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Superbike WSBK

Giugliano fällt nach Sturz aus - Phillip Island Test: Rundenrekord durch Lowes

Alex Lowes präsentiert sich bei den Testfahrten in Australien in Bestform: Der Suzuki-Pilot fuhr zweimal Bestzeit und führt eine britische Armada an.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Englische Woche in der Superbike-WM, und das gleich im doppelten Sinne: Während den Teams bis zum Saisonauftakt auf Philip Island nur zwei Tage Zeit zum Verschnaufen bis zum Saisonstart bleiben, fanden an gleicher Stelle am Montag und Dienstag die offiziellen Testfahrten an gleicher Stelle statt. Und es waren die Briten, die auftrumpften: Mit Alex Lowes, Jonathan Rea, Tom Sykes, Leon Haslam und Chaz Davis fanden sich gleich fünf Insulaner unter den besten sechs, lediglich der Spanier Jordi Torres konnte als Dritter in die Phalanx einbrechen. Lowes war an beiden Tagen Schnellster, doch die Konkurrenz ist dicht dran.

Die schlechte Nachricht zuerst: Davide Giugliano stürzte bereits am Montag schwer und fällt für den Saisonauftakt aus. Andere Fahrer kamen bei ihren Unfällen mit ein paar blauen Flecken davon, darunter insbesondere Weltmeister Sylvain Guintoli. Auch Randy de Puniet, Tom Sykes, Jordi Torres und Sylvain Barrier hatten mehr oder weniger schwere Stürze, kamen aber mit dem Schrecken davon. Unklar ist noch der Gesundheitszustand von Leandro Mercado.

Bärenstark: Jordi Torres war Drittschnellster - Foto: Aprilia

Einen perfekten Test lieferte Alex Lowes ab: Der Suzuki-Pilot fuhr an beiden Testtagen Bestzeit und verbesserte am Dienstag den Rundenrekord auf 1:30.859 Minuten - 70 Tausendstel schneller als die bisherige Bestmarke. Doch die Abstände waren extrem eng: Jonathan Rea fuhr auf der Kawasaki ebenfalls schneller als die alte Bestmarke und kam in 1:30.880 Minuten auf die zweite Position. Jordi Torres hatte auf seiner Aprilia als Dritter 0,112 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit, dahinter klassierte sich das britische Trio Sykes, Haslam und Davis. Alle sechs Piloten lagen innerhalb einer halben Sekunde, die ersten fünf sogar innerhalb einer Viertelsekunde.

Mit der Bestzeit geht Lowes auch als Favorit in die beiden Rennen am Sonntag. Suzuki hat hier einen Titel zu verteidigen, schließlich gelang Eugene Laverty im ersten Rennen 2014 der Sieg. Das zweite Rennen entschied damals Sylvain Guintoli für sich, doch der amtierende Weltmeister wird dieses Jahr kleinere Brötchen backen müssen: Nach seinem heftigen Sturz in Jerez ist er noch nicht wieder ganz in Fahrt, sein deutlich harmloserer Ausrutscher gegen Ende des Tests half dabei auch nicht. Sehr stark präsentierten sich die spanischen Rookies Torres und Nico Terol.

Kumuliertes Ergebnis des WSBK-Tests

1.Alex Lowes, Crescent Suzuki GSX-R 1000 1:30.859 Minuten
2. Jonathan Rea, Kawasaki ZX-10R +0,021
3. Jordi Torres, Aprilia GSV4 RF +0,112
4. Tom Sykes, Kawasaki ZX-10R +0,216
5. Leon Haslam, Aprilia RSV4 RF +0,243
6. Chaz Davis, Aruba.it Ducati Panigale R +0,437
7. David Salom, Pedercini Kawasaki ZX-10R +0,651
8. Nicolas Terol, Althea Ducati Panigale R +0,734
9. Michael van der Mark, Pata Honda CBR1000RR SP +0,995
10. Davide Giugliano, Aruba.it Ducati Panigale R +1,089

Randy de Puniet ist nach einem Sturz am Montag schwer angeschlagen - Foto: Suzuki

So lief es für die Teams im Einzelnen

Crescent Suzuki: Alex Lowes hatte einen traumhaften Start down under. An beiden Tagen fuhr der BSB-Champion von 2013 die Bestzeit, am Montag in 1:31.332 Minuten, am Dienstag mit neuem Rundenrekord. "Die GSX-R 1000 ist jetzt ziemlich gut" lobt er sein Arbeitsgerät. Die größte Verbesserung jedoch käme von ihm selbst, fügt er hinzu "Wir haben ein detailliertes Programm abgespult, letztlich haben wir alles geschafft was wir wollten. Ich habe eine Renndistanz simuliert, in die ich viel hineingesteckt habe."

