Die Formel 1 haderte bei ihrem unplanmäßigen Malaysia-Comeback in Sepang vor vier Wochen bereits mit dem Asphalt. Doch die Probleme von Max Verstappen und Co. waren augenscheinlich nichts im Vergleich zum Leid der MotoGP-Fahrer. In den Trainings am Freitag erwies sich die Beschaffenheit der Rennstrecke als Zumutung. Kürzliche Arbeiten an der Oberfläche, die im September noch vor dem F1-Wochenende durchgeführt wurden, sollen den ohnehin schon problematischen Belag weiter verschlechtert haben.

"Jedes Jahr wird es schlimmer hier mit dem Asphalt und Stücke lösen sich. Es sind nicht so viele Bodenwellen, aber wenn du den Asphalt auf einer schlechten Stelle berührst, dann kannst du leicht die Front verlieren. Es wird jedes Jahr schlechter und diesmal reißt es sogar die Steine aus dem Asphalt", erklärt KTM-Pilot Pedro Acosta. "Das ist jetzt eine Motocross-Strecke. Da musst du Brust-Protektoren tragen. Da kamen viele Steine aus dem Asphalt, mich haben sehr viele getroffen", klagt Fabio Di Giannantonio.

Der 1999 eröffnete Sepang International Circuit ist seit jeher Austragungsort der Motorrad-WM - nur 2020 und 2021 fand der Grand Prix aufgrund der damals weltweit geltenden Einschränkungen nicht statt. Die von Hermann Tilke entworfene Rennstrecke galt seit jeher als moderne Anlage höchsten Standards. Im Jahr 2016 wurde der 5,543 Kilometer lange Kurs vollständig neu asphaltiert. Seitdem hat die Beschaffenheit der Streckenoberfläche jedoch rapide abgenommen.

Rennstrecke in Malaysia für die Formel 1 schlampig nachgearbeitet

Zur Saison 2023 wurden die Passagen zwischen den Kurven 6 und 12 neu asphaltiert. Später musste im Bereich von Turn 9 noch einmal nachgebessert werden. Bereits bei den Wintertestfahrten der MotoGP war die zunehmend schlechte Asphaltqualität negativ aufgefallen. "Die Verantwortlichen der Strecke in Sepang hatten nach den Wintertests angekündigt, einen großen Teil des Kurses neu zu asphaltieren – wenigstens den Abschnitt von Kurve 5 bis Kurve 12, also die halbe Strecke oder sogar noch mehr", so Michelin-Motorradsportchef Piero Taramasso.

Die geplanten Maßnahmen wurden jedoch nicht realisiert. Vor der Rückkehr der Formel 1 wurden im September lediglich Fräsarbeiten durchgeführt, um Bodenwellen zu entfernen. Bereits am Trainingsfreitag der F1 wurde von aufbrechendem Asphalt berichtet. Dieser führte bei den Boliden der Königsklasse auf vier Rädern in Kombination mit Asphalttemperaturen von weit über 50 Grad Celsius zu massivem Reifenabbau. Für die MotoGP-Fahrer wird diese Konstellation an diesem Wochenende allerdings zum Sicherheitsrisiko. "Für die Kurven 4, 9 und 12 haben die Fahrer gemeldet, dass der Asphalt nicht in gutem Zustand ist", sagt Taramasso.

MotoGP-Fahrer reagieren mit Unverständnis auf Sepang: Neuer Asphalt lange überfällig

"Der Asphalt ist komplett zerstört. Da musst du irgendwie überleben. Es ist überall, außer in den Kurven 7 und 8, weil sie da vor ein paar Jahren neu asphaltiert haben. Der Rest ist komplett hinüber", so Honda-Pilot Luca Marini, der infolgedessen sogar eine Beschädigung am Motorrad erlitt: "Dir fliegen die Steine von den Motorrädern vor dir entgegen. Deswegen habe ich auch die Chance auf meine letzte schnelle Runde verloren. Ein Stein hat den Kühler getroffen und ich musste das Motorrad abstellen."

"Sie hätten hier neu asphaltieren müssen, aber sie haben es nicht getan. Das war schon letztes Jahr ein Desaster", schimpft der Halbbruder von MotoGP-Legende Valentino Rossi. "Da kann jeden Moment etwas passieren. Du musst vorsichtig sein und irgendwie durchkommen. Sicherlich wird es beim Start und beim ersten Anbremsen viele fliegende Steine für die Jungs weiter hinten geben. Da ist es besser, weiter vorne zu starten. Wer auch immer morgen in Reihe eins steht, hat viel Glück."

Die Marquez-Brüder zeigten sich von all dem hingegen weniger schockiert. Sie hatten von Sepang nichts anderes erwartet. "Ich empfinde keinen großen Unterschied zum Test. Es ist an der Zeit, dass neu asphaltiert wird. Das haben wir schon letztes Jahr gesagt. Aber es ist nicht schlimmer als beim Test", so Marc Marquez, der am Freitag in beiden Trainings die Bestzeit fuhr. Bruder Alex Marquez pflichtet ihm bei: "Für mich ist es wie letztes Jahr, aber es stimmt sehr wohl, dass drei oder vier Stellen am Limit sind. Es ist an der Grenze zur Unfahrbarkeit und mangelnder Sicherheit. Das ist jetzt so, denn für dieses Wochenende wird es keine Lösung mehr geben. Ich werde mich nicht weiter beschweren, sondern mich anpassen."

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