Von der Rennstrecke auf die Straße: Passender könnte dieser im Motorsport beliebte Slogan hier kaum sein! Porsche hat einen straßenzugelassenen Sportwagen auf Basis des aktuellen Le-Mans-Renners namens 963 entwickelt. 'Porsche 963 RSP' heißt das spektakuläre Projekt, das die Zuffenhausener in der Woche vor den 24 Stunden von Le Mans (14.-15. Juni 2025) der Weltöffentlichkeit vorgestellt haben.

'RSP', das steht für den Besitzer dieses einzigartigen Fahrzeuges: Roger Searle Penske, besser bekannt als 'The Captain'. Das Penske-Team der US-amerikanischen Motorsport-Legende setzt bekanntermaßen die Werks-Porsche 963 in der WEC sowie in der IMSA-Meisterschaft ein. Im Januar gewann Porsche zum 20. Mal die 24 Stunden von Daytona - jetzt soll der ebenso 20. Gesamtsieg in Le Mans folgen.

Porsche 963 RSP in Le Mans
Porsche 963 RSP in Le Mans, Foto: Porsche AG

Porsche 963 RSP: Hommage an speziellen 917

Der Porsche 963 RSP ist ebenso eine Hommage an einen besonderen Porsche 917, der vor genau 50 Jahren ebenfalls auf öffentlichen Straßen fuhr. Der damalige Besitzer Count Rossi wünschte so wenig Änderungen wie nötig im Vergleich zum 917-Rennwagen, um das Auto straßentauglich zu machen. So lautete auch die Devise beim 963 RSP, den ein Team von Mitarbeitern der Porsche AG, Porsche Penske Motorsport and Porsche Cars North America aufgebaut hat.

Der Straßen-963 erfüllt tatsächlich die Voraussetzungen der französischen Behörden und kann mit Kennzeichen und besonderer Freigabe auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Zu den nötigen Modifizierungen gehören eine erhöhte Bodenfreiheit, besonders abgestimmte Dämpfer, passende Leuchten, Verkleidungen der Radhausschalen, Michelin-Regenreifen und sogar eine Hupe.

"Das Ganze fing an mit der Frage: 'Was wäre wenn?' Ein Projekt, getrieben von der Leidenschaft eines kleinen Teams voller Enthusiasten von Penske und Porsche, die gemeinsam eine Version des 963 im Sinn hatten, die so nah wie möglich am Spirit und Erscheinungsbild des Count Rossi 917 angelehnt ist", sagte Porsche Cars North America Präsident und CEO Timo Resch, der die Idee zum Projekt erstmals vorstellte.

Porsche 963 RSP in Le Mans
Porsche 963 RSP in Le Mans, Foto: Porsche AG

Porsche 963 RSP bleibt ein Einzelstück

Während der 963 RSP dank seiner Modifikationen gemäß lokaler Verordnungen mit besonderer Freigabe und der Verwendung von französischen "W"-Herstellerkennzeichen zur Weltpremiere auf örtlichen Straßen nahe Le Mans bewegt werden durfte, handelt es sich nicht um ein komplett straßenzugelassenes Fahrzeug, und wird ein Einzelstück bleiben. Das Fahrzeug wird bei den 24 Stunden von Le Mans ausgestellt, bevor es ins Porsche-Museum in Stuttgart wandert.

Unter der Haube arbeitet der gleiche Motor wie in der Rennversion, mit der Porsche 2024 die Fahrer-Weltmeisterschaft in der WEC sowie sämtliche Titel in der IMSA gewann. Der 963 wird von einem 4.6 Liter V8-Biturbo Motor angetrieben, welcher circa 680 PS entwickelt und dem RS Spyder Rennprogramm entstammt.

Mit diesem fuhr Penske sämtliche Titel in der LMP2-Klasse der American Le Mans Series von 2006 bis 2008 ein. Das Aggregat wurde für den Einsatz im 918 Spyder von 3.4 auf 4.6 Liter vergrößert. Insgesamt sind etwa 80 Prozent der Motorenteile im 963 mit denen des 918 Spyder identisch, der bereits für den Einsatz eines Hybridsystems ausgelegt wurde.

Roger Penske, Vorstandsvorsitzender der Penske Corporation, sagt über das Projekt: "Wie schon der Count Rossi 917 wollte ich, dass dieses Auto seiner Ausgangsbasis treu bleibt und so wenig Änderungen wir möglich erhält. Als wir mit dem Projekt anfingen, stellte der Unterschied zwischen den beiden Rennwagen aus verschiedenen Generationen eine große Herausforderung dar. Am Ende entstand ein Fahrzeug, das nichts von seinem puristischen Charakter eingebüßt hat und sowohl auf der Rennstrecke als auch auf der Straße begeistert."

Porsche 963 RSP in Le Mans
Porsche 963 RSP in Le Mans, Foto: Porsche AG

Porsche in Martini-Silber lackiert

Den wohl größten Unterschied zum 963-Rennwagen findet man im Innenraum des 963 RSP. Inspiriert vom Interieur des 917 bietet der 963 RSP eine Kombination aus weichem, hellbraunem Leder und Alcantara. Während der Rennwagen wenig Komfort bereithält, zeigt der 963 RSP mehr Entgegenkommen. Der einteilige Karbonsitz für den Fahrer und das Lenkrad wurden mit Leder überzogen. Die Beinauflagen sowie der Dachhimmel und die A-Säulen sind mit Alcantara ausgelegt.

Eine weitere Besonderheit: Im Gegensatz zu den 963-Rennwagen, die mit einer Folierung überzogen ist, wurde der Porsche 963 RSP ganz klassisch lackiert. Als Tribut an den Count Rossi 917 wählte Porsche ein 'Martini Silber'. Auch hier steckt die Liebe im Detail: Die Farbe wurde mittels historischer Unterlagen vom Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen verifiziert. Da die Karosserie aus Karbon und Kevlar besteht und im Sinne der Gewichtsminimierung besonders dünn ist, stellte dies für die Lackierer eine besondere Herausforderung dar.