Erstmals geht es für uns vollelektrisch mit einem Audi S-Modell in der Sportback-Version quer durch die österreichischen Alpen bis an die Adria – also genau das Terrain, auf dem sich ein Elektroauto beweisen muss: lange Distanzen, wechselnde Höhenmeter und unterschiedliche Ladeinfrastrukturen. Der Audi S6 e-tron schlug sich dabei ziemlich gut.

Der Durchschnittsverbrauch lag bei 19,9 kWh auf einer Streck von über 2.300 Kilometern (60 Prozent Autobahn, 30 Prozent Land- und Bergstraßen und 10 Prozent freie Fahrt ohne Limit). Kein Traumwert, aber angesichts der gebotenen Leistung absolut im Rahmen.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Und Leistung hat der S6 e-tron reichlich. Der Leistungsaufbau der 405 kW (551 PS) erfolgt angenehm linear, ohne das typische Elektro-Beschleunigungs-Schlaggefühl, das so manchen Beifahrer verschreckt. Von null auf 100 km/h geht es in schnellen 4,1 Sekunden. Besonders erfreulich: Die Höchstgeschwindigkeit ist erst bei 240 km/h begrenzt – endlich ein Stromer, der auch auf deutschen Autobahnen souverän überholen darf.

Komfort, Technik und eine Farbe zum Verlieben

Optisch macht der S6 e-tron in der getesteten Lackierung richtig was her. Besonders bei Sonnenschein und blauem Himmel kommt der „Malpeloblau“-Ton perfekt zur Geltung. Innen überzeugt das neue gebogene MMI-Display, das sich angenehm fahrerorientiert zeigt. Wer Spielereien mag, kommt mit dem Beifahrerdisplay in den Genuss, welches insbesondere auf langen Fahrten für Unterhaltung (etwa mit YouTube) sorgt. Dazu gibt es Kopfstützenlautsprecher, die Navigationsansagen direkt ans Ohr liefern. Die Park Distance Control mit Zentimeterangabe ist ein Segen beim Rangieren. Auch das Fahrverhalten überzeugt: Der tiefe Schwerpunkt sorgt auf der Autobahn für eine beeindruckend stabile Straßenlage – selbst bei höherem Tempo.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Beim Laden gab es ebenfalls kaum Probleme: An Ionity-Säulen funktionierte alles reibungslos. Von 10 auf 80 Prozent wird mit einer maximalen Leistung von 270 kW in 21 Minuten geladen. In Kroatien sollte man sich jedoch noch etwas vorbereiten, da dort verschiedene Anbieter eigene Apps oder Zugangssysteme nutzen. Teilweise stehen Schnelllader auf Supermarktparkplätzen, die nachts oder an Sonntagen abgesperrt sind.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Neutralzonen: Verbrauch, App und Designfragen

Nicht alles glänzt so schön wie die Lackierung. Die Seitenlinie des S6 e-tron wirkt durch die hohen Türen etwas unproportional – ein typisches Batteriepack-Problem des Unterbodens. Der Verbrauch ist, wie bereits erwähnt, solide, aber kein Maßstab in der Klasse.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Kritik verdient auch die getestete Audi-App: Unübersichtlich, überladen mit Eigenwerbung und News. Inzwischen hat Audi die MyAudi-App umfassend überarbeitet. Wie gut die neue Version im Alltag funktioniert, bleibt noch abzuwarten. Und ja: Das Lenkrad mit Touch-Tasten und glänzenden Audi-Ringen ist optisch wie funktional kein Highlight.

Schattenseiten: Ringe, Navi und der Preis

So sehr Audi bei Design und Technik glänzt, so sehr enttäuschen manche Details. Die leuchtenden Audi-Ringe an Front und Heck mögen als Showeffekt gedacht sein, wirken am Tag blass und in der Nacht wie ein Überbleibsel aus der Tuning-Ära. Sie bleiben aber natürlich Geschmackssache.

Wirklich ärgerlich ist das Navigationssystem. In Tests führte es auf unlogische, ineffiziente und teils unbefestigte Strecken. Auch die Integration von Ladesäuleninformationen ist nicht ganz optimal. Diese ist grundsätzlich vorhanden, wer jedoch eine weiter entfernte Ladesäule ansteuert, bekommt keine laufende Aktualisierung mehr. Das heißt in der Praxis: Man freut sich über eine freie Säule im Display, nur um später festzustellen, dass sie eventuell längst belegt ist. Ob sich irgendwo in den Tiefen des Menüs diese Einstellung ändern lässt, konnten wir nicht herausfinden.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Dazu kommen die virtuellen Außenspiegel, die zwar hochauflösende Displays bieten, aber zu hell eingestellt sind und durch die ungewohnte Perspektive irritieren. Auch die Größenverhältnisse zur Rückfahrkamera passen nicht optimal.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Am Ende bleibt der größte Kritikpunkt: Der Preis. Der S6 e-tron ist ein beeindruckendes Elektroauto, keine Frage, aber im Vergleich zu Mitbewerbern ist er mit einem Startpreis von 99.500 Euro schlicht zu teuer. Samt allen Extras (unter anderem LTE-Unterstützung für die Audi phone box, Sitzbelüftung vorn, ein Ablage- und Gepäckraumpaket, das Bang & Olufsen Premium Soundsystem mit 3D-Klang, die virtuellen Außenspiegel, eine Sonnenschutzverglasung und das Tech-Pro-Paket) kam unser Testwagen auf stolze 115.160 Euro.

Audi, S6 e-tron
Foto: Simninja

Fazit: Beeindruckend, aber kein Selbstläufer

Der Audi S6 e-tron ist ein starker Auftritt der Marke in der oberen Elektromittelklasse: Sportlich, komfortabel und technisch auf hohem Niveau. Doch der Fortschritt hat seinen Preis und der ist (zu) hoch. Für Fahrer, die Wert auf Stil, souveräne Leistung und Premium-Gefühl legen, ist der S6 e-tron eine Versuchung. Wer hingegen auf maximale Effizienz, Preis-Leistung oder intuitive Technik achtet, findet bei der Konkurrenz derzeit das rundere Gesamtpaket.

Alle weiteren Bilder zu unserer Testfahrt gibt es hier: