Motorsport-Magzain.com Plus
WRC

Reifenflüsterer und Hinkelsteinumfahrer gesucht - Die Panzerplatte: Freund und Feind der Piloten

Was macht die Panzerplatte so besonders? Sie kann Spaß machen oder zum Albtraum werden - da sind sich die Piloten einig.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Am Samstag ist es wieder soweit - die Panzerplatte liegt vor den Piloten. Drei Sprints und zwei Marathonfahrten über eine 40 Kilometer lange Variante gilt es ohne Berührungen mit Hinkelsteinen und Reifenschäden zu überstehen. Keine leichte Aufgabe, selbst für erfahrene Piloten. Motorsport-Magazin.com hat sich im Service Park nach guten und schlechten Erinnerungen, Tücken und Freuden der legendären Panzerplatte umgehört.

Die Pneus würden nicht bis zum Ende der Prüfung halten.
Sebastien Ogier

Besonders gute Erinnerungen an seinen letzten Auftritt auf dem Truppenübungsplatz Baumholder hat Weltmeister Sebastien Ogier. Er konnte seinen Vorsprung auf Teamkollege Jari-Matti Latvala im vergangenen Jahr so weit ausbauen, dass ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen war. "Ich habe insgesamt ziemlich gute Erinnerungen an den Truppenübungsplatz, weiß aber auch, dass er sehr schwer sein kann, wenn es nass ist", meinte Ogier.

"Das Problem ist, dass die Oberfläche so rau ist, dass man kaum weiche Reifen oder den Regenreifen nutzen kann. Die Pneus würden nicht bis zum Ende der Prüfung halten", warnte er und zeigte die Konsequenzen auf: "Wir müssen wohl auch bei feuchten Bedingungen mit harten Reifen fahren und das macht nicht so viel Spaß."

Spaß hat der Volkswagen-Pilot vor allem im mittleren Abschnitt der Panzerplatte, wo er auf Asphalt statt Betonplatten pushen und über die Kuppe 'Gina' springen kann. "Dort besteht auch kein so großes Risiko für einen Reifenschaden. Das ist der beste Teil von Baumholder."

Auch Ott Tänak hat es die Sprungkuppe angetan. Allerdings nicht nur diese. "Ich mag die Herausforderung Panzerplatte im Allgemeinen. Sie ist immer schwierig, immer knifflig zu fahren. Wenn man die Herausforderung mag, ist das ein gutes Gefühl", erklärte der Este, der allerdings auch schon Bekanntschaft mit den Tücken der Prüfung machte. "Meine schlechteste Erinnerung ist sicherlich, einen Hinkelstein getroffen zu haben."

Das war nicht so lustig, das hat schon richtig gescheppert.
Armin Kremer

An die berühmt-berüchtigten Steine, die dazu dienen, die Panzer auf den Straßen zu halten, hat auch der deutsche WRC2-Pilot Armin Kremer unschöne Erinnerungen. 1998, auf dem Weg zu seinem zweiten Titel in der deutschen Rallyemeisterschaft, krachte es. "Das war nicht so lustig, das hat schon richtig gescheppert", erinnerte er sich. Mit dem Meistertitel klappte es dann aber doch noch.

"Die Panzerplatte ist schon sehr abgeschwächt im Vergleich zu dem, was wir früher gefahren sind", meinte er. "Es sind neue Teile dazugekommen, einige Bereiche wurden asphaltiert und dabei Wellen herausgenommen. Es ist immer noch eine Herausforderung - wobei man die ersten beiden Prüfungen am Samstag, Freisen-Westrich und Bosenberg, auch nicht unterschätzen darf."

Kremer schätzt die fahrerische Attraktivität der Prüfungen in den Weinbergen höher ein als die der Panzerplatte. "Es ist ein Militärgelände und das bleibt so." Etwas anderes soll für Kremer auch so bleiben: der Platz an der Spitze der WRC2. Der Routinier führt mit 28,4 Sekunden vor Esapekka Lappi.

An der Spitze des WRC-Feldes liegt Andreas Mikkelsen, mit einem Vorsprung von 4,3 Sekunden auf Ogier. Der Norweger hat beste Erinnerungen an das vergangene Jahr, als er Drittschnellster war. "Das war für mich auf der Panzerplatte wirklich gut", betonte er. "Die schlimmste Erfahrung war, als sie vor ein paar Jahren abgesagt wurde - denn ich mag sie wirklich gern."


Weitere Inhalte:
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video
Motorsport-Magzain.com Plus