit für die Rennserie noch zusätzlich.

Die Autos
Am Spark Renault, der derzeit als Einheitsmodell in der Formel-E Verwendung findet, entwickelten die F1-Teams Williams und McLaren mit, dazu der Hersteller Renault und der Quasi-Chassismonopolist des Formel-Sports, Dallara. Trotzdem sind viele Fans von den Rennwagen enttäuscht: 260 PS Leistung in der Spitze, nur etwa 200 PS im Rennen, dazu die Höchstgeschwindigkeit bei gerade Mal 225 km/h. Die Boliden sind in den Augen vieler viel zu langsam. Serienchef Alejandro Agag verspricht: Nächstes Jahr mit den individuell entwickelten Motoren werden die Rundenzeiten fallen.

Die Strecken

Für die spannenden Rennen sind zwei Faktoren hauptsächlich verantwortlich: Zum einen die langsamen Fahrzeuge, wodurch das Limit nicht so schwer zu erreichen ist. Zum zweiten sind es die Strecken, die aber im Großen und Ganzen kaum Überholchancen bieten, wodurch die Fahrer die Brechstange auspacken. Das Konzept der Formel-E: Die Fans sollen nicht zur Formel-E kommen, sondern die Formel-E zu den Fans. Die Rennen finden also auf Straßenkursen statt. Die meisten Kurse sind aber sehr notdürftig zusammengeflickt worden. Der Höhepunkt diesbezüglich war das Finale in London, als das erste Rennen wegen einer Bodenwelle in Kurve eins sogar hinter dem Safety-Car gestartet werden musste. Würden die Formel-E-Rennwagen allerdings auf richtigen Rennstrecken fahren, wäre die Langsamkeit der Fahrzeuge noch offensichtlicher.

Das Konzept

Das Konzept der Serie ist gut. Es ist ein modernes Konzept, das von Anfang bis Ende durchdacht werden will. So wird der Strom für die Rennwagen derzeit aus Algen gewonnen, also umweltfreundlich. Das Safety-Car wurde in London mit Solarenergie betrieben. Man versucht auch die Fans mit ins Boot zu holen: Der Fan-Boost, der drei Fahrern, die die meisten Stimmen der Fans bekommen, mit einer kurzen Extra-Energie ausstattet, kommt aber nicht nur bei Puristen nicht unbedingt gut an. Hierbei sehen viele einen künstlichen Eingriff ins Renngeschehen. Auch die Tatsache, dass die Fahrer während des Rennens noch das Fahrzeug wechseln müssen, weil die Batterietechnik noch nicht so gut entwickelt ist, ist vielen ein Dorn im Auge. Daran soll sich aber spätestens zur fünften Saison hin etwas ändern.

Endstand Fahrerwertung
1. Nelson Piquet jr. (BRA) 144
2. Sébastien Buemi (SUI) 143
3. Lucas di Grassi (BRA) 133
4. Jérôme D’Ambrosio (BEL) 113
5. Sam Bird (GBR) 103
6. Nicolas Prost (FRA) 88
7. Jean-Eric Vergne (FRA) 70
8. Antonio Felix da Costa (POR) 51
9. Loïc Duval (FRA) 42
10. Bruno Senna (BRA) 40
11. Daniel Abt (GER) 32
12. Nick Heidfeld (GER) 31
13. Jaime Alguersuari (ESP) 30
14. Stéphane Sarrazin (FRA) 22
15. Scott Speed (USA) 18
16. Franck Montagny (FRA) 18
17. Karun Chandhok (IND) 18
18. Charles Pic (FRA) 16
19. Oriol Servià (ESP) 16
20. Jarno Trulli (ITA) 15
21. Salvador Durán (MEX) 13
22. Oliver Turvey (GBR) 4
23. Vitantonio Liuzzi (ITA) 2
24. Takuma Sato (JPN) 2
25. Justin Wilson (GBR) 1
26. Ho-Pin Tung (CHI) 0
27. Simona de Silvestro (SUI) 0
28. Antonio García (ESP) 0
29. Michela Cerruti (ITA) 0
30. Marco Andretti (USA) 0
31. Matthew Brabham (AUS) 0
32. Fabio Leimer (SUI) 0
33. Alex Fontana (SUI) 0
34. Katherine Legge (GBR) 0
35. Sakon Yamamoto (JPN) 0

Endstand Teamwertung

1. e.dams 232
2. Dragon 171
3. Abt Audi 165
4. NEXTEV 152
5. Virgin 133
6. Andretti 119
7. Amlin Aguri 66
8. Mahindra 58
9. Venturi 53
10. Trulli 17

Beitrag Sonntag 5. Juli 2015, 18:47

Beiträge: 39269
Die ersten Fahrer haben sich bereits für die zweite Saison der Formel-E eingeschrieben. F1-Oldies wie Jenson Button und Kimi Räikkönen zeigen allerdings kaum Interesse, dafür könnten Fahrer aus der Tourenwagen-Weltmeisterschaft in die Formel-E wechseln.

Die zehn Teams, die auch in der abgelaufenen Premierensaison mitmischten, werden auch in der zweiten Saison, die im Oktober beginnen wird, wieder dabei sein. Die ersten drei Fahrer stehen auch schon fest: Meister Nelson Piquet jr. bleibt bei China Racing, Lucas di Grassi und Daniel Abt werden wieder für Abt Audi an den Start gehen.

Dragon und Amlin Aguri haben derzeit auch noch keinen Motorpartner für die kommende Saison gefunden. Die anderen Rennställe bauen die Motoren selbst, oder lassen sie sich von Partnern bauen. Das Virgin-Team hat sich zum Beispiel mit dem Hersteller Citroën zusammengetan, wenn auch nur mit der Tochtermarke DS. Nun hoffen viele, dass zumindest ein Citroën-Fahrer aus der Tourenwagen-WM ins Cockpit steigen darf. Derzeit fahren dort Meister José-Maria Lopez, Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb, Yvan Muller und Ma Qing-Hua. Sam Bird wahrscheinlich bei Virgin an Bord bleiben.

Bei e.dams könnte die Fahrerpaarung auch unverändert bleiben. Nicolas Prost ist der Sohn von Teamchef Alain Prost. Sébastien Buemi hat mit um den Titel gekämpft und will nun eine Revanche, nachdem er gegenüber Piquet jr. nur um einen Punkt den Kürzeren gezogen hat.

Mögliche Fahrerbesetzung 2015/2016
e.dams: Sébastien Buemi (?) – Nicolas Prost (?)
Dragon: Jaime Alguersuari (?) – Loïc Duval (?)
Abt Audi: Lucas di Grassi – Daniel Abt
NEXTEV: Nelson Piquet jr. – Ma Qing-Hua (?)
Virgin: Sam Bird (?) – Sébastien Loeb (?)
Andretti: Jean-Eric Vergne (?) – Simona de Silvestro (?)
Amlin Aguri: Takuma Sato (?) – Fabio Leimer (?)
Mahindra: Bruno Senna (?) – Karun Chandhok (?)
Venturi: Nick Heidfeld (?) – Stéphane Sarrazin (?)
Trulli: Vittorio Ghirelli (?) – Alex Fontana (?)

Beitrag Donnerstag 30. Juli 2015, 16:43

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Das Transferkarussell in der Formel-E dreht sich recht ruhig. Bisher gibt es nur Vertragsverlängerungen, keine Wechsel, keine Neuverpflichtungen. Mit zwei bekannten Neuzugängen darf man aber wohl rechnen.

Bisher sind vier Fahrer für die kommende Saison fix: Abt Audi wird mit der unveränderten Fahrerpaarung bestehend aus Lucas di Grassi und Daniel Abt in die zweite Formel-E-Saison gehen. Meister Nelson Piquet jr. bleibt in Diensten des chinesischen NEXTEV-Teams.

Und nun wurde auch der Vertrag von Jérôme D’Ambrosio bei Dragon verlängert. Der Belgier, der 2011 und ’12 insgesamt 20 F1-Rennen für Virgin und Lotus bestritten hat, blieb in der ersten Saison recht unauffällig, war aber durchaus stark: Am Ende belegte er Rang vier in der Meisterschaft, nach der Disqualifikation von Di Grassi in Berlin bekam er sogar nachträglich einen Sieg auf dem grünen Tisch. Nächstes Jahr will er um den Titel mitkämpfen. Der Teamkollege steht noch nicht fest, möglicherweise bleibt aber Loïc Duval an Bord.

De La Rosa und Lopez dabei?


Bei Amlin Aguri deutet sich dagegen eine prominente Neuverpflichtung an: Pedro de La Rosa, der zuletzt als F1-Testfahrer bei Ferrari aktiv war und seit 1999 mit der Formel-1 verbunden ist. De La Rosa testete zuletzt mehrmals für Amlin Aguri und könnte neben Salvador Durán oder Fabio Leimer starten.

Die Verbindungen zwischen Virgin und der französischen Citroën-Tochter DS trägt offenbar Früchte: Tourenwagen-Weltmeister José-Maria Lopez soll kurz vor einem Vertragsabschluss mit dem Team von Sir Richard Branson stehen. Lopez fährt für Citroën in der Tourenwagen-WM.

Oliver Turvey ist bei seinem FE-Debüt im Finallauf in London offenbar auf den Geschmack gekommen: Der Brite soll kurz vor einer Vertragsverlängerung mit NEXTEV stehen.

Mögliches Fahrerfeld 2015/2016

e.dams: Sébastien Buemi (?) – Nicolas Prost (?)
Dragon: Jaime Alguersuari – Loïc Duval (?)
Abt Audi: Lucas di Grassi – Daniel Abt
NEXTEV: Nelson Piquet jr. – Oliver Turvey (?)
Virgin: Sam Bird (?) – José-Maria Lopez (?)
Andretti: Jean-Eric Vergne (?) – Simona de Silvestro (?)
Amlin Aguri: Salvador Durán (?) – Pedro de La Rosa (?)
Mahindra: Bruno Senna (?) – Karun Chandhok (?)
Venturi: Nick Heidfeld (?) – Stéphane Sarrazin (?)
Trulli: Jarno Trulli (?) – Vitantonio Liuzzi (?)

Beitrag Samstag 8. August 2015, 12:52

Beiträge: 39269
Das Fahrerfeld für die im Oktober beginnende zweite Formel-E-Saison füllt sich immer mehr. Das Andretti-Team bestätigt Simona de Silvestro, Venturi holt Jacques Villeneuve an Bord und Jean-Eric Vergne wechselt zu Virgin.

Übermorgen beginnen die offiziellen Testfahrten für die zweite Formel-E-Saison. Sie werden mit großer Spannung herbeigesehnt. Bisher haben die Teams die neuen, eigenen Antriebsstrangs nur individuell und unter Ausschluss der Öffentlichkeit getestet. In Donington aber treffen sie erstmals aufeinander. Es wird erwartet, dass sich ein erstes Bild des neuen Kräfteverhältnisses zumindest erahnen lässt.

Lopez kommt nicht


Und es wird sich auch zeigen, welche Fahrer in die engere Auswahl kommen. Bisher sind neun Fahrer für die kommende Saison fix, viele weitere gelten als sicher, sind nur noch nicht offiziell bestätigt worden. Ein paar offene Cockpits gibt’s aber noch.

Bei e.dams gilt es als äußerst wahrscheinlich, dass die Fahrerpaarung aus Sébastien Buemi und Nicolas Prost bestehen bleibt. Dragon hat den Vertrag mit Jérôme D’Ambrosio verlängert, daneben gilt auch Loïc Duval als so gut wie gesetzt. Auch Abt Audi hält am Fahrerduo Lucas di Grassi und Daniel Abt fest. Meister Nelson Piquet jr. wird NEXTEV die Treue halten, daneben könnte Oliver Turvey einen Vertrag bekommen, der schon in London die zwei Rennen für das chinesische Team bestritt.

Eine Überraschung gab es bei Virgin DS: Hier bleibt zwar Sam Bird an Bord, aber dazu kommt Jean-Eric Vergne völlig überraschend ins Team. Vergne fuhr im ersten Jahr neun Rennen für den Andretti-Rennstall und sollte dort eigentlich seinen Vertrag verlängern. Nun aber wechselt er ins Team von Sir Richard Branson und der Citroën-Tochter DS. Dort hofften viele durch die Verbindung zu Citroën auf einen Wechsel von Tourenwagen-Weltmeister José María Lopez in die Formel-E. Der Argentinier bestätigte auch Verhandlungen, doch zum Wechsel kam es letztlich doch nicht. Bird gewann im ersten Jahr indes zwei Rennen mit Virgin und landete am Ende auf Tabellenplatz fünf.

De Silvestro fest bei Andretti


Das Andretti-Team hat mit Simona de Silvestro die erste Fahrerin bekannt gegeben. Die Schweizerin bestritt in diesem Jahr unter anderem das Indy-500 für Andretti, kam aber auch in London für zwei Rennen in der Formel-E zum Einsatz. Eigentlich wurde erwartet, dass auch Jean-Eric Vergne an Bord bleibt. Doch weil der Franzose zu Virgin DS wechselt, ist das zweite Cockpit noch offen. Als Kandidat gilt Matthew Brabham, der Enkel des ehemaligen F1-Weltmeisters Jack Brabham. Er hat durch die Indy-Lights Kontakte zu Andretti und fuhr auch schon zwei Formel-E-Rennen für die Mannschaft von Michael Andretti. Als Sponsor konnte Amlin gewonnen werden, der noch 2014/15 mit Aguri zusammenarbeitete.

Beim Amlin-Team ist noch kein Fahrer fix. Pedro de La Rosa testete jüngst für das Team von Aguri Suzuki, aber der Spanier scheint nun doch keine ernsthafte Option zu sein. Stattdessen testet WSbR-Pilot Tom Dillmann neben Stammfahrer Salvador Durán, der wohl seinen Vertrag verlängern dürfte.

Im indischen Mahindra-Team sind die Tage des Inders Karun Chandhok gezählt. Mit Gesamtrang 17 enttäuschte er auf ganzer Linie. Neben Bruno Senna, der zwar auch noch nicht offiziell bestätigt ist, aber als wahrscheinlichster Fahrer gilt, testeten in Spanien zuletzt Adam Carroll, Antonio Felix da Costa, Giedo van der Garde und Giorgio Pantano. Carroll machte dabei angeblich die beste Figur. Da Costa wäre erfahren, kann aber wegen seinen Verpflichtungen in der DTM wieder nicht alle Rennen bestreiten.

Villeneuve erster F1-Meister


Die größte Sensation gibt es bei Venturi: Jacques Villeneuve wird dort neben Stéphane Sarrazin in die zweite Saison gehen. Der Kanadier ist der erste F1-Weltmeister, der in die Formel-E wechselt. Eine volle Saison bestritt Villeneuve seit Jahren nicht mehr, dem Rennsport wandte er sich aber nie ab: Er fuhr zuletzt das Indy-500 2014, aber auch einzelne NASCAR- und Autocross-Rennen. Sarrazin beendete die erste Saison für Venturi auf Rang 14.

Recht unspektakulär dürfte das Fahrerduo bei Trulli werden: Teambesitzer Jarno Trulli will seinen Helm doch noch nicht an den Nagel hängen. Daneben dürfte auch Vitantonio Liuzzi wieder für den Italiener ans Steuer greifen.

Mögliches Formel-E-Fahrerfeld

e.dams: Sébastien Buemi (?) – Nicolas Prost (?)
Dragon: Jérôme D’Ambrosio – Loïc Duval (?)
Abt Audi: Lucas di Grassi – Daniel Abt
NEXTEV: Nelson Piquet jr. – Oliver Turvey (?)
Virgin: Sam Bird – Jean-Eric Vergne
Andretti: Simona de Silvestro – Matthew Brabham (?)
Aguri: Salvador Durán (?) – Tom Dillmann (?)
Mahindra: Bruno Senna (?) – Adam Carroll (?)
Venturi: Stéphane Sarrazin – Jacques Villeneuve
Trulli: Jarno Trulli (?) – Vitantonio Liuzzi (?)

Beitrag Sonntag 9. August 2015, 16:06

Beiträge: 39269
Viel wird über die Formel-E diskutiert: Ist das noch Rennsport? Ist das die Zukunft? Oder ist die Formel-E nur eine Eintagsfliege? Die Argumente.

Ausgerechnet in China fiel im September vergangenen Jahres also der Startschuss für die neue Formel-E-Meisterschaft. Vielleicht ist der Ort auch symbolisch ausgewählt: China gilt als neue Zukunftsmacht, Elektro-Wagen als zukünftige Rennboliden. Die einen finden die Formel-E, den Schritt in die Zukunft also, äußerst spannend, anderen stellen sich die Nackenhaare auf: Zu langsam, zu leise – einfach kein Rennsport mehr. Wir haben die Argumente gesammelt.

