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Formel 2

Formel 2 Monaco: Alessio Deledda und die 107 Prozent-Farce

Obwohl Formel-2-Pilot Alessio Deledda beim Qualifying in Monaco zu langsam war, durfte er an den Rennen teilnehmen. Rennleiter Michael Masi erklärt warum.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Guanyu Zhou, Dan Ticktum und Theo Pourchaire lauteten die Namen der Sieger bei den drei Formel-2-Läufen im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix von Monaco. Für Schlagzeilen sorgte allerdings ein Fahrer ganz hinten im Feld. Nämlich der Italiener Alessio Deledda.

Dabei ging es vor allem über einen Passus im Motorsport-Reglement: Die 107-Prozent-Regel. Diese Regel wurde 1996 eingeführt und erlaubt es, Fahrern die länger als 107 Prozent der Zeit des Qualifying-Schnellsten brauchen, um eine Runde zu absolvieren, die Teilnahme am Rennen zu verweigern.

Genau diese Regel kam beim Nachzügler Alessio Deledda zum Tragen. Der HWA-Racelab-Pilot Deledda landete auf der letzten Position und umrundete den Circuit de Monaco in 1:27.744 Minuten und war somit über 6,3 Sekunden langsamer als der Schnellste aus seiner Qualifying-Gruppe, Robert Shwartzman. Damit erfüllte er die 107-Prozent-Vorgabe eindeutig nicht. Auch im Training, das normalerweise in solchen Fällen herangezogen wird, um eine Teilnahme dennoch zu erlauben, verlor lag er über der 107-Prozent-Marke.

Technischer Schaden am Wagen von Deledda

Nach einer Besprechung der Stewards mit seinem Team durfte der Italiener dennoch am Wochenende an den drei Rennen teilnehmen, was für viel Verwunderung sorgte. FIA-Rennleiter Michael Masi nahm am Sonntag dazu Stellung. Er erklärte: "Bei einer Vorladung bei den Rennstewards zeigte das Team, dass Deledda am Wochenende mit technischen Problemen zu kämpfen hatte."

Genauer erklären, um welche technischen Probleme es sich am Dallara von HWA-Racelab gehandelt hatte, konnte Masi nicht. "Ich war nicht bei den Rennkommissaren im Raum, also kann ich das nicht näher ausführen. Ihm zu erlauben am Ende des Feldes zu starten, liegt aber im Ermessensbereich der Stewards", erläuterte Masi.

Die Wagenprobleme seien aber nicht der einzige Grund gewesen, weshalb Deleddas Teilnahme beim Rennen zugelassen wurde. Dazu kam noch der Umstand, dass Deledda beim Formel-2-Auftaktwochenende in Bahrain teilgenommen hatte und dort die 107-Prozent-Regel klar passieren konnte.

Punktetechnisch brachte es wenig, da Deledda genauso wie in Bahrain auch in Monaco alle drei Rennen außerhalb der Punkteränge beendete und nur von Zwischenfällen anderer Piloten profitierte. Immerhin: Deledda selbst blieb unfallfrei.

Skandal-Pilot Deledda: Keine Punkte in der Formel 3

Alessio Deledda hat sich auch in seiner bisherigen Nachwuchskarriere nur selten mit Ruhm bekleckert. Bevor er in die Formel 2 aufstieg, verbrachte der Italiener zwei erfolglose Jahre in der Formel 3, eine Saison in der italienischen Formel 4 und startete im Formel Renault Eurocup, wobei er jeweils punktelos blieb. Die einzigen zählbaren Resultate sammelte Deledda in der asiatischen Formel 3, wo das Teilnehmerfeld selten mehr als 15 Fahrer umfasste.

Neben der Strecke sorgte Deledda immer wieder für Schlagzeilen, da er auf seinem Instagram-Kanal mehrmals Videos veröffentlichte, die zeigten, wie ein Sportwagen mit stark überhöhter Geschwindigkeit (bis zu 300 Km/h) auf öffentlichen Straßen unterwegs war oder rücksichtslos durch dichten Autobahnverkehr raste. Deledda argumentierte damals, dass er diese Videos nur aus Erziehungsgründen veröffentlicht habe, um auf schändliches Verhalten im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.


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