Du hast bei deinem ersten Rennen im ADAC Formel Masters den sechsten Platz belegt. Bist du mit dieser Ausbeute zufrieden?
Callan O'Keeffe: Um ehrlich zu sein nicht. Es war nicht das Wochenende, das ich erwartet habe. Wir waren bei den Wintertests sehr stark, aber Dunlop hat eine neue Reifenmischung eingeführt, die wir nicht testen konnten, was unser Leben etwas schwieriger gemacht hat. Angesichts unseres Speeds war der sechste Platz sehr gut. Es war ein schwieriges Rennen und gut, einige Punkte zu holen, aber ich bin ein Rennfahrer und will Rennen gewinnen und solange ich nicht Erster bin, kann ich nicht völlig zufrieden sein.

Dann warst du mit den Plätzen sieben und acht am Sonntag wohl auch nicht wirklich zufrieden...
Callan O'Keeffe: Im Nassen war es ein wenig einfacher, weil wir mehr Speed hatten, während wir im Trockenen wirklich zu kämpfen hatten. Aber ich konnte einige Erfahrungen sammeln und hoffe, sie bei den nächsten Rennen in Spa umsetzen zu können.

Warst du vor deinem ersten Rennen nervös?
Callan O'Keeffe: Wenn man einmal ein Rennauto gefahren hat, ist es immer die gleiche Sache. Ich habe schon zuvor viele Rennen im Kartsport bestritten und im letzten Jahr auch einige im Formel-Wagen und im Grunde ist es nur eine immer wiederkehrende Abfolge der einzelnen Abläufe.

Wie stark ist das ADAC Formel Masters?
Callan O'Keeffe: Ich denke, es ist eine sehr konkurrenzfähige junge Serie. Die leistungsstärkste Serie in der Vergangenheit war vermutlich die Formel BMW, aber nachdem sie weggefallen ist, ist das ADAC Formel Masters wahrscheinlich die beste Serie für Leute, die vom Kartsport kommen. Ich denke, es wird eine gute Saison. Es gibt viele erfahrene Fahrer, von denen ich lernen kann.

Wie kommt ein Junge aus Südafrika nach Deutschland, um im ADAC Formel Masters zu fahren?
Callan O'Keeffe: Vor fünf, sechs Jahren entschied sich meine gesamte Familie, nach England zu ziehen, da mein Bruder an einer sehr guten Schule aufgenommen wurde. Als ich jung war, hatte ich Probleme mit dem Stoffwechsel und war ziemlich übergewichtig. Ich habe mich dann für das Kartfahren begeistert und 25 Kilo verloren und nach langem Betteln haben mir meine Eltern endlich ein eigenes gekauft. Die Kartszene in England ist ziemlich stark und hat mir eine gute Basis gegeben, um ein Jahr später nach Europa zu gehen. Dann habe ich den Anruf von Dr. Helmut Marko bekommen und jetzt bin ich Bestandteil des Red Bull Junior Teams.

Wo lebst du zurzeit?
Callan O'Keeffe: Im Süden Englands.

Gehst du noch zur Schule?
Callan O'Keeffe: Ja.

Wie verstehst du dich mit Dr. Marko?
Callan O'Keeffe: Er ist ein vielbeschäftigter Mann und hat viel zu tun, daher sprechen wir nicht so oft miteinander. Aber er war immer anständig zu mir und hat immer das getan, was er gesagt hat.

Im letzten Jahr hattest du im BMW Talent Cup einen sehr guten Saisonstart, bist schlussendlich aber nur Neunter geworden. Was ist da vorgefallen?
Callan O'Keeffe: Die Serie war etwas eigenartig. Sie haben für die Gesamtwertung nur die drei letzten Rennen des Jahres herangezogen, alle anderen waren völlig irrelevant. Im letzten Rennen begingen wir im Qualifying einige Fehler und die Dinge liefen für mich nicht nach Wunsch. Ich habe mein Bestes gegeben und in einer normalen Meisterschaft hätte ich gewonnen. Es war ein schwieriges Jahr, aber auch eine gute Erfahrung. Es gab viel Preisgeld und wenn man nur ein schlechtes Rennen hat, das die Meisterschaft zerstört, ist es wahnsinnig frustrierend. Aber so war es nun einmal und ich konnte einiges daraus lernen.

O'Keeffe war trotz eines starken Debüts nicht zufrieden -
O'Keeffe war trotz eines starken Debüts nicht zufrieden -Foto: ADAC Formel Masters

Wie groß sind die Unterschiede zwischen dem BMW Talent Cup und dem ADAC Formel Masters?
Callan O'Keeffe: Im BMW Talent Cup gibt es viel mehr Grip und deutlich weniger Power. Die Bremsleistung im ADAC Formel Masters ist unglaublich, man kann so spät bremsen und das Auto hält trotzdem an.

Wie sehen deine Ziele für die erste Saison aus?
Callan O'Keeffe: Ich habe dieselben Ziele wie jeder Rennfahrer und will gewinnen. Ich bin im besten Team, hatte eine sehr gute Wintervorbereitung und wir hatten jetzt zwar ein schlechtes Rennen, aber es gibt noch zwanzig weitere. Ich denke, wenn das Team die Probleme löst und ich auch ein wenig mit meinen Problemen klarkomme, ist die Meisterschaft nicht unmöglich.

Beitske Visser ist deine Teamkollegin bei Lotus. Wie würdest du sie charakterisieren?
Callan O'Keeffe: Sie ist sehr erfahren und eine gute Referenz innerhalb des Teams, weil sie bereits ein Jahr absolviert hat. Sie ist schnell und es ist gut, sie als Teamkollegin zu haben, da sie mir sicherlich helfen kann, mich weiterzuentwickeln.

Du bist einer der jüngsten Fahrer im Feld. Spürst du, dass die anderen Piloten dich mit Respekt behandeln?
Callan O'Keeffe: Die ersten Rennen sind wichtig um zu zeigen, dass man nicht hier ist, um sich herumschubsen zu lassen. Ich kämpfe so hart wie jeder andere auf der Strecke und darauf kommt es an. Wenn man Red Bull auf seinem Helm stehen hat, wollen dich die anderen noch ein bisschen mehr schlagen, daher muss man doppelt so hart zurückschlagen. Das ist die Mentalität, die man haben muss. Ich denke nicht, dass es irgendeine Diskriminierung wegen des Alters oder der Erfahrung gibt.

Ich habe gelesen, dass Ayrton Senna und Andre Agassi deine Vorbilder sind. Was gefällt dir an ihnen?
Callan O'Keeffe: Senna war ein unglaubliches Talent und ich glaube, dass man viel von ihm lernen kann, um seinen Fahrstil und auch seine Persönlichkeit zu verbessern. Vor einem Jahr habe ich Agassis Biografie gelesen. Er hat es geschafft, die Probleme mit seinem Rücken in den Griff zu bekommen und geht noch immer hinaus und spielt großartig. Das ist ein tolles Beispiel dafür, dass äußere Umstände deine Performance nicht beeinflussen dürfen, sondern man immer sein Bestes geben muss.

Die nächsten Rennen finden in Spa statt. Warst du dort schon einmal unterwegs?
Callan O'Keeffe: Wir haben dort im letzten Jahr getestet und hatten eineinhalb Tage im Nassen sowie acht Runden im Trockenen. Der Speed war gut, daher blicke ich dem Wochenende zuversichtlich entgegen.