Die GSX-R 1000 ist jetzt ziemlich gut.
Alex Lowes

Randy de Puniet hingegen hatte einen weniger produktiven Test. Nach seinem Sturz am Montag konnte er nur unter großen Schwierigkeiten am Dienstag antreten: "Die gute Nachricht ist, dass nichts gebrochen ist, aber mein Nacken ist angeschwollen", klagt der seit Sonntag 34-Jährige, der sich kein schönes Geburtstagsgeschenk machte. Ganze 15 Runden konnte er am zweiten Tag abspulen. "Es war einfach zu schmerzhaft", gibt er zu. Jetzt liegt es am medizinischen Personal, ihn bis Freitag wieder einsatzfähig zu machen.

Kawasaki Racing Team: Den Fleißpreis holte sich Jonathan Rea ab, der insgesamt 139 Runden (6,5 Renndistanzen) auf seiner Ninja ZX-10R abspulte. Zweimal war er knapp hinter Lowes erster Verfolger. Die ergiebige Ausbeute stimmt ihn zuversichtlich: "Ich konnte einen Longrun abspulen und die Zeiten im 1:31er-Bereich halten. Ich weiß nicht, wie konkurrenzfähig das sein wird, aber es ist immerhin ein Anfang. Das ist definitiv die beste Ausgangsposition, die wir jemals zu Beginn einer Saison hatten."

Das ist definitiv die beste Ausgangsposition, die wir jemals zu Beginn einer Saison hatten.
Jonathan Rea

Tom Sykes hatte Glück im Unglück, rätselt aber noch über seinen Crash: "Es war sehr merkwürdig. Als ich in die letzte Kurve eingebogen bin, habe ich mich gut gefühlt, aber dann ist das Heck einfach weggerutscht. Ich habe versucht, das abzufangen, aber als ich das versucht habe, hat mich das Bike einfach mit einem Highsider runtergeworfen." Letztlich verlor der Ex-Weltmeister aber nur 20 Minuten und sprang auf seine Ersatz-Ninja. "Phillip Island ist nicht meine Strecke, deshalb ist es vielversprechend, dass ich über eine Renndistanz gut ausgesehen habe", gibt er sich vorsichtig optimistisch.

Aprilia Racing Team: Lässiger geht es kaum: Leon Haslam fuhr mit einer Viertelsekunde Rückstand auf Alex Lowes die viertbeste Zeit, ohne nach eigenen Angaben wirklich ans Limit gegangen zu sein. Der 31-Jährige macht einen enorm selbstsicheren Eindruck. "Wir haben noch die Sessions am Freitag und Samstag, die es uns erlauben werden, einige Aspekte des Setups und der Elektronik weiter zu verbessern", kündigt er an. Da scheint jemand einen Plan zu haben...

Noch keine WM-Form: Sylvain Guintoli leidet noch unter den Folgen seines Sturzes aus Jerez - Foto: Honda

...der womöglich vom eigenen Teamkollegen durchkreuzt werden könnte. Jordi Torres zeigte eine famose Leistung und fuhr als Rookie die drittschnellste Zeit des gesamten Tests. Umgewöhnungsschwierigkeiten von der Moto2-Suter auf die WSBK-Aprilia? Fehlanzeige. Und der 27-jährige Spanier ist noch nicht fertig: "Ich bin zufrieden, aber es gibt noch so viele Aspekte, in denen ich mich verbessern kann, wie etwa auf der Bremse oder beim Fahrstil, den dieses Motorrad verlangt." Der Sturz setzte dem Lernprozess ein vorzeitiges Ende: "Schade, dass wir die Tests vorzeitig beenden mussten, weil es noch immer so viele wichtige Dinge auszuprobieren gilt." Er verletzte sich leicht am Finger, einen Einfluss auf seine Rennperformance am Sonntag soll das jedoch nicht haben.

