Formel 1 - Heimspiel verpatzt: Diese Nuss muss Honda knacken

Neue Baustelle, alte Ambitionen

Keine Punkte. Debakel für McLaren beim Honda-Heimrennen in Japan. Motorenchef Yusuke Hasegawa verrät, wo seine Power Units noch immer schwächeln.
von

Motorsport-Magazin.com - Honda und McLaren. Das passt zusammen, das gehört einfach zueinander. Nicht umsonst gilt die britisch-japanische Partnerschaft in der Formel 1 als Traumehe, feierte man Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre doch gemeinsam überragende Erfolge im Stil der aktuellen Mercedes-Dominanz.

Honda-Motorenchef verrät Power-Unit-Hitparade der Formel 1

Die zur Saison 2015 erneuerte Kooperation allerdings hat sich bislang als ein einziger und großer Flop erwiesen. Keine Chance für Honda gegen die weit überlegenen Power Units von Mercedes. Auch Ferrari, ja sogar Renault, sind weit enteilt. Moment. So ganz stimmt das tatsächlich nicht mehr. 2016 hat Honda sich erholt, robbt sich Schritt für Schritt zurück in die Konkurrenzfähigkeit.

Renault ist Dritter und dahinter, aber nicht weit dahinter, ist Honda.
Yusuke Hasegawa

"Mercedes ist Erster, Ferrari ist Zweiter. Ferrari hat sich in Monza mit dem Upgrade noch einmal verbessert. Renault ist Dritter und dahinter, aber nicht weit dahinter, ist Honda", beschreibt Motorenchef Yusuke Hasegawa in einem exklusiven Interview mit Motorsport-Magazin.com zu Saisonmitte das Kräfteverhältnis in der Königklasse.

Wir visieren in Zukunft die Weltmeisterschaft an, aber noch ist die Power Unit nicht stark genug dafür.
Yusuke Hasegawa

Zufrieden gibt sich Hasegawa damit freilich nicht. Wenn schon die Dominanz der ersten Ehe mit McLaren nicht geblieben, so doch immerhin die Ambitionen aus dieser Zeit. "Wir sind noch immer nicht stark genug, um in einer ordentlichen Position zu sein. Und eine ordentliche Position ist das Podium oder ein Sieg. Wir visieren in Zukunft die Weltmeisterschaft an, aber noch ist die Power Unit nicht stark genug dafür", hadert Hasegawa.

Große Show gabs beim Honda-Heimrennen in Japan nur abseits der Strecke - Foto: Sutton

Debakel-Heimrennen trotz Honda-Aufwärtstrend: Die Gründe

Umso bitterer, dass es beim Honda-Heimrennen in Japan vor einer Woche dann nicht einmal zu Punkten reicht. Dabei hatte Honda alle Vorkehrungen getroffen, für ein Upgrade bereits beim vorherigen GP eine Strafversetzung Fernando Alonso in Kauf genommen. Nur, damit das nicht in Suzuka geschehen muss. Ist es aber. Nicht bei Alonso, sondern bei Jenson Button. Die Qualifying-Performance war einfach derart schlecht, dass eine Versetzung ans Ende des Feldes auch keinen allzu großen Unterschied mehr machte.

Doch woran hat es gehapert? Immerhin qualifizierte sich auch Alonso nicht überragend, noch dazu die Punktelosigkeit beider Piloten im Rennen - und das alles, obwohl das Upgrade bereits das zweite nach der Sommerpause war. Genau das erklärte Hasegawa Motorsport-Magazin.com bereits weit im Vorfeld des Japan GP.

Wir wussten, dass wir mit diesem Upgrade die anderen noch nicht überholen können.
Yusuke Hasegawa

"Wir wussten, dass wir mit diesem Upgrade die anderen noch nicht überholen können - rein aus Sicht der Leistung. Wir hatten nicht zu viel erwartet, vor allem in Monza. Das Ergebnis hat die Situation aber dann verdeutlicht ...", sagt Hasegawa noch über die erste Ausbaustufe nach der Sommerpause. Generell an Topspeed fehlt es McLaren jedoch nicht. Hin und wieder stoßen Alonso und Button hier bereits in die Top-10-Rankings vor - 2015 noch undenkbar.

Aktuell nennt Honda den Verbrennungsmotor als größte Baustelle der Power Unit - Foto: Honda

Neues Kernproblem: Verbrennungsmotor statt Energieabgabe

"Es geht auch um Beschleunigung und andere Bereiche", erklärt Hasegawa, woran es seinen Power Units noch magelt. So verliere man noch immer ein paar Zehntel auf den Geraden, aber immerhin keine halbe Sekunde mehr. Kern des Problems aber: "Die Leistung vom Verbrennungsmotor selbst", sagt Hasegawa. Also etwas völlig anderes als noch im vergangenen Jahr das größte Kopfzerbrechen bereitete. Unvergessen Jenson Buttons entnervte Kommentare am Funk und in Interview-Runden zur mangelnden Energie-Abgabe damals.

Unsere elektrische Energieabgabe ist inzwischen fast auf Top-Niveau. Wir haben noch immer ein Defizit beim Verbrennungsmotor.
Yusuke Hasegawa

2016 scheint das wie weggeblasen. "Unsere elektrische Energieabgabe ist inzwischen fast auf Top-Niveau. Wegen der Regeln können wir da keinen großen Unterschied mehr machen. 120 Kilowatt und 4 Megajoule sind das Maximum. Das haben wir schon maximiert", bestätigt Hasegawa. Dabei scheint jedoch offensichtlich der Verbrennungsmotor vergessen worden zu sein. Oder besser: nicht vergessen, aber erst einmal hinten angestellt. "Nachdem wir das Ziel beim Energierückgewinnungssystem erreicht haben, verschieben wir den Fokus jetzt Richtung Verbrennungsmotor", bestätigt der Motorenchef.

Mit Energierückgewinnungssystem, Verbrennungsmotor und Zuverlässigkeit habe man 2015 schlicht an drei großen Aufgaben zugleich arbeiten müssen. Zwei davon sind inzwischen weitestgehend geläst. "Auch mit der Zuverlässigkeit sind wir aktuell zufrieden", sagt Hasegawa. "Wir haben noch immer ein Defizit beim Verbrennungsmotor, das ist sicherlich der größte Bereich."

Hersteller Token benutzt Token übrig
Ferrari 32 0
Honda 30 2
Mercedes 26 6
Renault 14 18

Was Honda für 2017 plant

Viel kommen wird angesichts des ohnehin gerade erst erfolgten Upgrades und angesichts nur zwei verbliebener Token bei nur vier ausstehenden Saisonrennen in diesem Jahr wohl nicht mehr. Doch für 2017 sieht das ganz anders aus.

Welche Pläne genau Hasegawa mit Honda für das Jahr der großen Revolution samt beerdigten Token-Systems schmiedet und welche Lehren sich aus der gegenwärtigen Situation auch für die Zukunft ziehen lassen, erfahren Sie in der neuen Print-Ausgabe von Motorsport-Magazin.com, die am 13. Oktober erschienen ist.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter