Fast zwei Monate lang hatte die MotoGP auf Joan Mir verzichten müssen. Eine mysteriöse Erkrankung, die ihn schon längere Zeit geplagt hatte, war nach dem Grand Prix in San Marino Anfang September derart schlimm geworden, dass fortan für einige Wochen lang nicht mehr an Motorradfahren zu denken war. Erst am vergangenen Wochenende in Malaysia kehrte Mir wieder zurück - und das direkt auch sehr ansehnlich. Am Freitag qualifizierte er sich als Zehnter beispielsweise direkt für das Q2. Rund 48 Stunden später dann aber der Rückfall.

Joan Mir muss im Malaysia-GP vorzeitig aufgeben: Schwindelgefühl zurück

Nachdem sich Mir im Malaysia-GP lange Zeit auf Platz zehn hatte halten können, nur wenige Zehntel hinter seinen Honda-Kollegen Johann Zarco und Luca Marini und sogar knapp vor Diogo Moreira, fiel er im Verlauf von Runde neun plötzlich an das Ende des Feldes zurück and kam schließlich auch zurück an die Box, um aufzugeben. Die erste Hoffnung war zu diesem Zeitpunkt noch, dass Mir nach der langen Auszeit schlicht noch nicht fit genug war, um den extremen Bedingungen in Sepang standzuhalten. Am Sonntag wurde das Rennen in schwülwarmen 36 Grad in der Luft und 55 Grad am Asphalt ausgetragen. Extrem fordernd, selbst für fittesten Piloten der Königsklasse. Doch diese Hoffnung bestätigte sich leider nicht.

Der Malaysia-GP treibt mit extremer Hitze alle Piloten an ihr Leistungsmaximum, Foto: Pramac Racing / Fa. Ro.
Der Malaysia-GP treibt mit extremer Hitze alle Piloten an ihr Leistungsmaximum, Foto: Pramac Racing / Fa. Ro.

"Ich hatte vorher schon mit meinen Ärzten abgesprochen, dass ich stoppen würde, wenn ich ein paar schwummrige Momente haben würde und naja, in Runde neun wurde mir dann tatsächlich etwas schwindelig. Ich hatte die Situation nicht mehr komplett unter Kontrolle und habe mich deshalb dazu entschieden, aufzugeben", enthüllte Mir kurz nach Rennende sichtlich geknickt in seiner Medienrunde.

Entgegen der ursprünglichen Hoffnungen von Fahrer, Team und Doktoren ist der MotoGP-Weltmeister von 2020 also offensichtlich doch noch nicht wieder vollständig genesen. "Wir haben noch etwas Arbeit vor uns", bestätigte Mir und verriet dann auch erstmals, wo seine genauen Probleme liegen: "Das Wochenende war weitestgehend positiv, aber das Fragezeichen war für mich immer der Moment, indem die Herzschläge pro Minute deutlich zunehmen und das passiert erst während dem Rennen." Die Schwindelgefühle stellen sich also ein, sobald über einen längeren Zeitraum mit hoher Intensität und folglich mit hoher Herzfrequenz gefahren werden muss. Bei kurzen Runs im Training oder dem Qualifying kein Problem, im Grand Prix über eine Distanz von 20 Runden und knapp 110 Kilometer aber eben schon.

Joan Mir hielt im Malaysia-GP zunächst gut mit, musste dann aber vorzeitig aufgeben, Foto: Honda HRC Castrol
Joan Mir hielt im Malaysia-GP zunächst gut mit, musste dann aber vorzeitig aufgeben, Foto: Honda HRC Castrol

Nicht gerade freiwillig: Joan Mir vor nächstem MotoGP-Anlauf in Katar

"Hoffentlich können wir diese Situation bald lösen", seufzte Mir weiter. Ob es schon beim nächsten Rennwochenende in Katar (6. - 9. November) besser werden könnte, wo Hitze und Luftfeuchtigkeit bei Weitem nicht so extrem sind wie in Malaysia? "Ich weiß es nicht. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht, denn ich habe so hart gearbeitet, um hier [Sepang, Anm.] in guter Verfassung anzukommen und ich dachte, dass es mir besser ergehen würde, als es mir jetzt tatsächlich erging", antwortete der Spanier bedröppelt.

MotoGP will Katar-Starts erzwingen, Yamaha streikt dennoch (10:42 Min.)

Den Grand Prix in der Wüste auszulassen, scheint aber keine Option zu sein. Anders als Alex Marquez, der sich am Montag in Madrid eine Platte in der Schulter operativ entfernen lies und den Katar-GP dadurch verletzungsbedingt verpassen wird, will Mir seinen gesundheitlichen Rückfall aus Malaysia offenbar nicht als eine Art Ausrede benutzen, um auf die Reise nach Katar verzichten zu können. "Wir wissen alle, dass die Situation dort nicht die beste ist", meinte er, ließ im Anschluss aber durchklingen, dass er sich voraussichtlich dennoch in den Flieger nach Losail setzen wird - vermutlich, weil die MotoGP anderenfalls mit empfindlichen Strafen droht. "Wenn wir gehen, dann wahrscheinlich nicht, weil wir wollen. Das ist zumindest mein Eindruck", so sein kurzes, aber vielsagendes Statement dazu.

Wie würdet ihr an Joan Mirs Stelle handeln? Hättet ihr auf einen Start in Katar verzichtet, um in der spanischen Heimat weiter an der vollständigen Genesung zu arbeiten? Sagt es uns in den Kommentaren!