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VLN contra DMSB: Weiter Uneinigkeit wegen Code-60-Phasen

Die Vorkommnisse beim 4. VLN-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife schlagen weiter hohe Wogen. Das antwortet der DMSB auf die Kritik der VLN.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Die Vorkommnisse beim vierten Rennen der VLN-Langstreckenmeisterschaft Anfang Juli ziehen sich bis zum Saisonhighlight an diesem Wochenende durch. Vor dem 6-Stunden-Rennen am Samstag (ab 12:00 Uhr im Live-Stream auf Motorsport-Magazin.com) herrscht Uneinigkeit zwischen dem Veranstalter und dem Deutschen Motor Sport Bund DMSB.

Beim vorangegangenen Rennen kam es kurz vor Ende der ersten Rennhälfte zu einer unübersichtlichen Situation auf der Döttinger Höhe. Dabei bildete sich ein Pulk von knapp 30 Fahrzeugen, in dem einige Fahrzeuge das Überhol-Verbot missachteten.

Vier Fahrer wurden nachträglich wegen Verstößen gegen das "Überholverbot bei Gelber Flagge" mit je einer Stop-and-Go-Strafe belegt, die – weil erst nach dem Rennen – jeweils als Zeitersatzstrafe in Höhe von 35 Sekunden ausgesprochen wurde. Dabei handelte es sich um den Gesamtsieger Lance David Arnold (Frikadelli Racing) sowie Florian Quante (Manheller Racing), Rahel Frey (Raceing - powered by HFG) und Fabio Grosse (Teichmann Racing).

Die Code-60-Phasen auf der Nürburgring-Nordschleife sorgten im Nachgang für rege Diskussionen. "Wir haben nach VLN4 wieder einmal festgestellt, dass die Auflösung einer Code-60-Phase zu dieser Staubildung im Schwalbenschwanz und auf der Döttinger Höhe geführt hat", sagt Michael Bork, Sportleiter und Renndirektor der VLN. "Es ist sehr wichtig, aus solchen Situationen Learnings zu erzielen, damit das eben nicht noch einmal vorkommt. Aus diesem Grund sind wir mit unseren Anregungen erneut an den DMSB-Sportausschuss herangetreten. Leider ohne Erfolg."

Von der VLN angestrebte Regeländerungen hinsichtlich des Prozedere bei Code-60-Phasen seien abgelehnt worden. Änderungen der Flaggensignale seien vom DMSB in der laufenden Saison nicht gewünscht gewesen.

"Die VLN ist der Überzeugung, dass die Änderungen durchaus durchführbar wären", sagt Bork. "Aus diesem Grund haben wir im zweiten Schritt versucht, über ein VLN-Bulletin eine individuelle Regeländerung ausschließlich für unsere Rennen zu erwirken. Auch hier gab es leider keine Zustimmung des DMSB."

Vorwürfe, die der DMSB nicht auf sich sitzen lassen will. Die Änderung des Reglements sei während einer laufenden Saison weniger einfach, als sich das mancher Beteiligter vorstelle. Würde die Flaggenregelung auf der Nordschleife geändert, müsste das E-Learning entsprechend angepasst werden und alle teilnehmenden Fahrer müssten es noch einmal durchlaufen.

Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com ergänzte DMSB-Pressesprecher Michael Kramp: "Daher bleiben die Regeln erst einmal wie sie sind, zumal auch die Vorschläge, die im Rennsport-Ausschuss gemacht wurden, nicht eindeutig waren. So haben etwa verschiedene Fahrer durchaus abweichende Meinungen von den Vorschlägen, die von offizieller Seite der VLN kamen."

Von dem Vorschlag, die Flaggenregeln nur für die Rennen der VLN-Meisterschaft abzuändern, sah der DMSB ab. Argument: "Eine Regelung per Bulletin nur für die VLN halten wir nicht für zielführend, da Sportwarte und auch Fahrer und Teams teilweise auch in anderen Serien auf der Nordschleife unterwegs sind und dort dann andere Regeln gelten würden. Wenn man schon die Bedeutung der Flaggensignale ändert und damit sehr stark in das Regelwerk eingreift, dann muss dies wenigstens für alle Veranstaltungen auf der Nordschleife gelten."

Bork kündigte an, die Besatzungen der Einsatzfahrzeuge noch intensiver für vergleichbare Situation wie beim 4. VLN-Lauf zu schulen und sie weiter für diese Problematik zu sensibilisieren - in der Hoffnung, dass sich ein solcher Zwischenfall nicht wiederhole.

Der DMSB dazu: "Der von Michael Bork gemachte Vorschlag sollte nicht am Ende des Verfahrens stehen, sondern am Anfang: Wenn die Fahrer der Schleppverbände so geschult werden, dass sie bei auf sie auflaufenden Fahrzeugen das Tempo unter 60 km/h reduzieren, können die nachfolgenden Teilnehmer problemlos überholen. Eine Änderung des Reglements ist dann in diesem Punkt gar nicht nötig." Nur ein Reglement, das möglichst dauerhaft und konsistent angewendet würde, könne die Akzeptanz der Aktiven finden und damit etwaige Unsicherheiten minimieren.


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