Rookie Diogo Moreira sorgt weiter für Furore. Ausgerechnet beim Honda-Heimrennen in Motegi drehte der Brasilianer so richtig auf und sicherte sich - mit etwas Glück - im Sprint den ersten Podestplatz der MotoGP-Karriere. Doch auch bei solchen Highlights bleibt die Nachwuchshoffnung ruhig und realistisch, während sich von allen Seiten Lob über ihn ergießt. Die Frage nach dem Aufstieg ins Werksteam scheint auf der Strecke längst beantwortet, doch noch lässt sich Honda Zeit.

Diogo Moreira realistisch: Erstes Sprint-Podium in der MotoGP auch Glück

Moreira besticht neben seinem Talent auch durch seine Reife und Überlegtheit. Nach seinem zweiten Rang im Sprint verfiel er nicht in Überheblichkeit, sondern wusste das Ergebnis sofort realistisch einzuschätzen. "Wir wissen, dass das kein 'echtes' Resultat war, aber heute war unser Tag. Wir hatten Glück. In Kurve 3 gab es den Crash mit Pedro [Acosta], Alex [Marquez] und einem weiteren Fahrer [es war Fabio Di Giannantonio, Anm. d. Red.]. Danach habe ich versucht, die Spitzengruppe einzuholen. Ich wollte in den Rhythmus kommen und Runde für Runde fühlte ich mich wohler", berichtete er gleich von seinem ersten Glück, welches ihn drei Plätze nach vorne spülte.

Doch auch danach lag er 'nur' auf einem ohnehin schon sehr guten fünften Rang. Er überholte Marco Bezzecchi (von den Fans übrigens zum Manöver des Wochenendes gewählt) und machte dann sogar Jagd auf das Podium. Im finalen Umlauf taten ihm zwei Konkurrenten den entscheidenden Gefallen: "In der letzten Runde war ich dran und vielleicht hätte ich mit einer Runde mehr um das Podium gekämpft. Doch dann sah ich, dass sie [Jorge Martin und Enea Bastianini, Anm. d. Red.] die grüne Fläche berührten. In dem Moment habe ich verstanden, dass ich auf dem Podium sein würde." Das Verlassen der Streckenbegrenzung im Zweikampf in der letzten Runde wird automatisch mit der Zurückstufung um einen Rang bedacht. Martin und Bastianini fuhren hauchdünn darüber hinaus. Aus Platz vier über dem Strich wurde so Platz zwei in der Wertung für Moreira.

Lob vom Vorgänger: Erstes Sprint-Podium für Honda seit Marc Marquez 2023

"Ich hätte mir das nicht vorstellen können. Natürlich hatten wir Glück, aber er hat einen unglaublichen Job geliefert und ein fantastisches Rennen gefahren. Seine Rundenzeiten waren sehr gut, fantastisch. Wir hatten Glück, aber das hat er auch verdient. Ich freue mich für das gesamte Team und für Honda", jubelte LCR-Gründer Lucio Cecchinello. Für sein Team war es nach Alex Rins in Austin 2023 erst der zweite Podestrang in einem Sprint überhaupt. Honda hatte das Sprintpodium letztmals in Valencia 2023 erreicht. Damals noch am Lenker ein gewisser Marc Marquez.

Das LCR-Team bejubelte Moreira, Foto: Honda LCR
Das LCR-Team bejubelte Moreira, Foto: Honda LCR

Und genau dieser gilt als ein Förderer Moreiras. Dass er als Sieger des Sprints bei dessen erstem Podium dabei war, erfüllte den Superstar mit Stolz. "Diogo gehört zu den talentiertesten Fahrern, die ich je gesehen habe - ganz egal, auf welcher Art von Motorrad er sitzt", meinte Marquez mit Blick auf die zahlreichen Motocross-Trainings, die Moreira mit ihm und Bruder Alex absolvierte. "Ich freue mich riesig für ihn", strahlte der Weltmeister gar mehr als über seinen eigenen Erfolg. Warum das der Fall ist, erklärt euch Markus hier:

Und bei aller Freude und der Betonung des Glücks musste auch noch einmal die Leistung eingeordnet werden. "Ehrlicherweise habe ich nicht geglaubt, dass er solche Rundenzeiten fahren kann, besonders in der zweiten Rennhälfte. Es ist erstaunlich, wie er den Reifen gemanagt hat. Das war unsere Sorge, aber er hat beeindruckt", gab Lucio Cecchinello an. Genau das gilt es zu betonen: Moreira lag nach 12 Runden nur einen Hauch hinter dem WM-Führenden Jorge Martin - mit einer Honda! Natürlich profitierte er dann von dessen und Bastianinis Strafversetzung, aber in dieser Position musst du dich erst einmal bringen.

Sturz im Rennen wird abgehakt: Trotzdem war die Pace da!

Dass Moreira trotzdem noch zu lernen hat, zeigte sich dann am Sonntag. Im Grand Prix stürzte der Brasilianer bei erneut guter Ausgangslage nach acht Runden. Der Abflug in Kiesbett stellte ein Rätsel dar, denn eigentlich wollte er wieder bedacht vorgehen: "In Kurve 9 habe ich nur leicht das Gas berührt und dabei die Front verloren. Das war merkwürdig, denn auf der Runde habe ich nicht gepusht. Ich wollte diese ersten Runden ein wenig abwarten, denn mit mehr Sprit im Tank ist es immer schwierig für mich. Ich wollte eigentlich keinen Fehler machen und habe daher nicht zu viel gepusht. Ich habe einfach die Front verloren."

Sturz von Diogo Moreira im Japan Grand Prix
Am Sonntag kam Moreira zu Sturz, Foto: IMAGO / PsnewZ

Er wäre aber nicht Diogo Moreira, wenn nicht auch das Positive erwähnt werden sollte: "Trotzdem war im Rennen heute die Pace da. Wir hätten vielleicht um die Top 8 mit der Gruppe um Pedro [Acosta] kämpfen können." Allein der Name des anvisierten Gegners zeigte, welchen Speed Moreira wieder an den Tag legte. Seine Honda-Kollegen sahen ausgerechnet beim Heimwochenende der Japaner nur das Heck des Rookies. "Wir sind hier in Hondas Haus [die Rennstrecke in Motegi wurde von Honda erbaut und beherbergt auch das Firmenmuseum, Anm. d. Red.], also ist das natürlich für mich und für Honda etwas sehr Besonderes", wusste der 22-Jährige nach seinem Sprint-Erfolg.

Diogo Moreira gegen David Alonso klar im Vorteil, doch Honda lässt sich Zeit in Werksteamfrage

Sowas sollte eigentlich Eindruck bei der Chefetage hinterlassen, doch noch immer lässt sich Honda bei der Wahl des zweiten Werkspiloten für 2027 Zeit. Mitbewerber David Alonso fährt eine ordentliche Moto2-Saison, aber reißt im Vergleich bei Weitem nicht so die Bäume aus, wie es Moreira als Weltmeister in seinem zweiten Jahr in der mittleren Klasse tat. Außerdem fuhr der LCR-Pilot bereits im Test von Spielberg die 850er-Maschine und erzielte dabei sogar nach inoffiziellen Zeiten der Kollegen von Sky Italia die Bestzeit. Lucio Cecchinello spielte das jedoch ein wenig herunter: "Der Eindruck war positiv. Es ist ein komplett anderes Paket und ich glaube Diogo hatte da einen kleinen Vorteil, da er die Pirelli-Reifen [aus der Moto2, Anm. d. Red.] etwas besser kennt."

Moto2-Pilot David Alonso
David Alonso drängt sich derzeit nicht auf, Foto: IMAGO / NurPhoto

Alle Argumente scheinen für Moreira als kommenden Teamkollegen von Starzugang Fabio Quartararo zu sprechen, während Alonso ihn dann bei LCR beerben würde. Der Brasilianer selbst hält sich in dieser Thematik aber bewusst komplett bedeckt. Fragen nach dem Werksplatz wich er selbst nach seinem Highlight am Samstag mit einem Lächeln aus: "Im Moment möchte ich es einfach nur genießen. Ich bin deswegen zu 100 Prozent entspannt. Der volle Fokus liegt auf unserem Job." Wenn er diesen so weitermacht, dann kann eigentlich kein Weg an ihm vorbeiführen.

Beim kommenden Rennen in Indonesien sitzt aber erstmal ein anderer auf der Werks-Honda. Aleix Espargaro kommt als Ersatzmann des erkrankten Joan Mir zu seinem MotoGP-Comeback: