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Moto2

Strafenflut und ein Sturz in Führung liegend - Katar: Die deutschen Fahrer im Check

Rabenschwarzer Tag für die deutschen Moto2-Fahrer in Katar: Folger stürzte, Cortese und Schrötter leisteten sich Frühstarts. Der Tag der Deutschen im Detail.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Sonntag

Sandro Cortese (15.): Unverhofft nach vorne gespült wurde Sandro Cortese. Der Teamkollege von Jonas Folger profitierte zunächst von den vielen Strafen, die durch die Frühstarts verhängt wurden. Nachdem alle bestraften Fahrer durch die Box gefahren sind, duellierte sich Cortese mit Simone Corsi um den letzten Podestplatz. Kurz vor Schluss wurde jedoch auch gegen Cortese wegen Frühstarts ermittelt. Nach Zieldurchfahrt erfolgte die Bestätigung: 20-Sekunden-Zeitstrafe! Cortese wurde damit bis auf Rang 15 zurückgereicht.

Nach dem Rennen zeigte sich Cortese gegenüber Eurosport fassungslos: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das war mein bestes Moto2-Rennen überhaupt. Ich muss mir das anschauen, kann es nicht beurteilen. Ich bin nur enttäuscht und kann das nicht beschreiben. Ich habe alles gegeben, die Jungs haben eine große Arbeit geleistet. Wir haben uns über das Wochenende enorm gesteigert. Ich muss das analysieren wegen dem Frühstart und spüre einfach eine große Enttäuschung."

"Ich finde keine Worte. Ich habe eines meiner besten Moto2-Rennen abgeliefert und habe alles gegeben. Wie hart wir gearbeitet und wie viel wir geopfert haben, und dann landet man auf dem 15. Platz. Die Jungs haben großartige Arbeit geleistet und wir haben uns super über das ganze Wochenende gesteigert. Mir ist zum Schluss der Gang rausgesprungen, sonst hätte ich Dritter werden können. Ich bin einfach nur enttäuscht, aber wir müssen den Blick nach vorne richten und so weiterarbeiten."

Marcel Schrötter (17.): Marcel Schrötter war beim Rennen einer der vielen Leidtragenden der Frühstart-Seuche. Auch der Bayer aus dem AGR-Team beging einen Frühstart und musste entsprechend zu Rennbeginn eine Durchfahrtsstrafe antreten. In der Folge war Schrötter chancenlos beim Kampf um Punkte und fuhr auf Platz 22 herum. Schrötter bewies jedoch Kampfgeist und fightete sich im Rennverlauf wieder bis auf Platz 17 hoch.

""Ich bin einfach nur masslos enttäuscht. Ein dummer Fehler von mir am Start ruinierte all die gute Arbeit beim Test vor einer Woche und auch jener der Trainingstage. Es tut mir leid für mein Team, das war ausschliesslich meine Schuld. Wir müssen das heutige Rennen schnellstens verdrängen und das Positive mitnehmen. Insgesamt betrachtet war es allemal ein guter Start in die Saison. Wir gehen nun nach Argentinien, wo wir auf unserer Basis weitermachen und es dort eben bis zum Ende besser machen werden."

Jonas Folger (DNF): Ungerührt von all dem Trubel hinter sich startete Pole-Mann Jonas Folger ins Rennen. Der Deutsche profitierte zunächst vom Chaos hinter ihm und konnte seine Pole-Position sofort in eine unangefochtene Führung ummünzen. Schon nach einer Runde trennten Folger 1,3 Sekunden von seinen Verfolgern. Auf der Flucht nach vorn übertrieb es Folger jedoch: Ein Sturz in Turn vier in der dritten Runde begrub alle Sieg-Hoffnungen im katarischen Kies.

Am Eurosport-Mikrofon war Folger entsprechend niedergeschlagen: "Das ist natürlich bitter. Ich habe ein gutes Wochenende gehabt und hart gearbeitet. Ich war sehr konstant, das hätte ein wirklich großer Tag werden können. Ich bin übers Limit gefahren und habe versucht, in den ersten fünf Runden wegzufahren. Leider habe ich nicht gewusst, dass Lowes einen Jumpstart gemacht hat. Vielleicht hätte ich es dann langsamer angehen lassen können, aber wir waren dennoch stark dieses Wochenende und müssen nach vorne schauen."

