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Ogier gewinnt Rallye Deutschland vor Sordo und Neuville

Nach einer Durststrecke seit der Rallye Schweden im Februar steht Sebastien Ogier wieder ganz oben auf dem Podest. Hinter ihm gibt es ein Wimpernschlagfinale.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Sebastien Ogier feiert bei der Rallye Deutschland seinen dritten Saisonsieg nach Monte Carlo und Schweden. Bei seinem achten Start in Deutschland fährt er nach Triumphen in den Jahren 2011 und 2015 seinen dritten Erfolg ein. "Es fühlt sich großartig an. Ich hab das sehr vermisst - es ist schon lange her", spielte er auf seine Durststrecke seit Februar an. "Ich habe hier die Chance ergriffen. Es ist ein wirklich gutes Ergebnis für die Meisterschaft."

Ich hab das sehr vermisst - es ist schon lange her.
Sebastien Ogier

Ogier reist mit 26 Punkten mehr auf dem Konto ab, da er sich auf der Power Stage einen Bonuspunkt sicherte. "Ein sehr spannender Kampf mit Andreas [Mikkelsen], Thierry [Neuville] und Dani [Sordo] - wir mussten pushen, um sie zu schlagen", sagte Ogier, der wie im vergangenen Jahr auf der Marathonprüfung auf der Panzerplatte den entscheidenden Vorsprung herausfuhr. Auf der ersten Durchfahrt war er 10,5 Sekunden schneller als Sordo, auf der zweiten immerhin noch 4,7. "Dieser Sieg ist für Jost [Capito; scheidender Volkswagen-Motorsportchef] - ich habe ihm gesagt, dass ich das für ihn tun werde."

Hinter Ogier tobte ein enger Kampf zwischen Sordo, Neuville und Mikkelsen um die Podestplätze. Dieser gipfelte in einer dramatischen Power Stage. Mikkelsen hatte mehrere brenzlige Momente - noch brenzliger wurde es im Ziel, als seine Bremsen Feuer fingen. Im Löschschaum lösten sich auch seine Hoffnungen auf einen Podestplatz auf.

Enttäuschung bei Neuville

Bittersüß verlief die Power Stage auch für Neuville, der zwar die Bestzeit erzielte und damit drei Bonuspunkte einheimste, im Gesamtstand jedoch gerade einmal 0,1 Sekunden langsamer war als Sordo. Der zweite Platz ging damit hauchdünn an den Spanier.

"Die Enttäuschung war groß, als wir gesehen haben, dass wir den zweiten Platz nur um eine Zehntel verfehlt haben", gestand Neuville gegenüber Motorsport-Magazin.com, fand jedoch auch Positives. "Das ist Motorsport. Die letzten Rallyes waren im Großen und Ganzen gut für uns. Wir sind nur immer knapp am zweiten oder dritten Platz vorbeigeschrammt."

Wir haben wie Hölle gepusht.
Nicolas Gilsoul

Immerhin gewann der Belgier nach der Rallye Finnland zum zweiten Mal in Folge die Power Stage und kletterte in der Gesamtwertung auf Platz vier, punktgleich mit Teamkollege Hayden Paddon auf Rang drei. "Nach den ganzen Anfangsschwierigkeiten zu Beginn der Saison ist das sehr gut", stellte Neuville fest.

Auch Beifahrer Nicolas Gilsoul, der im Ziel über die knappe Entscheidung lachen konnte, unterstrich die positiven Aspekte. "Wir sind sehr froh, im Ziel zu sein. Wir haben wie Hölle gepusht", sagte er. "Ich weiß genau, wo wir die Zeit verloren haben: Das war zu Beginn der Rallye. Wir haben uns am ersten Tag gedreht und hatten auch am Samstag zwei kleine Fehler. Wir sind zum Schluss sehr gut gefahren, aber es war zu spät, um Platz zwei zu holen. Dani hat es diesmal verdient."

Sordo erklärte, er habe den Kampf mit Neuville und Mikkelsen genossen. "Ich bin sehr froh, diese Rallye auf der zweiten Position zu beenden", sagte er. "Die Autos haben über das Wochenende perfekt funktioniert, das sind auch gute Neuigkeiten."

Das starke Teamergebnis von Hyundai wurde durch Paddon auf Platz fünf abgerundet. Der Neuseeländer hatte auf dem ungeliebten Untergrund Asphalt viel zu lernen und mehrmals Glück, mit dem Schrecken davonzukommen. "Wir müssen noch an unserem Speed arbeiten, aber es ist dieses Wochenende ein großartiges Teamergebnis."

Mads Östberg, der sich auf Asphalt ebenfalls nicht so richtig zu Hause fühlt, musste mit Platz sechs Vorlieb nehmen. Den Finaltag nutzte er für ein paar Abstimmungsversuche an seinem Ford Fiesta RS WRC. Aufgrund des kleinen WRC-Felds in Deutschland und aufgrund von vier Ausfällen komplettierten mit Esapekka Lappi, Pontus Tidemand, Jan Kopecky und Armin Kremer vier Piloten in WRC2-Boliden die Top-10.

Zu den Pechvögeln zählte Ott Tänak, der am Samstag mit einem Schaden an der Lichtmaschine aufgeben musste und am Sonntag unter Rally2 auf Rang 23 fuhr. Eric Camilli erreichte nach einem Abflug am ersten Tag im Endergebnis nur Rang 50. Immerhin kam er jedoch im Gegensatz zu Landsmann Stephane Lefebvre mit dem Schrecken davon. Lefebvre und Beifahrer Gabin Moreau befinden sich nach ihrem schweren Unfall auf der Panzerplatte mit Knochenbrüchen und inneren Verletzungen im Krankenhaus.

Latvala schreibt Titel ab

Nur auf Platz 48, aber immerhin mit zwei Bonuspunkten von der Power Stage, beendete Jari-Matti Latvala eine Rallye Deutschland voller Dramen. Bereits auf der ersten Prüfung schied er mit einem Getriebedefekt aus. Was genau im Getriebe klemmte, wird Volkswagen erst nach der Rallye Frankreich erfahren, denn erst dann darf das FIA-Siegel gebrochen und das Getriebe geöffnet werden.

Kaum war Latvala am Samstag unter Rally2 gestartet, schien das Getriebe wieder zu streiken - glücklicherweise war das jedoch ein Irrtum Latvalas. "Ich war einfach verwirrt, weil ich am Freitag ein Problem hatte. Ich habe deswegen manchmal ein bisschen zu schnell geschaltet", gestand er Motorsport-Magazin.com.

Der erneute Rückschlag lässt den Finnen erkennen, dass es in der Fahrerwertung für ihn nicht mehr gut aussieht. Dass es auch dieses Jahr nicht mit dem Titel klappen wird, ist für den Finnen jedoch kein Grund, zu neuen Ufern aufzubrechen, etwa zu Toyota. "Ich werde nächstes Jahr für Volkswagen fahren", versicherte er.


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