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Glücksspiel, Poker und Schach-Vergleiche - Vorschau Rallye Monte Carlo

Die traditionsreiche Rallye Monte Carlo bildet den Auftakt in die WRC-Saison 2016. Die Piloten erwarten schwierige Bedingungen und knifflige Entscheidungen.
von Marion Rott & Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Nur knappe 70 Tage nachdem in Wales die Zielflagge fiel, startet die Rallye-WM in Monte Carlo bereits wieder in die neue Saison. Vom 21. bis zum 24. Januar 2016 trifft sich die Weltelite des Rallye-Sports zum ersten Schlagabtausch im Fürstentum. Eine besondere Rallye, denn keine Veranstaltung im Kalender ist älter und spezieller.

Bei der 84. Ausgabe der sogenannten 'Monte' gibt es erneut einen zweigeteilten Service Park. Bis zum Samstagmittag ist er in Gap - dem Heimatort von Weltmeister Sebastien Ogier - stationiert, danach reist der Tross nach Monte Carlo, wo im Hafen der zweite Service Park aufgebaut wird.

Vor dem Casino von Monte Carlo wird die Rallye feierlich eröffnet - Foto: Sutton

Bereits zur Eröffnungsfeier am Donnerstagabend rückt Monte Carlo in den Fokus, denn die Präsentation der Autos findet vor dem berühmten Casino statt. Von dort aus starten die Piloten sofort in die ersten beiden Prüfungen, die bei Nacht bestritten werden und in die französischen Seealpen und damit in das "Hinterland" des Fürstentums zurückführen. Die Prüfung Barles-Seyne wird dabei in umgekehrter Richtung zum Vorjahr gefahren.

Am Freitag absolvieren die Piloten nördlich von Gap drei Prüfungen, die jeweils zwei Mal gefahren werden. Am Samstag steht knapp die Hälfte aller Wertungskilometer der Rallye Monte Carlo auf dem Programm mit Klassikern wie Sisteron-Thoard. Am Abschlusstag ist eine neue Version des berühmten Col de Turini zwischen zwei Durchfahrten von Col de l'Orme-St. Laurent eingebettet. An jedem der drei Tage steht eine neue Prüfung auf dem Programm, womit der Klassiker seine Wandelbarkeit zeigt. Insgesamt bestreiten die Piloten 377,59 Kilometer, die sich auf 16 Wertungsprüfungen verteilen.

Eisspione und Wetterexperten im Fokus

Wie in jedem Jahr stellt das Wetter die größte Herausforderung dar. Die Asphaltstraßen können trocken, feucht, vereist oder mit Schnee bedeckt sein - teilweise alles auf nur einer Prüfung. Die Piloten müssen bei der Reifenwahl auf die Informationen der Eisspione und der Wetterexperten vertrauen, da sich die Bedingungen in den Bergen meist deutlich von denen im tiefer gelegenen Service Park unterscheiden. Insgesamt darf sich ein Fahrer 39 Reifen vier verschiedener Spezifikationen aussuchen. Zur Auswahl stehen weiche und superweiche Pneus sowie Winterreifen mit und ohne Spikes.

Die Reifen spielen eine zentrale Rolle - Foto: Sutton

Angesichts dieser Herausforderungen fallen im Zusammenhang mit der Rallye Monte Carlo oftmals die Worte Glücksspiel, Poker und Schach. "Die Rallye Monte Carlo ist häufig genau das, wofür Monaco ohnehin steht: ein Glücksspiel", meint etwa Volkswagen Motorsport-Direktor Jost Capito. "Das wechselhafte Wetter macht die Reifenwahl zum Poker." Hyundai-Pilot Hayden Paddon, der seine erste 'Monte' bestreitet, findet: "Es ist fast wie ein Schachspiel, was ein Genuss sein wird."

Kris Meeke bringt auf den Punkt, warum die Piloten die Rallye gleichzeitig lieben und hassen: "Instinktiv ist es eine Rallye, die ich liebe, denn sie fasst all die Aufregung des Starts in eine neue Saison zusammen. Aber wenn man in den Service Park kommt, und eine Reifenwahl treffen muss, die unweigerlich eine Art von Kompromiss beinhalten wird, dann kann sich die Liebe manchmal in Hass verwandeln!"

Tripel für Ogier?

Feiert Volkswagen den nächsten Dreifacherfolg? - Foto: Volkswagen Motorsport

Als Experte für Mischbedingungen gilt Weltmeister Sebastien Ogier. Er visiert in seiner Heimat den dritten Sieg in Folge an. Konkurrenz erhält er nicht nur von seinen Teamkollegen Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen, sondern auch von Thierry Neuville und Dani Sordo im neuen Hyundai i20 WRC. Hayden Paddon wird einen i20 WRC aus dem Vorjahr pilotieren. Während Citroen im vergangenen Jahr mit dem Gaststart von Sebastien Loeb Schlagzeilen machte, ist der Hersteller 2016 nicht mehr werksseitig vertreten. Kris Meeke und Stephane Lefebvre starten in den Citroen DS3 WRC des privaten Abu Dhabi World Rally Teams. Neu in der Starterliste ist auch das DMACK World Rally Team mit Ott Tänak in einem Ford Fiesta RS WRC.

Mit dem neuen M-Sport-Duo Mads Östberg und Eric Camilli sowie den Privatiers Robert Kubica (Ford), Lorenzo Bertelli (Ford), Bryan Bouffier (Ford) und Felice Re (Citroen) geht bei der Rallye Monte Carlo ein Feld von 15 Crews in WRC-Boliden an den Start.


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