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Desaster für STM/HTP-Mercedes: Maranello-Ferrari gewinnt das Bathurst 12 Hour

Wie immer lieferte Bathurst ein dramatisches Finale, doch diesmal auf eine etwas unschöne Art und Weise. Der Sieg ging an Maranello-Ferrari.
von Yannick Bitzer

Motorsport-Magazin.com - Toni Vilander, Jamie Whincup und Craig Lowndes sind die Gewinner des diesjährigen 12-Stunden-Rennens von Bathurst. Nach 290 gefahrenen Runden überquerte GT3- und 12-Hour-Debütant Whincup als Erster den Zielstrich und holte somit den zweiten Sieg für Maranello-Ferrari nach 2014. Der Silberrang ging mit über einer Runde Rückstand an den Competition-Porsche von David Calvert-Jones, Patrick Long, Marc Lieb und Matt Campbell aus der Pro-Am-Klasse. Dritte wurden Steven Kane, Guy Smith und Oliver Jarvis für M-Sport-Bentley.

Die Entscheidung im Kampf um den Sieg fiel erwartungsgemäß erst kurz vor Schluss: Whincup überholte Shane van Gisbergen im STM-/HTP-Mercedes die Conrod-Gerade hinab, nachdem dieser beim letzten Boxenstopp keine frischen Riefen bekommen hatte. Danach übernahm sich van Gisbergen: Beim Versuch, an Whincup dranzubleiben, schoss er einen überrundeten Herrenfahrer-Porsche ab. Kurz drauf, und zwar noch bevor ihn die Nachricht über seine Durchfahrtsstrafe erreichte, verlor er den Mercedes in den Esses und rammte frontal die Betonwand.

Engel sauer auf van Gisbergen

"The Giz" blieb zwar unverletzt, doch der 12-Hour-Vorjahressieger zog mit seiner Schlussfahrt den Unmut seines Teamkollegen Maro Engel auf sich. Engel war erst wutentbrannt aus der Garage gestürmt, stand dann aber doch zum Interview bereit. "Für mich war das kein Motorsport. Ich muss aufpassen, was ich sage, aber ... Na ja, alles, was ich von Shane an diesem Wochenende gesehen habe, waren Fehler", platzte es aus ihm heraus. Mit van Gisbergens Porsche-Rempler, seinem Unfall und den Worten seines Kollegen endete das Rennen nicht gerade auf die schönste Art und Weise.

Der STM/HTP-Mercedes war schon im zweiten Rennviertel negativ aufgefallen. Dort am Steuer saß Craig Baird. Der Routinier aus Neuseeland erlaubte sich bei einem der insgesamt 16 Neustarts einen kuriosen Patzer: Nachdem das Safety-Car abgebogen war, zog Baird noch vor der letzten Kurve neben den dort schon führenden Maranello-Ferrari und drehte diesen ins Kies. Für dieses äußerst zweifelhafte Manöver bekam Baird eine zehnsekündige Stop-and-go-Strafe. Glück für das Maranello-Team: Der Ferrari konnte geborgen werden, noch bevor das Feld wieder vorbeikam, sodass man nicht in Rundenrückstand geriet.

Viele Autos in Unfälle verwickelt

Die Höhepunkte des Bathurst 12 Hour 2017: (02:15 Min.)

Überhaupt war das Rennen dermaßen hektisch, dass unzählige Autos Strafen erhielten. Auch Vilander hatte sich eine Drive-through eingehandelt, als er kurz vor einem Neustart verbotenerweise noch durch Wedeln die Reifen aufzuheizen versuchte. Nicht selten gingen den Strafen aber auch Berührungen voraus, die zu Unfällen führten. Vor allem die brandschnellen GT3-Boliden hasteten oft ohne Rücksicht auf Verluste durch den Verkehr, räumten sich teils sogar gegenseitig ab. Es crashten unter anderem beide Jamec-Pem-Audi, der Nummer-83-HTP-Mercedes und der BMW M6 der Supercars-Veteranen samt Timo Glock. Fast alle Autos hatten hier oder da Kontakt; Porsche musste wegen einer Berührung Earl Bambers mit einem GT4 gar früh die bärenstark besetzte Startnummer 911 abschreiben.

Mit Jamie Whincup und Craig Lowndes siegten übrigens zwei Lokalhelden. Beide fahren für das mittlerweile werksunterstützte Holden-Team Triple Eight Race Engineering in der australischen Supercars-Serie und gewannen dort schon dreimal zusammen das berühmte Bathurst-1000-Tourenwagenrennen. Für Whincup ist es der erste Bathurst-12-Hour-Sieg, für Lowndes der zweite. Lowndes gehörte schon beim Maranello-Erfolg 2014 zum Aufgebot; er teilte sich den Ferrari damals mit John Bowe, Teameigner Peter Edwards und Mika Salo.


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