Aruba.it Racing: Während das Team fürs Erste auf Davide Giugliano verzichten muss, machte Chaz Davies das Beste aus seinem neuen Motorrad und beeindruckte insbesondere mit guten Topspeeds - die bisherige Achilles-Ferse der Panigale. "Wir haben heute einige Schritte in die richtige Richtung gemacht", resümiert der Waliser, der erstmals in seiner WSBK-Karriere dasselbe Motorrad wie in der Vorsaison steuern wird, nachdem er seine Zeit vom Montag um über eine Sekunde verbessert hat. "Ich habe das Gefühl wiedergewonnen, das mir gestern gefehlt hatte." Insgesamt habe ihm der Test Klarheit darüber verschafft, was funktioniert und was nicht.

Ich mag das Motorrad.
Nico Terol über die Panigale

Althea Racing: Nico Terol gibt zu, dass es noch "Raum für Verbesserungen" gibt, doch das sei ein gutes Zeichen. Insgesamt zeigte sich der Neuling zufrieden: "Wir haben einen guten Job gemacht und unsere Pace ist gut; sie liegt innerhalb unserer Erwartungen. Am Freitag und Samstag werde ich mich darauf konzentrieren, meine Zeiten zu verbessern." Der Umstieg aus der Moto2 auf die Ducati Panigale bereitete dem ehemaligen 125er-Weltmeister kaum Schwierigkeiten: "Ich mag das Motorrad."

Matteo Baiocco, der nach Jahren der Teilzeit-Engagements nun erstmals seit 2010 eine volle Saison in Angriff nimmt, musste sich zunächst mit der Strecke anfreunden: "Das waren zwei wichtige Tage für mich, weil ich über mehrere Jahre nicht hier gewesen bin und es eine anspruchsvolle Strecke ist, auf der ich immer meine Schwierigkeiten hatte. Mein Ziel ist es, innerhalb der Top-10 in den Rennen anzukommen."

Tom Sykes rätselt über einen bizarren Sturz - Foto: Kawasaki

Pata Honda: Nach seinem verhängnisvollen Sturz in Jerez fiel Sylvain Guintoli in Australien gleich wieder auf die Nase. Er nimmt den deutlich sanfteren Crash gelassen: "In gewisser Hinsicht war das gut, denn es hat mich wieder aufgeweckt!" Die fehlende Zeit aus Jerez macht sich aber bemerkbar: Mehr als Platz zwölf war in der Endabrechnung nicht drin. "Ich habe dort einige gute Bedingungen verpasst und musste erst mein Selbstvertrauen nach dem heftigen Sturz wieder aufbauen." Dennoch wird es zu Beginn der Saison wohl eher um Schadensbegrenzung gehen.

Supersport-Weltmeister Michael van der Mark freundete sich weiter mit seiner neuen CBR1000RR Fireblade an und kam unter die Top-10. "Die meiste Zeit ging es für mich darum, Runden abzuspulen", resümiert der Niederländer. "Jede Runde habe ich mich dabei verbessert. Es ist nicht einfach - alle hier sind richtig schnell und ich lerne noch, aber so läuft es eben." Nach vielen Experimenten beim Setup fühlt er sich nun bereit für sein erstes WSBK-Rennen.

Der Zeitplan fürs Wochenende

Freitag, 20. Februar
01:45-02:30 Uhr: 1. Freies Training
03:45-14:30 Uhr: 2. Freies Training

Samstag, 21. Februar
23:45-00:30 Uhr: 3. Freies Training
02:30-03:00 Uhr: 4. Freies Training
05:00-05:15 Uhr: Superpole 1
05:25-05:40 Uhr: Superpole 2

Sonntag
23:20-23:35 Uhr (Samstag deutscher Zeit): Warm Up
02:00 Uhr: Start Rennen 1
04:40 Uhr: Start Rennen 2


Tissot
nach 16 von 16 Rennen