"Ich hatte einen guten Start und ich wollte probieren, gleich vorne wegzufahren. Das ist mir auch gelungen, aber ich habe es mit vollem Tank übertrieben und zu spät gebremst. Vielleicht hätte ich etwas den Speed herausnehmen sollen. Ich wollte einfach zu viel und dann ist mir eben der Fehler passiert. Das kann man nicht mehr ändern. Es hätte heute ein großer Tag für uns werden können. Jetzt müssen wir nach vorne schauen!"

Jonas Folger durfte nach seiner Pole-Position an der Pressekonferenz teilnehmen - Foto: Dynavolt Intact GP

Samstag

Jonas Folger (1.): Gleich im ersten Run seines Qualifyings legte Jonas Folger mit 1:59.052 eine sensationelle Zeit vor, an der sich im Lauf des Qualifyings alle Konkurrenten die Zähne ausbesserten. Er verbesserte damit seine Zeit aus den Freien Trainings um mehr als eine halbe Sekunde und holte die sechste Pole seiner Karriere. Besonders vielversprechend im Hinblick auf das Rennen: Im weiteren Verlauf der Session konnte der Bayer noch mehrfach niedrige 1:59er-Zeiten vorlegen.

"Mit dem Qualifying bin ich natürlich sehr glücklich. Was mich aber fast noch mehr freut, ist die Tatsache, dass das gesamte Wochenende so gut gelaufen ist. Wir waren immer sehr konstant, was für das Rennen schon viel wert ist. Es können aber viele Fahrer gewinnen. Lowes, Rins, Zarco oder auch Lüthi sind extrem schnell. Die werden es mir sicher nicht leicht machen. Das Wichtigste wird sein, keine Fehler zu machen. Außerdem muss natürlich der Start passen und ich schnell auf einen guten Rhythmus kommen."

Sandro Cortese (6.): Bei Sandro Cortese, der sich das ganze Wochenende mit Problemen plagte und nicht in die Top Ten kam, ist rechtzeitig zum Qualifying der Knoten geplatzt. Eine 1:59.627 stand für ihn am Ende zu Buche, das bedeutete Rang sechs und Startreihe zwei, außerdem gelangen ihm noch mehrere weitere schnelle Runden. Von seinem Teamkollegen aus dem German-Dream-Team trennt ihn zwar etwas mehr als eine halbe Sekunde, doch auf Platz drei sind es nur etwas mehr als zwei Zehntelsekunden.

"In der zweiten Reihe zu stehen, ist echt wichtig. Nach gestern war ich schon etwas nachdenklich. Wir haben so hart gearbeitet, auch in den Tests, jetzt bin ich mit Platz sechs zufrieden, auch, weil auf Platz drei nicht sehr viel fehlt. Die ersten beiden, besonders Jonas, sind sehr schnell. Wir haben in der Nacht hart gearbeitet und sachlich unsere Probleme analysiert. Natürlich hilft es, einen schnellen Teamkollegen zu haben, jetzt können wir mehr Daten sammeln. Aber trotzdem macht jeder sein Ding. Platz sechs ist wirklich in Ordnung, von dort aus kann ich ein super Rennen fahren. "

Marcel Schrötter (8.): Nachdem er in den Freien Trainings als Vierter noch bester Deutscher war, konnte Marcel Schrötter im Qualifying die Steigerung der Pace an der Spitze nicht ganz mitgehen. Mit sieben Hundertstel Rückstand auf Polesetter Folger war er am Ende Achter und geht somit aus der dritten Reihe ins Rennen, allerdings wird Lorenzo Baldassarri, der sich vor ihm auf dem siebten Startplatz qualifizierte, nach seiner Verletzung wohl nicht an den Start gehen können.

"Im Grossen und Ganzen bin ich mit dem ersten Qualifying der neuen Saison zufrieden. Offenbar waren die Bedingungen geringfügig anders. Das war womöglich ein Grund, weshalb ich mich mit dem Bike nicht so wohl fühlte als gestern. Am Motorrad haben wir eigentlich nur kleine Änderungen gemacht, die in gewissen Bereichen auch Vorteile brachten, doch irgendwie ging es mir heute nicht so leicht von der Hand die Zeiten weiter nach unten senken. Mir fehlte das Vertrauen in das Motorrad, um in einigen Abschnitten mehr zu pushen. Ich denke wir haben einen guten Job gemacht, denn das erste Saisonrennen von P8 in der Grid in Angriff zu nehmen ist keine schlechte Ausgangsposition."

Jonas Folger gelang im Qualifying eine Hammerzeit - Foto: Dynavolt Intact GP

Freitag

Marcel Schrötter (4.): Ein Paukenschlag gelang Marcel Schrötter im letzten Freien Training der Moto2. Zur Session-Halbzeit brannte er eine 1:59.544 in den Asphalt und belegte zeitweise den dritten Rang, am Ende wurde er von Lorenzo Baldassarri noch auf Rang vier verdrängt. Damit ist Schrötter bester Deutscher und mit nur 0.282 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Alex Lowes in einer guten Ausgangsposition für das Qualifying.

"Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dieser Leistung. Mir war eigentlich gestern schon klar, dass ich bei weitem schneller sein kann, als ich sagte, dass unsere Position am Papier schlechter ausschaut als es tatsächlich war. Zum Glück ist war ich heute um einiges schneller, sonst würde ich jetzt ziemlich dumm dastehen. Doch ich fühle mich immer noch nicht 100 Prozent wohl mit dem Bike. Es gibt noch Bereiche, wo wir uns weiter verbessern müssen. Hoffentlich gelingt uns diesbezüglich morgen schon ein Schritt, dann werden wir sehen, zu was im Stande sind zu leisten, wenn es drauf ankommt. Denn erst im Qualifying zählt es, wenn alle mit neuen Reifen absolut pushen. Vorerst freue ich mich aber über den Stand der Dinge und blicke dem Samstag sehr zuversichtlich entgegen."

Jonas Folger (5.): Nachdem er am Donnertag noch die Nase ganz vorn gehabt hatte, musste Jonas Folger am Freitag mit Rang fünf vorlieb nehmen. Mit nur 0.353 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Lowes ist er allerdings absolut in Schlagdistanz. Seinem neuen Teamkollegen aus dem German-Dream-Team, Sandro Cortese, nahm er beeindruckende sechseinhalb Zehntelsekunden ab.

"Die Streckenbedingungen haben sich verändert und der Grip ist ziemlich gut geworden. Nachdem wir auf einen neuen Satz Reifen gewechselt haben, bin ich eine Zeit gefahren, die zwar nicht so schlecht war, aber für mich auch noch nicht zufriedenstellend. Denn ich hatte das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Ich hatte hinten noch Probleme mit dem Federbein, was dann auch Probleme vorne verursachte. Während der letzten neun Minuten haben wir noch eine Änderung probiert, die sich sehr gut angefühlte. Aber leider war mein Timing etwas ungünstig und hatte ich keine einzige freie Runde mehr. Darum müssen wir uns das gezwungenermaßen morgen im Qualifying noch einmal anschauen."

Sandro Cortese (14.): Nicht so rund wie für seinen Teamkollegen lief es auch am Freitag für Sandro Cortese. Ihm gelang keine wirklich schnelle Rundenzeit und mit etwas mehr als einer Sekunde Rückstand auf die Bestzeit lag er am Ende auf dem vierzehnten Rang. Immerhin fehlen auf die Top Ten nur weniger als drei Zehntelsekunden.

"Für uns war es der schlechteste Tag bis jetzt. Ich bin mit neuen Reifen fast langsamer gewesen, als mit 20-Runden alten Reifen. Wir werden jetzt analysieren, woran das lag. Es war kein erfolgreiches Training, und wir müssen uns hinsetzen und schauen, dass wir das morgen zum Qualifying wieder wettmachen."

Marcel Schrötter war am Freitag bester Deutscher - Foto: AGR Team

Donnerstag

Jonas Folger (1.): Für Jonas Folger hätte die Saison gar nicht besser anfangen können. Gleich am ersten Tag holte er für sein neues Team den ersten Platz in den kombinierten Rundenzeiten aus ersten und zweitem Freien Training. Damit ließ er Landsmann und Teamkollege Sandro Cortese ziemlich alt aussehen. Mit einer 1:59.566 im Nachmittags-Training setzte sich Folger an die Spitze des Feldes, allerdings ist der Vorsprung auf Verfolger Sam Loses mit 0.091 Sekunden wahrlich nicht zum Ausruhen.

"Im ersten Training war ich noch auf harten Reifen unterwegs. Im zweiten Training haben wir den weichen Reifen montiert, was sich vom Grip her natürlich deutlich bemerkbar machte. Am Motorrad haben wir im Vergleich zum Test kaum etwas verändert. Ich arbeite momentan vermehrt an mir und an meinem Fahrstil. Sehr gut ist, dass ich mit dem harten Reifen schnelle Rundenzeiten fahren konnte. Das war ein großes Manko im vergangenen Jahr. Auch fahrerisch habe ich mich verbessert. Langsam fügt sich alles zusammen und ich bin optimistisch. Es war ein super Start ins Wochenende!"

Marcel Schrötter (12.): Marcel Schrötter begann den ersten Trainingstag der Saison stark. Direkt hinter Folger landete er am Vormittag auf dem fünften Rang in der Zeitnahme und stach damit dem auf Platz elf liegenden Sandro Cortese klar aus. Am Nachmittag rutschte Schrötter etwas ab und musste sich mit dem 14. Rang zufrieden geben. Insgesamt liegt Schrötter nach dem ersten Trainingstag auf dem zwölften Rang.

"Insgesamt betrachtet war es ein sehr gelungener Start in das Wochenende. FP1 verlief sehr erfreulich. In dieser Session war ich zunächst etwas überrascht, dass die Rundenzeiten auf Anhieb schneller waren als beim Test am vergangenen Wochenende. Nach dem Regen am Vortag hatte ich mit anderen Streckenverhältnissen gerechnet. Meine Rundenzeiten waren stark und so ein Anfang tut natürlich dem Vertrauen gut. Im zweiten Training haben wir mit den Reifen gespart, ich war nur mit der härteren Mischung auf der Piste."

"Meine Zeit fuhr ich mit einem gebrauchten Reifen, der gut und gerne schon 25 Runden draufhatte. Ganz klar will ich mich nicht auf P14 in der Zeitenliste von FP2 sehen, doch unser Potenzial ist grösser als diese Platzierung zeigt. Wir kommen der Spitze allmählich näher und in dieser Art und Weise werden wir auch weitermachen. Von dem her bin ich für das restliche Wochenende sehr zuversichtlich."

Sandro Cortese (13.): Von allen Deutschen begann Sandro Cortese den Donnerstag in Katar mit den größten Problemen. In Session eins kam Cortese nicht über den elften Rang hinaus und blieb damit abgeschlagen von seinen deutschen Mitstreitern außerhalb der Top-10. Am Nachmittag lief es für Cortese nicht besser. Zwar war er im Nachmittags-Training immerhin zweitbester Deutscher, rutschte aber mit Rang zwölf immer noch einen Platz in der Zeitenliste hinab. Damit ist die Ausbeute nach Trainingstag eins für Cortese nur ein 13. Rang.

"Im Moment sieht das Ergebnis schlechter aus als es ist. Wir haben sehr hart auf das Rennen hingearbeitet. Es ist sehr eng, ich verliere 0,5 auf die Spitze. Wir müssen die Beine jetzt ruhig halten und konzentriert weiterarbeiten, dann können wir uns morgen steigern."


Tissot
nach 15 von 15 Rennen