WEC - Das macht Lust auf mehr

Saisonbilanz: Porsche

Die LMP1-Hersteller lieferten sich 2014 einen heißen Wettbewerb. Motorsport-Magazin.com blickt auf ihre Leistungen zurück. Heute: Porsche.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Wenn man nach den reinen Zahlen ginge, müsste man wohl festhalten: Die Saison ist für Porsche so gelaufen wie es im Vorfeld immer wieder realistisch angekündigt wurde. Platz drei von drei Herstellern in der Marken-WM, Doppelausfall in Le Mans, vier Nullrunden. Doch die Zahlen tun Porsche Unrecht: An diese Saison werden sich Fritz Enzinger, Alexander Hitzinger und Wolfgang Hatz wohl gerne zurückerinnern. Das Debüt ist geglückt, die Boliden waren auf einem Niveau mit der Konkurrenz, gleich im ersten Rennen gab es einen Podiumsplatz, und im letzten Rennen gelang der erste Sieg. Vor allem die Tendenz dürfte Lust auf mehr in 2015 machen.

Porsche scheute keine Kosten und Mühen: Der 919 Hybrid gilt als der radikalste LMP1. Mit einem Downsizing-Turbomotor und zwei Hybridsystemen folgte Porsche dem aktuellen Zeitgeist, so mancher Fan beklagte sich über das doch sehr leise V4-Aggregat. Aber effizient ist es: Regelmäßig gelang Porsche die höchste Reichweite, obwohl Toyota in derselben Hybridklasse startete. Und von allen LMP1-Boliden wird dem 919 das größte Entwicklungspotenzial bescheinigt.

Technikteufel: In Le Mans musste Porsche Lehrgeld zahlen - Foto: Speedpictures

Von Anfang an bei der Musik dabei

Zu Beginn der Saison kämpfte Porsche wie erwartet mit der Zuverlässigkeit des hochkomplexen Boliden, doch das Potenzial war ab dem ersten Rennen da: Die Pole Position in Spa-Francorchamps kam äußerst überraschend, und in der Anfangsphase lag Marc Lieb sogar in Führung. Damit hatten selbst die Optimisten im neu formierten Porsche Team nicht gerechnet. Am Ende der ersten Rennstunde in Belgien hatte Porsche bereits eine Pole Position, einen Podiumsplatz in Silverstone und mehrere Führungsrunden erzielt.

Porsche hätte schon viel früher als in Brasilien den ersten Saisonsieg holen können. Doch die Technik wollte noch nicht so richtig. Erst Elektronikprobleme in Spa, dann der bittere Doppelausfall in Le Mans. In Austin lag Porsche erneut im Kampf gegen Audi auf Siegkurs, bevor ein Problem mit dem Ladeluftkühler für einen hohen Leistungsverlust sorgte. Die technischen Schwierigkeiten waren aber einkalkuliert und auch angekündigt. Wichtig war für Porsche, dass sie gegen Ende der Saison deutlich weniger wurden. In Bahrain gab es erstmals ein Doppelpodium, das Sahnehäubchen folgte in Brasilien, wenn auch überschattet durch den Unfall von Mark Webber.

Beim Saisonfinale wurden die Mühen der Saison mit dem ersten Sieg belohnt - Foto: Andre Lemes

Die Zukunft sieht rosig aus

Wenn Porsche seine volle Hybridleistung abrufen konnte, dann war der 919 Hybrid bereits mit dem Toyota TS040 Hybrid auf einem Niveau. Das zeigte sich immer wieder in unglaublich spannenden Qualifying-Sitzungen. Im Rennen hingegen litt Porsche unter der Tatsache, dass nicht jede Runde die volle Leistung des Batteriesystems zur Verfügung stand, und so musste man Toyota regelmäßig über die Distanz ziehen lassen. Doch in Brasilien kam die Streckencharakteristik in Kombination mit der Höhenluft dem Porsche so sehr entgegen, dass beide Fahrzeuge erstmals auch im Rennen Toyota Konkurrenz machen konnten. Letztlich hat vermutlich Webbers Crash sogar dem Schwesterfahrzeug den Sieg erst ermöglicht.

Eine erfolgreiche Saison liegt also hinter dem Porsche Team, und für 2015 wird nochmals aufgerüstet: Zwei, in Le Mans sogar drei komplett neu aufgebaute, stark modifizierte Fahrzeuge werden zum Einsatz kommen, möglicherweise wird die LMP1-Kategorie bis acht Megajoule Energierückgewinnung gewechselt. Ein signifikanter Performance-Sprung ist zu erwarten, und 2015 dürften die Boliden endgültig zuverlässig werden. Nicht wenige trauen Porsche bereits im kommenden Jahr den Le-Mans-Sieg und den Titelgewinn zu.


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