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Absage droht - Schneemangel gefährdet Rallye Schweden

Die Rallye Schweden hat ein großes Problem: Es ist zu warm. Der Schnee und das Eis schmelzen. Aktuell ist eine normale Durchführung der Rallye in Gefahr.
von Marion Rott

Motorsport-Magazin.com - Die Rallye Schweden könnte 2016 ein Opfer der viel zu warmen Winterbedingungen in ganz Europa werden. Aktuell herrschen Plusgrade rund um Karlstad, wo am Donnerstag mit dem Shakedown die Rallye beginnen soll. Auf einigen Wertungsprüfungen sind Schnee - und vor allem Eis - derzeit Mangelware.Motorsport-Magazin.com erkundigte sich nach der aktuellen Lage beim Veranstalter, der kurze Zeit ein Statement veröffentlichte.

Die große Frage wird aber sein, ob die Straßen wieder gefrieren. Denn genau das muss passieren, damit wir das Event ausrichten können.
Johan Magnusson

"Laut Vorhersage sollen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gehen und sogar Schnee am Rallye-Wochenende fallen. Die große Frage wird aber sein, ob die Straßen wieder gefrieren. Denn genau das muss passieren, damit wir das Event ausrichten können", erklärte der Streckenmanager Johan Magnusson.

Statt einer wunderschönen Winterlandschaft mit verschneiten Wegen ist die Umgebung grün und grau. Teile der Wertungsprüfung Kirkenaer sind von großen Wasserflächen überzogen. Und Besserung ist nicht in Sicht. Aktuell ist das Wetter regnerisch und die Temperaturen fallen selbst nachts nicht unter 4 Grad. Damit schmilzt auch der letzte verbliebene Schnee und hinterlässt nichts als Schmelzwasser. "Für das Recce, das am Dienstag und Mittwoch geplant ist, sind Temperaturen über dem Gefrierpunkt angesagt. Es besteht das Risiko, dass die Straßen dabei zerstört werden", so Magnusson.

Droht die Absage?

Die Wetterlage und die Bedingungen auf den Wertungsprüfungen werden durch die Organisatoren aktuell streng im Auge behalten. "Es ist beängstigend, wie schnell sich das Wetter und die Vorhersage ändern können", sagte Glenn Olsson, der CEO der Rallye Schweden. Während die Prognosen am vergangenen Freitag noch positiv stimmten, sieht die Situation nun anders aus.

Wenn wir eine Stecke als gefährlich einstufen, können wir sie nicht befahren.
Rallyeleiter Rune Kjernsli

Das Organisations-Team besichtigte in den vergangenen Tagen die einzelnen Prüfungen, um alle Entwicklungen zu verfolgen. Im schlimmsten Fall muss aus Sicherheitsgründen eine Entscheidung gegen die Rallye, oder zumindest gegen einige der Prüfungen getroffen werden. "Zuallererst entscheidet die Sicherheit der Teilnehmer und der Zuschauer, ob eine Prüfung gefahren wird oder nicht", erklärt Rallyeleiter Rune Kjernsli. "Wenn wir eine Stecke als gefährlich einstufen, können wir sie nicht befahren."

Schweden in trauriger Gesellschaft

Die Absage der Rallye Schweden wäre 2016 kein Einzelfall. Am ersten Februarwochenende war der Auftakt der Rallye-EM in Lettland geplant. Am 29. Januar mussten die Veranstalter die Rally Liepaja allerdings aufgrund der zu warmen Bedingungen absagen.

Hier stand ebenfalls die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer an erster Stelle. Bei vollkommen ausgefahrenen und zerstörten Strecken hätte nicht mehr garantiert werden können, dass ein Rettungsteam schnell genug an einen Unfallort kommt.

Zudem wäre eine Durchführung der Rallye Liepaja aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht kaum denkbar gewesen. Die Strecken einer Rallye werden außerhalb der Veranstaltung größtenteils für den öffentlichen Verkehr genutzt. Die Autos hätten diese allerdings teils so stark beschädigt, dass enorme Reparaturmaßnahmen nötig geworden wären.

Auch die WRC in Schweden stand in der Vergangenheit bereits auf der Kippe. 2005 drohte die Absage aufgrund von Schneemangel. Damals begann es allerdings zwei Wochen vor dem Event zu schneien und die Organisatoren konnten Entwarnung geben.

Lösungsversuche

Bereits oft in der Geschichte der WRC spielte das Wetter verrückt und ließ Wertungsprüfungen nicht wie geplant stattfinden. Erst 2015 auf Korsika mussten einige WP's ersatzlos gestrichen werden. Diese Option könnte auch in Schweden zum Tragen kommen, um das Events trotz der warmen Temperaturen sicher durchführen zu können.


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