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GP2 / Kolumne

Timo Glock: Wunder in der Wüste

Es kommt nicht häufig vor, dass in der Wüste Wunder geschehen. Timo vollbrachte in Bahrain gleich zwei.
von Timo Glock

Motorsport-Magazin.com - Zweimal Platz 2 - das ist die Ausbeute meines ersten Rennwochenendes in dieser Saison. Dieses Ergebnis kann man aus zwei Blickwinkeln betrachten. Entweder man sagt, dass es ein Wunder war, überhaupt mit solchen Problemen in beiden Rennen Zweiter geworden zu sein oder man spekuliert darüber, was möglich gewesen wäre, wenn mich diese Probleme nicht gehandicapt hätten. Ich sehe es auf die erste Weise: Mit einem so stark angeschlagenen Auto auf Platz 2 zu fahren, ist ein Riesenergebnis für mich.

Gerade im ersten Rennen war ich mit Platz 2 richtig happy. Nach der Startkollision war die Spur vorne um 9 mm zu, dass heißt die Räder haben um fast einen Zentimeter nach innen gestanden! Als mir das bewusst wurde und ich meinen Teamkollegen Andi Zuber hinter mir gesehen habe, hätte ich nicht gedacht, dass ich ihn hinter mir halten könnte. Schließlich wusste ich, wie stark unser Auto in unbeschädigtem Zustand im Rennen ist. Das ich den Platz unter diesen Bedingungen verteidigen konnte, war für mich ein kleines Wunder. Ich konnte sogar noch an den Führenden Filippi heranfahren, bis meine Reifen dermaßen abgenutzt waren, dass nichts mehr ging.

Timo durfte zwei Pokale mitnehmen. - Foto: Sutton

Am Sonntag ging es, je nach Sichtweise, "leider" genauso weiter. Am Start musste ich dem Kuddelmuddel ausweichen und habe mir dabei auf den hohen Curbs den Reifen bis auf die Leinwand aufgeschlitzt. Die Bridgestone-Ingenieure meinten nach dem Rennen, dass es ein Wunder gewesen sei, dass ich damit überhaupt bis ins Ziel gekommen bin. Ich konnte sogar einige Fahrer überholen und mich bis auf Platz 2 vorkämpfen. Das Auto war zwar ziemlich nervös, besonders in Linkskurven, aber es war noch okay. So konnte ich den Rückstand verkleinern, bis der Hinterreifen von einer Runde zur anderen plötzlich komplett im Eimer war. Dann ging gar nichts mehr und ich musste mich strecken, das Auto auf der Straße zu halten.

Obwohl es kein perfekter Saisonstart war, stimmen mich die beiden Wunder von Bahrain zuversichtlich für den Rest der Saison. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Rennen in Barcelona. Denn dann werden wir ganz sicher wieder ein Auto haben, das auch ohne Wunder geradeaus fährt.

Euer Timo Glock