Superbike WSBK

God Save the Queen - Analyse - Sykes und der Rest der Welt

Tom Sykes und Sam Lowes beglückten die Fans. Aber was war eigentlich noch so los? Motorsport-Magazin.com betrachtet die Tops und Flops des Europa-Wochenendes.
von Maria Pohlmann

Motorsport-Magazin.com - 'Typisch britisch!' - das waren beim Blick aus dem Fenster wohl die ersten Gedanken am Freitag in Donington Park. Doch für die vielen schnellen Briten in der Superbike schien Petrus auf der Insel für den Rest des Wochenendes dann doch eine Ausnahme zu machen und das sollte sich lohnen. Drei Mal dudelte 'God Save the Queen' vom Podium - ein beträchtlicher Freudentag für die britischen Fahrer und Fans. Doch nicht alle Piloten mit britischem Pass hatten an diesem Wochenende Glück...

Am Ende konnte Leon Haslam wieder nur zusehen - Foto: Dorna WSBK

Pechvogel des Wochenendes

Damit nehmen wir direkt einmal die Unglücksraben unter die Lupe. Pechvogel Nummer eins war Leon Haslam. Der arme Kerl hatte sich nur drei Wochen nach seinem heftigen Beinbruch schon wieder bereiterklärt auf seine Honda zu steigen. Obwohl Haslam direkt beim Absteigen vom Motorrad wieder auf Krücken überging, hielt er alle Trainings, Qualifyings und das Warm-Up tapfer durch und wäre sogar von Platz 13 gestartet. Seine Vernunft zwang ihn am Sonntag aber in die Knie: Haslam entschied seine beiden Heimrennen nicht anzutreten und lieber für Portugal wieder fit zu werden.

Ein weiterer britischer Pechvogel war sein Namensvetter Leon Camier. Der Suzuki-Pilot hatte auch erst in Aragon eine schwere Knieverletzung wegstecken müssen und kam endlich wieder in Fahrt. Allerdings stürzte Camier in beiden Läufen und räumt mit drei Punkten im zweiten Rennen nur noch einen Trostpreis ab. Trost brauchte auch Carlos Checa. Der Spanier blieb in allen Sessions hinter den Erwartungen zurück und beklagte starke Schmerzen, an seiner noch immer angeschlagenen Schulter. Nach den ersten 23 Runden beschloss der Ducati-Fahrer, dass er es besser noch einmal sein lässt.

Abräumer des Wochenendes

Richtig abgeräumt haben an diesem Wochenende eigentlich nur Sam Lowes und Tom Sykes. Nicht nur wegen der 75 Punkte, die sie gemeinsam holten, sondern besonders durch ihre großartigen Rennen. Lowes siegte in der Supersport-WM mit über elf Sekunden Vorsprung, Sykes in der WSBK einmal mit über zwei und dann mit über acht Sekunden vor allen anderen. Alle acht bisher gefahrenen Rennen beider Serien waren bis zur Zielflagge hart umkämpft, doch diese beiden Piloten dominierten an diesem Rennsonntag schlichtweg alles. Sykes' Freudentanz auf dem Podium zur Siegerehrung nach dem zweiten Lauf fasste das Glück des Briten ziemlich treffend zusammen und stellte neben einer super Show auch eine wohlverdiente Erleichterung dar.

Kämpfer des Wochenendes

Während Sylvain Guintoli und Eugene Laverty auf der Aprilia kämpften, gaben Marco Melandri und Chaz Davies auf ihren BMW-Maschinen alles. Nicht bei allen ging der Fight mit den Platzierungen aus, die sie eigentlich verdient hätten, aber wie Guintoli sagen würde: C'est la vie! Zweifellos gehörte aber Davide Giugliano ebenso zu den härtesten Kriegern. Mit Platz sechs und Platz vier blieb er dem Treppchen zwar wieder fern und beklagte wie an anderen Wochenenden nach jeder Session, dass er Besseres verdient hätte, aber nach einem so harten Kampf auf der RSV4 steht dem Italiener nun definitiv einmal ein Top-3-Resultat zu. Vielleicht wird's in Portugal.

Niccolo Canepa zeigte in Donington eine wahre Glanzleistung - Foto: Ducati Alstare

Überraschung des Wochenendes

"Wir müssen noch viel an der neuen Panigale arbeiten", "Meine Schulter schmerzte zu sehr", "Das Bike wollte nicht, wie wir wollten" - derartige Ausreden und noch viel mehr sind so ziemlich das Einzige, was man von den Ducati-Fahrern Carlos Checa und Ayrton Badovini zu hören bekommt. Sicherlich wurde den beiden das Leben durch Verletzungen zusätzlich erschwert. Die ominöse Schulterverletzung des Spaniers, die weder großartig behandelt noch operiert wird, zwang ihn zudem schon wieder zur Aufgabe. Wer an diesem Wochenende allerdings glänzte, war Niccolo Canepa.

Der Italiener trat mit einer Wildcard und kaum Erfahrung auf der 1199 an und trotzdem gelang es ihm in fast jeder Session bester Ducati-Fahrer zu werden. Mit Platz 13 stellte sich der Triumph im ersten Lauf zwar noch nicht ein, nachdem Checa und Badovini im zweiten Rennen aber floppten, konnte Canepa mit Rang acht Eindruck schinden. Sicherlich ist auch ein achter Platz kein Sieg, allerdings schon um Meilen besser als das, was die Dauer-Ducati-Starter bisher zeigten. Ok, Checa ist verletzt. Aber hilft da reines Auskurieren noch? Zumindest Badovini sollte sich nach diesem glorreichen Auftritt Canepas langsam Sorgen machen.

Bonus des Wochenendes

Nach seinem schweren Beinbruch hatte Leon Haslam auch vor dem Wochenende in Donington Park noch Schmerzen und wusste nicht, ob er beim Heimrennen antreten kann. Dennoch herrscht bei den Haslams immer Action. So humpelte Haslam schon vor dem Rennwochenende auf Krücken zur Strecke und ließ seine Mechaniker einige Runden unter Anleitung seines Vaters, Ron Haslam, drehen. Die Jungs genossen es sichtlich und sollten dadurch sicherlich auch etwas mehr Verständnis für ihren Piloten entwickeln.

Haslam schickt seine Crew zur Schule: (04:00 Min.)


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