Formel E

Nach Daniel Abts Fanboost-Kritik: Formel-E-Boss Agag antwortet!

Daniel Abts Kritik am Fanboost-System der Formel E bleibt nicht ohne Folgen. Motorsport-Magazin.com liegt ein ausführliches Statement des Serienchefs vor.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wie erwartet, hat die heftige Fanboost-Kritik von Daniel Abt nach dem Formel-E-Rennen in Santiago eine Reaktion ausgelöst - und die kommt von oberster Stelle. Serienchef Alejandro Agag hat sich in einem Statement, das Motorsport-Magazin.com vorliegt, sehr ausführlich zu Wort gemeldet.

Auf Abts Vorwurf, andere Fahrer würden beim Fanboost-Voting betrügen, antwortete Agag: "Abt ist ein Beispiel für andere mit seiner enthusiastischen Herangehensweise und dem konstanten Engagement mit Fans. Darin liegt der Schlüssel, mehr Stimmen zu erhalten. Er hatte kürzlich einen kleinen Gefühlsausbruch und kritisierte das System, weil sein Aufwand in Santiago nicht belohnt wurde. Er hat mich aber angerufen und sich entschuldigt. Ich bin ihm also nicht böse."

Abt hatte sich in einem seiner Youtube-Vlogs darüber aufgeregt, dass beim Voting-System für den Fanboost etwas faul sei und gewisse Fahrer über Nacht plötzlich sehr viele Stimmen bekommen würden. Beim letzten Rennen in Santiago de Chile hatte der Audi-Werksfahrer erstmals in dieser Saison nicht den Fanboost gewonnen. Stattdessen erhielten Teamkollege Lucas di Grassi, Sebastien Buemi und Jose Maria Lopez die Extra-Power.

Klare Ansage von Agag dazu: "Das Fanboost Voting-System wird ständig überwacht, um die Überprüfung der User sicherzustellen und glaubwürdige Resultate abzuliefern. Wir haben das System seit der Einführung in der ersten Saison der Formel E verbessert. Das System ist sehr zuverlässig und Fahrer sollten nicht ihre Zeit damit verschwenden, die Richtigkeit anzuzweifeln."

Agag gilt seit jeher als Verfechter des Fanboost-Systems, um den Fans die Möglichkeit zu geben, mit den Fahrern und der Serie zu interagieren. Diese Möglichkeit ist einzigartig im Motorsport, wird aber gerade von traditionellen Motorsport-Fans kritisch beäugt. Agag will aber am Fanboost-Voting festhalten. "Fanboost ist ein Pioniersprojekt basierend auf einem der Hauptpunkte der Formel E: die größtmögliche Teilnahme der Fans an unserem Sport", sagte Agag.

Der Seriengründer weiter: "Es ermöglicht den Fans, Teil der Action zu sein. Sie können es ihrem Lieblingsfahrer ermöglichen, die Führung in einem Rennen zu übernehmen, ihre Position zu verteidigen oder schneller durchs Feld zu kommen. Fanboost trennt die Formel E weiter von anderen Motorsport-Kategorien sowie generell anderen Sportarten ab."

Fanboost-Gewinner Gesamtübersicht

Fahrer Team Fanboost gesamt Rennen gesamt
1 Lucas di Grassi Audi 21 37
2 Sebastien Buemi Renault 19 35
3 Daniel Abt Audi 12 37
4 Jean-Eric Vergne Virgin / Techeetah 11 35
5 Nick Heidfeld Venturi / Mahindra 8 36
Nelson Piquet Junior NIO / Jaguar 8 37
7 Sam Bird Virgin 4 37
Oliver Turvey NIO 4 28
Bruno Senna Mahindra 4 21
Salvador Duran Aguri 4 12
Stephane Sarrazin Venturi / Techeetah 4 33
12 Katherine Legge Aguri 2 2
Jose Maria Lopez Virgin / Dragon 2 12
weitere mit 1 Fanboost

Ein Kritikpunkt am Fanboost: Häufig bekommen die selben Fahrer den Power-Boost zu gesprochen. Das zeigt sich auch in der ewigen Fanboost-Liste, die der amtierende Champion Lucas di Grassi (21 Fanboosts) vor seinem Dauerrivalen Sebastien Buemi (19) anführt. Daniel Abt liegt mit 12 Fanboosts inzwischen auf dem dritten Gesamtplatz der Liste.

Für Agag wenig verwunderlich, wie er argumentierte: "Es ist nicht überraschend, dass die Fahrer mit den meisten Fanboost-Stimmen zu den bekannteren gehören oder um Siege und Meisterschaften kämpfen, so wie Buemi, Vergne, di Grassi oder Piquet. Fans tendieren dazu, für Fahrer zu stimmen, die in Führung liegen. Sie wollen das Bild auf dem Podium beeinflussen. Es ist auch interessant zu sehen, wie sich das Voting zwischen den Fahrern in unterschiedlichen Ländern verändert. Lopez war der Star in Santiago wegen seiner südamerikanischen Herkunft. Das gilt genauso für Filippi in Hongkong, weil er für das chinesische Team NIO antritt."

So funktioniert der Fanboost

Die Formel E arbeitet seit geraumer Zeit mit dem unabhängigen Unternehmen Telescope zusammen, um einen rechtmäßigen Ablauf des Fanboost-Votings zu gewährleisten. Telescope ist erfahren auf diesem Gebiet und betreut die Real-Time-Votings bei zahlreichen TV-Shows im US-amerikanischen Fernsehen. Auch das Voting-System für die Fans selbst wurde in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst und optimiert.

Inzwischen öffnet das Voting 6 Tage vor einem Rennen, also am Montag vor dem Wochenende. Fans können sogar bis 6 Minuten nach Rennbeginn abstimmen, welcher Fahrer den Fanboost erhalten soll. Die Rennleitung muss den Fahrer bis spätestens 15 Minuten nach Rennstart informieren, ob er Fanboost einsetzen darf. Fans können auf der offiziellen Webseite der Formel E, der Formel E App und auch bei Twitter voten. Bei Twitter muss ein User die Hashtags #Fanboost und den jeweiligen Namen des Fahrers angeben.

Fanboost-Gewinner Saison 2017/18

Rennen 2017/18 Fanboost 1 Fanboost 2 Fanboost 3
Hongkong, Rennen 1 Daniel Abt Kamui Kobayashi Luca Filippi
Hongkong, Rennen 2 Daniel Abt Kamui Kobayashi Luca Filippi
Marrakesch Daniel Abt Lucas di Grassi Sebastien Buemi
Santiago de Chile Jose Maria Lopez Lucas di Grassi Sebastien Buemi

So viel bringt Fanboost

Kommt ein Fahrer in den Genuss des Leistungszuwachses, darf er per Reglement zusätzlich 100 Kilojoule in einem Leistungsfenster zwischen 190 und 200 kW beliebig einsetzen. Anders ausgedrückt: Dem Fahrer steht eine definierte Energiemenge zur Verfügung, mit der er die eigentliche kW-Leistung im Rennen kurzzeitig übertreten kann, um schneller zu fahren. Die Leistung des Fanboost kann man mit ungefähr 40 PS Mehrleistung beziffern. Zur besseren Einordnung: Im Rennen ist die Leistung des Formel-E-Autos auf 180 kW begrenzt, was etwa 245 PS entspricht.

Der Fanboost ist keine Überhol-Garantie, sondern bietet dem Fahrer vielmehr die Möglichkeit, sich vor einer Kurve besser für den Angriff zu positionieren, am Ende einer Geraden die letzten Meter für das gestartete Überholmanöver rauszuholen oder um sich zu verteidigen. Der eigentliche Effekt des Fanboost hält sich im Gesamtkontext also eher in Grenzen, wie die meisten Fahrer bestätigen.


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