Superbike WSBK / Analyse

Von Wetterkapriolen zu technischen und geistigen Ausfällen - Portimao sorgt für Spannung

Portugal belegte: Der Grat zwischen Gewinnen und Verlieren ist sehr schmal. Motorsport-Magazin.com betrachtet die Tops und Flops des sechsten Rennwochenendes.
von Maria Pohlmann

Motorsport-Magazin.com - Unberechenbar, dieser Atlantik. Anstatt einem angenehm warmen Wochenende am portugiesischen Strand, gab es für alle Racing-Fans drei kühle, wechselhafte Tage an der Rennstrecke an der Algarve. Aber wer will schon am Wasser rumliegen, wenn er beste Rennaction sehen kann? Wer die Wahl hat, dem steht eben auch die Qual zu und so entschieden sich viele für den Strand. Denn die Besucherzahlen in Portimao ließen zu wünschen übrig - zumindest am Freitag und am Samstag. Das muss aber nicht unbedingt dem Wetter zugeschrieben werden, sondern könnte auch daran liegen, dass man die Rennstrecke in einer wunderschönen Landschaft verborgen kaum findet. Dass es auf den Landstraßen rundherum keinerlei Beschilderung gibt, ist nicht gerade hilfreich.

Dennoch: Wer nicht da war, der hat definitiv etwas verpasst. Besonders dank technischer Ausfälle entwickelte sich das sechste Rennwochenende der Saison zum Spannungsknüller. Die einen Favoriten schieden im ersten Lauf aus, andere im zweiten und so bildete das Portugal-Wochenende einen idealen Ausgleich und führte auf den Weg zu einem noch aufregenderem WM-Kampf, der sich unter Garantie bis zum letzten Rennwochenende in Indien fortsetzt - sofern dieses am Ende stattfindet. Nutznießer des Ganzen war Sylvain Guintoli, der vom Pech der anderen insoweit profitierte, dass er seine WM-Führung weiter ausbauen konnte.

Pechvogel des Wochenendes

Das Pech des Einen ist oft das Glück des Anderen. Doch wie nennt man das, wenn mehrere Favoriten abwechselnd Pech haben? Schicksal vielleicht, oder glückliche Wendung was die Spannung im WM-Kampf angeht. Jonathan Rea erntet den ersten Pechvogel-Award des Wochenendes. Im Kampf um den Sieg musste er im ersten Rennen mit technischem Defekt aufgeben. Eugene Laverty steht direkt an zweiter Stelle. Der Nordire führte den ersten Lauf gerade erst an und hatte beste Chancen auf den Sieg, schon machte sein Motor schlapp und entschied ihn im Stich zu lassen.

Welche Art Ausfall der bei Tom Sykes im zweiten Rennen war, bleibt noch fraglich - Foto: Kawasaki Racing Team

Um die Punkte in der Gesamtwertung auszugleichen stürzte Tom Sykes dann schon in der Einführungsrunde zum zweiten Rennen. Der starke Kawasaki-Pilot fuhr über einen Kerb, bei dessen Höhe er sich verschätzt hatte. Damit war Lauf Nummer zwei für den Pole-Mann gelaufen und wieder einmal bewies sich für Sykes, dass Portimao auch weiterhin nicht zu seinen Lieblingsrennstrecken gehört. Unglaublicherweise fuhr Sykes trotzdem im zweiten Rennen die Bestzeit und stellte mit einer 1:42.475 einen neuen Rundenrekord auf. Auch Leon Camier hatte im zweiten Lauf eine Menge Pech. Beim Versuch von seiner schlechten Startposition aufzuholen, stürzte der Suzuki Pilot, obwohl er es sogar schon bis auf Platz acht geschafft hatte.

Abräumer des Wochenendes

Durch die Ausfälle von Laverty, Sykes und Rea profitierte Guintoli. Mit seinen regelmäßigen Podestbesuchen erweist sich der Aprilia-Neuzugang definitiv immer mehr als heißer Titeltipp. Außerdem führt er in der Meisterschaft nun mit 213 Punkten, während Sykes bei 185 und Laverty bei 174 Zählern festzuhängen scheinen. Absoluter Abräumer am Rennsonntag war allerdings Sam Lowes. Nachdem der Supersport-Pilot noch am Samstag mit einem neuen Motor kämpfte und auch nach dem Warm-Up noch der Meinung war, dieser hätte weniger Power als der alte, setzte er sich in einem unglaublich hart umkämpften Rennen am Ende durch und baute seine WM-Führung auf 39 Zähler Vorsprung aus.

Kämpfer des Wochenendes

Camier kämpfte sich im ersten Rennen von Startplatz 14 bis zu Rang vier nach vorne und sicherte sich damit sein bisher bestes Ergebnis in dieser Saison. Auch im zweiten Lauf gelang ihm das Kunststück fast. Wäre seine GSX-R nicht weggerutscht, hätte Camier in den letzten zehn Runden sicher noch fleißig gut gemacht. Am meisten kämpfte aber Leon Haslam. Der Honda-Fahrer erklärte Motorsport-Magazin.com noch am Freitag, dass er sein Bein zwar nun mehr bewegen könne, aber dadurch auch mehr Schmerzen hat. Resultat: Haslam musste nach zehn Runden in Lauf eins aufgeben und das Wochenende beenden. Aber immerhin hatte er damit seine Leistung von Donington schon einmal kräftig gesteigert.

Ich bin der Meinung, dass wir alle nicht aufgeben dürfen und zusammen immer weitermachen sollten
Max Neukirchner

Überraschung des Wochenendes

Sykes Sturz in der Aufwärmrunde vor dem zweiten Rennen sorgte zunächst für große Überraschung. Er erklärte nach dem Rennen zwar, dass er sich beim Kerb in der ersten Kurve schlichtweg verschätzt hatte, dennoch scheint es sehr seltsam, dass ein derart starker, erfahrener und cleverer Fahrer wie Sykes einen solchen Fehler macht. Für eine weitere Überraschung sorgte Carlos Checa. Nach seiner Verletzung kämpfte der Weltmeister aus 2011 lange, musste in Monza aufgeben und war auch in Donington schwer angeschlagen. Dazu spielt die Panigale nicht so mit, wie sie sollte. Mit Platz neun und sechs zeigte sich in Portugal aber wieder ein Aufwärtstrend und damit endlich wieder Licht am Ende des Ducati-Tunnels.

Bonus des Wochenendes

Während sich Fahrerlager und Piloten in Portimao über Wind und leichten Regen beschwerten, hat Süd- und Ostdeutschland allerdings ganz andere Probleme. Noch immer steigen viele Flüsse weiter an, das Wasser dringt überall ein und hinterlässt Schäden in Millionenhöhe. Max Neukirchner hinterließ bei Motorsport-Magazin.com eine Botschaft: "Es läuft oft nicht so, wie man es sich erhofft. Sicherlich kann ich meine Rennen hier nicht mit der Katastrophe in Deutschland vergleichen, aber dennoch bin ich der Meinung, dass wir alle nicht aufgeben dürfen und zusammen immer weitermachen sollten!"


Tissot
nach 2 von 18 Rennen