Formel-E = Akkusport statt Motorsport

Die Idee von Elektrofahrzeugen ist nicht neu – auch nicht im Rennsport. Bei den ersten Stadt-zu-Stadt-Rennen (den Vorläufern der heutigen F1-GP-Rennen) waren neben Verbrennungsmotoren auch Dampfmaschinen und Elektrowagen am Start. Auch eine rein elektrische Formel-Rennserie ist nicht neu: Von 1994 bis 2004 gab es in Amerika bereits die Formel-Lightning, die aber aus Studententeams bestand und daher kaum Aufmerksamkeit genoss. Natürlich hat sich der Verbrennungsmotor über Jahre durchgesetzt – und so ist der Rennsport heute damit unausweichlich assoziiert. Für viele ist daher ein ungeschriebenes Gesetz, dass Rennsport nur mit Motoren betrieben werden dürfen, die laut sind und stinken. Einem gewissen Reiz kann man dem auch wirklich nicht absprechen, aber mit Elektro-Motoren lassen sich nun mal genauso Rennen bestreiten.

E-Technik noch zu unausgereift

Keiner wird bestreiten, dass die Elektromotor-Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Die Akkus sind nicht nur schwer, die Entsorgung ist auch nicht besonders umweltfreundlich. Derzeit kommt der Strom außerdem noch aus der Steckdose – und damit zum großen Teil aus umweltunfreundlichen Kohle- oder Atomkraftwerken. Für viele ist es auch ein Armutszeugnis, dass die Fahrer sogar das Fahrzeug wechseln müssen, als würde man die Schwachstellen auch noch offen zu Schau stellen (BMW will auch deswegen nicht als Team einsteigen). Aber die Kritiker vergessen: Ab der zweiten Saison dürfen die Teams die Technik selbst entwickeln, dann wird es radikal und flott Fortschritte geben.

Formel-E für junge Fans?

Natürlich gibt es dazu bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Aber die Reaktionen in den sozialen Netzwerken und Foren machen den Eindruck, als würde die Formel-E besonders bei jungen Rennfans gut ankommen. Genau die erreichen Serien wie die Formel-1 inzwischen nicht mehr so gut wie noch vor Jahren. Die Formel-E ist ein neues Konzept, es ist eine technische Herausforderung, ab der zweiten Saison ja sogar mit technischem Wettbewerb – genau das weckt das Interesse der jungen Fans. Viele in der Formel-1 argumentieren, dass die Fans für Technik kein Interesse haben, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Dazu braucht man nur mal zu einem Formel-Student-Event reisen – auch die Studentenrennserie setzt verstärkt auf Elektroantriebe und sogar Radnabenmotoren.

Formel-E kommt in die Städte

Ein Vorteil der Formel-E ist die Fannähe. Über Twitter können die Fans entscheiden, welcher Fahrer einen Zusatzboost bekommen soll. Darüber lässt sich aus sportlicher Sicht sicher streiten. Aber die Richtung, zu den Fans zu kommen, statt dass die Fans anreisen müssen, stimmt: So werden die Rennen auf Stadtkursen direkt vor der Haustüre ausgetragen, nicht auf Rennstrecken, zu denen die Fans extra erst anreisen müssten. Stadtrennen passen auch deshalb perfekt ins Konzept, weil Elektroautos zunehmend vor allem in Städten eine Alternative werden.

Beitrag Sonntag 9. August 2015, 20:32

Beiträge: 39269
Gilles Villeneuve war wegen seines wilden Fahrstils ein Publikumsliebling. Auch Jacques Villeneuve hob sich mit seiner Art vom Rest des Feldes ab. Jetzt freuen sich viele Fans, dass er in die Formel-E wechselt.

Die sensationelle Rückkehr des Kanadiers in den Rennsport kommt gut an, weil Villeneuve mit seiner Art einzigartig ist. Er lässt sich nicht verbiegen, er prüft nicht die Worte, die ihm auf der Zunge liegen, nach politischer Korrektheit, er sagt, was er denkt und fühlt. Immer wieder eckte er damit an, er spaltete die Fanmassen, er polarisierte. Aber in Zeiten von plattgebügelten PR-Kaffeekränzchen sind solche Typen wie Villeneuve, oder auch Kimi Räikkönen in der Formel-1, so begehrt und beliebt wie selten davor.

Als Villeneuve 2006 Mitte der Saison von BMW Sauber aus der Formel-1 geworfen wurde, war das keine große Schlagzeile wert. Als Villeneuve danach mehrfach versuchte, zurückzukommen, gab es auch dafür zu wenig Unterstützung. Dabei verlor die Formel-1 2006 mit Jacques Villeneuve und Juan-Pablo Montoya zwei echte Charaktere.

