IMSA / Interview

Nicht unbedingt spaßig - McNish über Stadtkurse

Vorjahressieger Allan McNish spricht über die Tücken des Stadtkurses in Houston.
von Martina Fellner

Motorsport-Magazin.com - Letztes Jahr haben Sie und Dindo Capello in Houston mit dem Audi R8 TFSI gewonnen. Hatten Sie mit diesem Sieg gerechnet?
Allan McNish: Das war ein denkwürdiger Sieg. Die American Le Mans-Serie startete erstmals in Houston, und wir haben mit einem praktisch sechs Jahre alten Auto gegen die neuesten Fahrzeuge gewonnen - auf einer Strecke, die für diese ideal war. Umso süßer und überraschender war unser Erfolg.

Sie sind schon auf den verschiedensten Stadtkursen gefahren, zum Beispiel in Macau, Pau, Birmingham, Adelaide, St. Petersburg und Long Beach. Gefallen Ihnen Stadtkurse?
Allan McNish: Spaß machen sie mir nicht unbedingt, aber ich habe auch nichts gegen sie. Seit meinem ersten Rennen auf einem Stadtkurs in Macau 1989 war ich auf solchen Strecken immer gut. 2000 haben Dindo und ich mit einem Sieg in Adelaide den Titel in der American Le Mans-Serie geholt. An meinem ersten Tag mit der Formel 1 in Monaco fuhr ich die zweitbeste Zeit. Man braucht kontrollierte Aggressivität - sonst bestraft einen die Betonmauer.

Ist die Strecke in Houston mit einem der genannten Stadtkurse vergleichbar?
Die Strecke ist viel unebener als alle anderen! Im vergangenen Jahr gab es dort so viele Bodenwellen, wie ich es noch nie erlebt habe. Während der Veranstaltung haben die Organisatoren versucht, die schlimmsten Wellen zu beseitigen, und ich hoffe, die Strecke ist in diesem Jahr nicht mehr ganz so uneben. Aber letztendlich ist es für alle gleich.

Nach zehn Gesamtsiegen in Folge wurde der Audi R10 TDI in Long Beach erstmals geschlagen. Weshalb sind Stadtkurse für den Diesel-Sportwagen so schwierig?
Der Audi R10 TDI wiegt - reglementbedingt - 925 Kilogramm und hat wegen des V12-Biturbo-Motors einen längeren Radstand als die kleineren LM P2-Autos von Porsche und Acura/Honda, die nur 775 Kilogramm auf die Waage bringen müssen. In der Kombination bewirken diese beiden Faktoren, dass sich der R10 TDI in langsamen Kurven oder extrem engen Spitzkehren, die im ersten Gang gefahren werden, schwer tut. So war es am vergangenen Wochenende auch in Long Beach: Wir haben in der Spitzkehre alles verloren, was wir auf den Geraden herausholen konnten. Das sind nun einmal die Gesetze der Physik und des Reglements.

In St. Petersburg hat sich die Audi TDI Power durchgesetzt, in Long Beach belegten die LM P2-Sportwagen dagegen die ersten sechs Plätze. Wie wird Houston für den R10 TDI?
Allan McNish: Der Audi R10 TDI fährt zum ersten Mal in Houston. Wir haben nun schon etwas Erfahrung auf Stadtkursen, aber Vorhersagen sind noch immer schwierig. Vor St. Petersburg dachte ich, dass wir dort nicht konkurrenzfähig sein würden. Doch obwohl wir nicht das schnellste Auto hatten, haben wir gewonnen. Nachdem ich mir die Strecke in Long Beach angesehen hatte, dachte ich, sie würde uns liegen - aber es kam anders. Dindo denkt, Houston könnte wie St. Petersburg werden. Ich glaube eher, es wird wie in Long Beach. Ich rechne nicht mit einem Gesamtsieg, aber wir möchten zumindest zurück auf das Podium. Long Beach war das erste Mal seit Charlotte im April 2000, dass kein Audi unter den ersten Drei der Gesamtwertung war.


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