Max, es war und ist irgendwie die Sensation der Wechsel-Saison der diesjährigen Superbike WM. Du fährst 2010 für Ten Kate und auf Honda. Was empfindest du jetzt?
Max Neukirchner: Ich bin froh dass jetzt Klarheit über meine Zukunft herrscht und freue mich auf die nächste Saison bei Ten Kate Honda.
Wie kam es denn eigentlich dazu? Im Allgemeinen galt es ja als sicher, dass Du nächstes Jahr bei Alstare Suzuki bleibst und dass Du Dich in diesem Team wohlfühlst und alle nur darauf warten, dass du zurück kommst?
Max Neukirchner: Das ist eine sehr lange Geschichte über die ich nicht mehr sprechen möchte. Ich schaue positiv in die Zukunft und wünsche Alstare für die Zukunft alles Gute.

An Honda dürftest du gemischte Erinnerungen haben. Zum Einen gleich dein erstes Superbike WM-Podium 2005 im ersten Jahr auf Honda im Team Klaffenböck, zum Anderen die "Ausbootung" in jener Mannschaft durch die Verpflichtung von Alex Barros im Jahr darauf. Wie stehst du da heute, mit einigen Jahren Abstand, dazu?
Max Neukirchner: Ich habe sehr gute Erinnerungen an Honda. Das Bike ließ sich sehr gut fahren. Bei meinem zweiten Renneinsatz konnte ich gleich aufs Podium fahren, was damals eine Sensation war. Die Geschichte mit Alex Barros lief etwas unglücklich. Hätte mein damaliges Management etwas Ruhe bewahrt, wäre es sicher auch anders ausgegangen.
Du hattest auch Angebote aus der Moto2. Warum hast du dich gegen diese neue Klasse entschieden? Wie siehst du die Entwicklung derzeit im Grand Prix und bei den WSBKs?
Max Neukirchner: Nach langen Überlegungen sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass die Moto2 sicher eine spektakuläre Klasse wird, aber im ersten Jahr ihres Bestehens einem Roulette-Spiel gleichkommt. Es sind vier verschiedene Teams auf mich zugekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Es ist toll, dass meine sportlichen Leistungen auch in der MotoGP anerkannt werden. Im Grand Prix genau wie in der WSBK haben die Teams mit finanziellen Problemen zu kämpfen, die Weltwirtschaftskrise geht auch am Motorsport nicht vorbei. Ich fühle mich in der Superbike Weltmeisterschaft sehr wohl und durch die Zugänge von BMW und Aprilia in diesem Jahr ist es noch spannender geworden. Die SBK bietet Motorsport auf allerhöchstem Niveau mit allen wichtigen Herstellern. Die MotoGP ist derzeit sicherlich besser vermarktet, aber an der Verbesserung arbeitet Infront fieberhaft.
Die wohl wichtigste Frage im Moment: Wie geht es Dir? Was macht die Gesundheit, die Reha und das Training?
Max Neukirchner: Die Reha ist bereits abgeschlossen und sehr gut verlaufen. Ich trainiere 5-mal die Woche sechs Stunden täglich. Zusätzlich gehe ich noch drei Mal die Woche 2,5km schwimmen. Der Rücken macht keinerlei Probleme mehr. Das einzige, was manchmal noch ein wenig zwickt, ist der Fuß morgens nach dem Aufstehen. Ansonsten fühle ich mich absolut fit.
Wie hast du das Geschehene verarbeitet?
Max Neukirchner: Den Monza-Crash habe ich mehrfach im Internet gesehen und weiß, dass mich absolut keine Schuld trifft. Bei dem Sturz von Imola ist es nicht ganz so einfach, weil es nach wie vor unklar ist, wie es dazu kommen konnte. Ich vermute, dass ich aufgrund einer Verunreinigung der Strecke zu Sturz kam. Ich denke, dass ich ein paar Runden auf dem Bike brauche, um wieder zu meiner Höchstleistung zu kommen, aber ich sehe positiv in die Zukunft.

Das Finale in Portimao steht an. Sicher siehst du es mit einem weinenden Auge, dass du nicht teilnehmen kannst, und mit einem lachenden, weil du anschließend wieder fahren und testen darfst?
Max Neukirchner: Ich hatte mich mit meinen Ärzten darauf geeinigt, dieses Jahr keine Rennen mehr zu fahren. Dabei bleibt es, auch wenn es aus ärztlicher Sicht keine Einwände mehr gäbe. Die Saison 2009 ist für mich abgeschlossen. Ich freue mich sehr, am Dienstag nach dem letzen Rennen in Portimao erstmalig wieder auf einem Motorrad zu sitzen. Ich werde es aber ruhig angehen lassen und nichts überstürzen.
Nachdem die letzten Läufe anstehen: Wer glaubst du macht es dieses Jahr? Nori Haga oder Ben Spies, Cal Crutchlow oder Eugene Laverty?
Max Neukirchner: Ich würde es sowohl Nori als auch Ben gönnen. Nori ist schon lange dabei, hat viel Erfahrung und hätte es auch verdient. Ben hat uns alle mit seiner Entschlossenheit überrascht. Ich wünsche ihm, egal wie es ausgeht, alles Gute in der MotoGP. Bei den Supersportlern würde ich mich sehr über einen WM-Titel von Cal Crutchlow freuen, auch wenn ich weiß, dass er nächstes Jahr zu einem meiner schärfsten Konkurrenten wird. Ich bin gut mit ihm befreundet und er war das ganze Jahr über eine Klasse für sich.

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