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ADAC Formel 4 / Interview

Zwischen Racing, Zukunftsgedanken und Erfolgsdruck - Marvin Dienst: Ans Limit und darüber hinaus!

ADAC Formel 4-Tabellenführer Marvin Dienst spricht mit Motorsport-Magazin.com über Erfolg, Druck, Ziele und den manchmal harten Weg im Motorsport.
von Marion Rott & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Du bist Tabellenführer der ADAC Formel 4 und hast sieben Siege und insgesamt elf Podestplatzierungen in 18 Rennen erzielt. Wieso läuft es in dieser Saison so gut für dich?
Marvin Dienst: Wenn wir das wüssten! Erfahrung ist die eine Sache. Im Moment haben wir viele Strecken, die meinem Fahrstil entgegenkommen. Trotzdem fühle ich mich jede Runde zu langsam, ich will noch mehr und immer mehr. Es macht einfach Spaß, jede Runde noch ein bisschen mehr ans Limit zu gehen. Irgendwann ist man dann vielleicht am Limit, aber man denkt: Ach komm, da geht noch was!

Ich will noch mehr und immer mehr.
Marvin Dienst

Spielt ein gutes Verhältnis zum Team und den Fahrerkollegen eine Rolle?
Marvin Dienst: Die Harmonie im Team stimmt. Wir kommen super miteinander aus. Wir kennen uns alle gut, hier ist eine lockere Stimmung, egal, was passiert. Es passt im Moment einfach alles zusammen und ich glaube, das ist ausschlaggebend für den Erfolg.

Wenn der Erfolg ausbleibt, heißt es schnell, man sei der ewige Zweite.
Marvin Dienst

Verspürst Du Erfolgsdruck? Schließlich musst Du jetzt etwas vorweisen, wenn Du weiterhin im Motorsport bleiben willst.
Marvin Dienst: Es war schwierig vor der Saison. Ich bin schon lange dabei. Eigentlich wollte ich nach dem ersten Jahr im ADAC Formel Masters schon in die Formel-3-Europameisterschaft umsteigen. Das war leider nicht möglich. Dann habe ich gesagt: Ok, ich mache noch ein weiteres Jahr, weil das Angebot passt. Nach zwei Jahren sollte aber wirklich Schluss sein. Jetzt kam die neue ADAC Formel 4, die neuen Autos und wieder ein Angebot mit die Frage: Wie sieht's aus? Es war ein Hin und Her und ich dachte: Nein, das geht nicht, das sind jetzt zu viele Jahre. Man kann nicht drei Jahre so fahren. Wenn der Erfolg ausbleibt, heißt es schnell, man sei der ewige Zweite. Von daher: Der Druck war vor der Saison schon da. Beim Rennen in Oschersleben ist er zum Glück abgefallen. Jetzt läuft es auch gut und ich habe den Druck zumindest aktuell ziemlich gut unter Kontrolle. Aber, klar ist auch: Dieses Jahr muss der Erfolg kommen, sonst wird es für die Zukunft schwierig.

Die Welt des Motorsports ist hart.
Marvin Dienst

Was ist Dein Ziel für die nächsten Jahre?
Marvin Dienst: Ich gebe dieselbe Antwort wie die letzten drei Jahre: Entweder Formel-3-Europameisterschaft oder ADAC GT Masters. Es ist immer abhängig davon, welche Angebote kommen. Die Welt des Motorsports ist hart. Es ist ziemlich tricky, da überhaupt irgendwo unterzukommen. Die Cockpits sind limitiert. Man kann sich nicht einfach eins aussuchen. Es gilt jetzt erstmal, sich auf dieses Jahr zu fokussieren und den Titel nach drei Jahren endlich mal nach Hause zu holen. Danach werde ich weitersehen.

Was wäre Dein großer Wunsch, wenn Du es Dir aussuchen könntest?
Marvin Dienst: Da müsste ich aber schon sehr tief schlafen, um so weit zu träumen [lacht]. Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass jeder Rennfahrer mindestens eine Saison in der Formel-3-EM bestritten haben sollte - das ist auch mein Ziel. Das Auto dort will ich für ein Jahr bewegen. Wenn man das getan hat, kann man sich in jedes Auto setzen. Genau das strebe ich an.

In Oschersleben sagt jeder über mich: Er war dort Anfang des Jahres schnell, also muss er auch jetzt wieder schnell sein.
Marvin Dienst

Das nächste Ziel wird das siebte Rennwochenende der ADAC Formel 4 in Oschersleben, wo bereits der Saisonauftakt stattfand. Mit welchen Gefühlen kehrst du zurück?
Marvin Dienst: Meine Einstellung ist ein wenig zwiespältig. Einerseits reise ich mit den Doppelsiegen an. Das erzeugt aber auch Druck für einen Fahrer. Jetzt sagt jeder: Er war dort Anfang des Jahres schnell, also muss er auch jetzt wieder schnell sein. Es ist ein bisschen schwierig, das unter einen Hut zu bekommen. Ich weiß, dass wir dort schnell waren und wieder sein können. Vielleicht war der Vorteil Anfang des Jahres auch, dass wir nahtlos vom Testen auf die Strecke gingen und uns kleine Fehler der Gegner zunutze machen konnten. Mittlerweile ist die Leistungsdichte aber extrem hoch. Von daher ist es schwierig zu sagen, wie wir mittlerweile aufgestellt sind. Das Auto liegt gut. Die Strecke macht mir Spaß. Jetzt hoffe ich, dass ich den Druck irgendwie abbauen kann und dann vielleicht noch einen Doppelsieg hinbekomme.

Wie gefällt dir die Strecke?
Marvin Dienst: Es hat ein bisschen was von Arena-Feeling - so etwas gibt es wirklich sehr selten. Die Zuschauer sehen sehr viel. Die Hütte wird voll sein. Dann läuft das Ganze auch noch im Rahmen der DTM. Es wird also einiges los sein und wird auf jeden Fall Spaß machen. Für Rennaction ist hoffentlich auch gesorgt!

Marvin Dienst kehrt mit der ADAC Formel 4 nach Oschersleben zurück, wo er in diesem Jahr bereits zweimal gewann - Foto: Dienst

Du bist bereits ein alter Hase im Formel-Sport. Ist es dennoch etwas Besonderes, im Rahmen der DTM zu fahren?
Marvin Dienst: Ich kenne das bereits aus der Formel BMW von vor drei Jahren. Da bin ich auch schon im Rahmen der DTM gefahren und habe gewonnen. Durch diesen Erfolg stehe ich heute überhaupt erst hier. Von daher denke ich gern daran zurück. Mal schauen, wem ich da so alles über den Weg laufe.


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