Das Auge fährt mit

Das Problem, das Villeneuve 2006 hatte: Viele hatten nicht mehr das Gefühl, er sei noch richtig konkurrenzfähig. Heute sind sich Historiker einig: Sein Wechsel 1999 ins BAR-Team hat ihm die Karriere zerstört. Denn nach elf Siegen und einem WM-Titel mit Williams wollte Villeneuve zusammen mit seinem Manager Craig Pollock ein eigenes Projekt an die F1-Spitze führen. Doch trotz eines ordentlichen Budgets klappte das nie. Erst wurde Pollock, dann Villeneuve auf die Straße gesetzt.

2004 erfolgte die erste Villeneuve-Rückkehr. Mit den neuen Fahrzeugen kam er aber nicht mehr klar, seine Leistungen 2004 bei Renault und 2005 bei Sauber waren mangelhaft. 2006 ging es gerade wieder bergauf, aber Villeneuve war für BMW nur ein Sauber-Überbleibsel und daher eher ein Dorn im Auge. Die Entlassung kam nicht überraschend, für Villeneuve aber zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Danach hatte er einige Pläne, Projekte und Ideen, aber so recht Fuß fassen konnte er nirgends mehr. Er beobachtete aber die Rennszene nach wie vor, er bewertete und kommentierte sie mit gewohnt scharfer Zunge und ohne Blatt vor dem Mund. Villeneuve machte sich so natürlich nicht zu viele Freunde, das hatte er auch noch nie.

Er war immer extravagant. Was öfter wechselte, seine Haarfarbe oder sein Haarschnitt – er wird es wohl selbst nicht wissen. Villeneuve ist aber nicht nur für seinen einzigartigen Charakter bekannt geworden, sondern auch durch sein WM-Duell mit Michael Schumacher 1997. Es war kein Duell, es war eine Rivalität. Beide standen kein einziges Mal gemeinsam auf dem Podium, aber sie führten abwechselnd die WM an. Die Entscheidung fiel in Jerez und sie war kein Ruhmesblatt für Schumacher. Mit einem Rammstoß wollte er eine Entscheidung per Kollision herbeiführen (so gewann er 1994 gegen Damon Hill), doch er scheiterte daran – und wurde auch noch aus der WM-Wertung genommen.

Der Mut fährt mit


Villeneuve stand unterm Strich trotzdem im Schatten von Schumacher. Der Williams Renault hatte auch gewisse Vorzüge im Vergleich zu Schumis Ferrari. Aber Villeneuve stand nicht nur im Schatten von Schumacher – sondern auch im Schatten seines Vaters Gilles Villeneuve. Trotz seines eigenwilligen Charakters und obwohl er 1997 das nachholte, was sein Vater nicht schaffte – Jacques konnte nie den Heldenstatus seines Vaters Gilles Villeneuve erreichen.

Gilles Villeneuve absolvierte von 1977 bis ’82 insgesamt 67 F1-Rennen, gewann davon deren sechs – aber noch viel wichtiger: Er eroberte die Herzen der Fans. Optisch wirkte er zurückhaltend, ja fast schon schüchtern, aber wehe denn er saß in seinem feuerroten Ferrari – dann gab es einen motorsportlichen Leckerbissen, einen offensichtlichen Augenschmaus für alle Fans.

Keiner nahm eine F1-Kurve mit so viel Mut, mit so viel Risiko, mit so viel Spektakel wie Gilles Villeneuve. Wenn er nicht im wilden Drift aus der Kurve kam, dann war was nicht in Ordnung, aber das gab’s eh selten. Villeneuve gab nie nach. Sein Duell mit René Arnoux beim Frankreich GP ist bis heute legendär. Es ging nur um Platz zwei, aber sie fuhren, als gäbe es kein Morgen und würde die an diesem Tag die WM zwischen beiden entschieden werden. Keiner gab nach, jeder erfand die Grenzen der Strecken neu, beide schreckten auch vor Berührungen nicht zurück. Wer sehen will, wie es wirklich aussieht, wenn zwei F1-Fahrer am Limit kämpfen, dem sei es wärmsten empfohlen, bei „Youtube“ mal die Szenen zu suchen – das geht schnell und man wird es nicht bereuen. Und nach dem Genuss dieses Videos kann man auch gerne nochmal über DRS-Systeme und schnell abbauende Pirelli-Reifen nachdenken…

Gilles Villeneuve wird immer mit Ferrari in Verbindung gebracht werden. Auch wenn er sein erstes Rennen noch für McLaren absolvierte. Schon bei seinem zweiten F1-Auftritt 1977 in Japan saß er aber im Ferrari – und hatte seinen ersten schweren Crash. Er stieg über den Tyrrell Ford von Ronnie Peterson auf und überschlug sich mehrmals. Er landete in einer Absperrzone, wo zwei Zuschauer getötet wurden. Sie hätten sich da aber nie aufhalten dürfen.

Villeneuve und seine Ferrari-Teamkollegen – auch das ist eine besondere Geschichte. Gegen Jody Scheckter verlor er 1979 den Titel im direkten Duell, wenn auch nur knapp. Scheckter war einfach konstanter. 1982 hatte Villeneuve wohl die besten Chancen auf den Titel. Aber er überlebte das Qualifying in Zolder nicht: Nach einer Kollision mit dem Deutschen Jochen Mass überschlug er sich, er wurde aus dem Cockpit und gegen einen Fangzaun geschleudert. Dabei zog er sich tödliche Verletzungen zu.

Sein Teamkollege war damals Didier Pironi. Auch der Franzose verunglückte später in der Saison schwer. Noch mehr belastet hat ihn aber das am Schluss zerrüttete Verhältnis mit Villeneuve. Ausgangspunkt war das Rennen in Imola, das Ferrari nach Belieben dominierte. Pironi missachtete einen Nichtangriffspakt, Villeneuve tobte und war sauer.

Ein dritter fährt mit


Es gab auch noch einen dritten Villeneuve. Jacques, der Ältere. Er ist der jüngere Bruder von Gilles Villeneuve. Mit Arrows und RAM versuchte er sich von 1981 bis ’83 vergeblich für ein F1-Rennen zu qualifizieren. In der IndyCar war er später besser. Er schrieb 1985 in Elkhart Lake sogar Geschichte, als erster Kanadier, der ein IndyCar-Rennen für sich entschied. In den GP-Meldelisten taucht sogar noch ein vierter Villeneuve auf: Louis Villeneuve fuhr in den 30er Jahren mit Bugatti und Delahaye bei GP-Rennen mit, kam aber aus Frankreich und hatte mit der kanadischen Villeneuve-Dynastie nichts am Hut.

Beitrag Dienstag 11. August 2015, 18:57

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Die Cockpits für die zweite Formel-E-Meisterschaft füllen sich immer weiter. Inzwischen ist klar: Nick Heidfeld hat seinen Platz bei Venturi freiwillig an Jacques Villeneuve abgetreten, weil er zu Mahindra wechselt. Dort wird er Teamkollege von Bruno Senna. Der Mann, der ihn 2011 bei Lotus aus der Formel-1 gedrängt hat.

Senna wird seine zweite Saison für Mahindra bestreiten. Rang zehn in der Tabelle war nicht unbedingt glorreich, das beste Einzelresultat war der vierte Platz im allerletzten Saisonrennen in London. Heidfeld bestritt für Venturi die komplette Saison und wurde – noch hinter Senna – sogar nur Zwölfter. Dabei hatte der Deutsche aber viel Pech. Schon das Auftaktrennen in Peking hätte er fast gewonnen, wenn ihn nicht Nicolas Prost aus dem Rennen gerammt hätte.

Bei Andretti scheint übrigens Scott Speed für das zweite Cockpit hoch im Kurs zu stehen.

Mögliches Formel-E-Fahrerfeld

e.dams: Sébastien Buemi (?) – Nicolas Prost (?)
Dragon: Jérôme D’Ambrosio – Loïc Duval (?)
Abt Audi: Lucas di Grassi – Daniel Abt
NEXTEV: Nelson Piquet jr. – Oliver Turvey (?)
Virgin: Sam Bird – Jean-Eric Vergne
Andretti: Simona de Silvestro – Scott Speed (?)
Aguri: Salvador Durán (?) – Tom Dillmann (?)
Mahindra: Bruno Senna – Nick Heidfeld
Venturi: Stéphane Sarrazin – Jacques Villeneuve
Trulli: Jarno Trulli (?) – Vitantonio Liuzzi (?)

Beitrag Donnerstag 13. August 2015, 17:46

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Die Formel-E-Testfahrten in Donington haben ein erstes Bild des Kräfteverhältnisses abgegeben. Sébastien Buemi knackte für e.dams den Rundenrekord, aber die Hosen wurden noch nicht wirklich runter gelassen. Manche standen aber ziemlich blank da – geplagt von vielen technischen Problemen.

Schon vor den Testfahrten in Donington berichtete „Motorsport.com“ über Gerüchte, wonach neben dem Aguri-Team zwei weitere Rennställe offenbar die zweite Saison doch nicht mit den eigenen entwickelten Antrieben starten wollen, sondern mit den bewährten Vorjahres-Motoren von Renault/McLaren. Bei den Testfahrten gab es exakt zwei Teams, die passend dazu, gar keine gezeitete Runde drehten: Andretti und Trulli. Das könnte auch erklären, wieso Jean-Eric Vergne völlig überraschend von Andretti zu DS Virgin gewechselt ist.

Eine zweite Befürchtung trat nur zum Teil ein: Dass die Teams weit auseinander liegen würden. Sébastien Buemi war zwar fast eine halbe Sekunde schneller als der Rest des Feldes, aber der Rest lag sehr eng beieinander. Noch dürften nicht alle Teams die Karten aufgedeckt haben, aber der Renault-Motor von e.dams scheint derzeit am besten zu funktionieren.

Das Wochenklassement

1. Sébastien Buemi (e.dams) 1:31,050
2. Sam Bird (DS Virgin) 1:31,469
3. Daniel Abt (Abt Audi) 1:31,537
4. Nick Heidfeld (Mahindra) 1:31,541
5. Nicolas Prost (e.dams) 1:31,592
6. Bruno Senna (Mahindra) 1:31,869
7. Loïc Duval (Dragon) 1:31,915
8. Stéphane Sarrazin (Venturi) 1:32,001
9. Jean-Eric Vergne (DS Virgin) 1:32,003
10. Lucas di Grassi (Abt Audi) 1:32,158
11. Tom Dillmann (Aguri) 1:32,369
12. Jérôme D’Ambrosio (Dragon) 1:34,955
13. Jacques Villeneuve (Venturi) 1:36,915
14. Nelson Piquet jr. (NEXTEV) 1:38,052
15. Jarno Trulli (Trulli) Keine Zeit
16. Simona de Silvestro (Andretti) Keine Zeit
17. Oliver Turvey (NEXTEV) Keine Zeit

Beitrag Dienstag 18. August 2015, 13:26

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Die Formel-E-Teams testen in Donington gerade die neuen, erstmals in Eigenregie entwickelten Motoren für die kommende Saison. Seit die Aggregate vom Automobilweltverband FIA abgenommen worden sind, wird das Ausmaß der Vielfalt deutlich.

Die Vielfalt reicht von einem bis zwei Motoren, sowie von einem bis fünf Gänge. Die meisten Teams werden auf einen Motor und vier Gänge setzen: Das trifft auf Dragon, Andretti, Mahindra und Venturi zu. Bei einem Getriebe mit mehr Gängen kann man das Triebwerk kleiner gestalten und hat Gewichts-, sowie Schwerpunktvorteile. Zwei Motoren pro Fahrzeug sind zwar in der Theorie besser, aber das trifft vor allem dann zu, wenn sie die Räder direkt antreiben (Stichwort Radnabenmotoren). Das Reglement schreibt aber vor, dass die Hinterachse ganz klassisch über ein Differenzial angetrieben werden muss.

Das hat den Grund, die Kosten im Zaum halten zu wollen. Mit Direktantrieb würden sich die Fahrzeuge viel besser steuern lassen, weil man sie auch dazu verwenden könnte, eine perfekte Straßenlage zu genieren, in dem man die Motoren getrennt voneinander steuert – was auch zu langweiligeren Rennen führen würde, weil das Potenzial für Fahrfehler geringer wird.

Gleiche Leistung, bessere Effizienz


Drei Teams gehen trotzdem den Weg, zwei Motoren einzusetzen: NEXTEV und DS Virgin werden diese Motoren auch jeweils nur mit einem Ein-Gang-Getriebe betreiben, Renault e.dams geht auf Nummer sicher und koppelt sie an zwei Gänge.

Bei der Konstruktion der eigenen Motoren geht es vor allem um die Effizient, denn sowohl die Höchstleistung der Motoren (170 Kilowatt), sowie die der Batterien (28 Kilowattstunden) sind vom Reglement her begrenzt. Trotzdem fallen bei den Donington-Testfahrten Rundenrekorde, die Fahrzeuge werden also schneller: Durch eine bessere Effizienz kann man mit der Energie besser haushalten, die Fahrer müssen weniger oft lupfen, also vom Gas gehen – und daher die Leistung viel länger und öfter abrufen. Das wirkt sich auch auf die Rundenzeit aus.

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