Die Jugend von heute hat doch wirklich keinen Respekt mehr. Da kommt einfach so ein junger Hupfer daher und stiehlt seinen älteren Kollegen die Schau. Nur gut, dass Sebastian Vettels Beruf darin besteht, schneller als die Konkurrenz zu fahren. Auch wenn das an diesem Freitag in Istanbul gar nicht seine Aufgabe war, hat er das dann trotzdem gemacht. Man bekommt einfach das Renn nur schwer aus dem Fahrer.
"Es war schon schwierig, da ich die Strecke nicht kannte, aber ich bin gut zurechtgekommen und konnte auch einige Informationen liefern", bilanzierte Vettel. "Es ist unglaublich, was mit einem F1-Auto in schnelleren Kurven abgeht. Das Ergebnis ist natürlich super und hat selbst mich überrascht." Es überrascht eben auch noch Formel-3-Sieger, wenn es in der Formel 1 gleich mit schönen Erlebnissen weitergeht. Deswegen war das Kurzresümee dann auch äußerst treffend: "Gut, super!"

Doch neben Vettel waren ja auch noch sieben andere Unterwegs, die in einer deutsch-schweiz-österreichischen Betrachtung nicht fehlen dürfen. Da es ihnen an diesem Freitag etwas an Rampenlicht mangelte, sollen sie aber auch noch einmal zu Wort kommen.
Ralf Schumacher durfte sich in der Dreiländer-Wertung über Platz zwei (Gesamtwertung Platz Fünf) freuen. "Das Auto fühlte sich gut an", so Ralf. "Wir waren bei den letzten Rennen konkurrenzfähig und sollten mit der verbesserten Aerodynamik auch an diesem Wochenende eine starke Leistung zeigen können", meinte er.

Direkt hinter Ralf fuhr das Vorbild des großen Freitagswunders auf Platz sechs. Michael Schumacher zog wie sein Bruder eine positive Bilanz. Vor allem auch deswegen, weil er über den Tellerrand des Freitags hinausblickte. "Ich bin zufrieden, besonders da ich meine schnellste Zeit am Ende der Session und somit auf gebrauchten Reifen erzielt habe - das ist ein gutes Zeichen", freute sich Michael Schumacher. "Dies bedeutet, dass die Reifen hier sehr gut funktionieren."
Auch Nico Rosberg wirkte nach den beiden Sessions am Freitag recht zufrieden. Zwar lag seine Platzierung eher am hinteren Ende des Feldes, doch ihn störte das nicht weiter. "Ich denke, es war eine recht gute Trainingssession, in der ich das Auto und mich auf die Strecke eingestellt habe, und am Ende der Stunde hat es sich richtig gut angefühlt", sagte Rosberg und versprühte damit Zuversicht für den Rest des Wochenendes.

Nick Heidfeld bekam gar nicht die Gelegenheit, über seinen 27. Platz zu sprechen. Denn er hatte noch mehr als alle anderen das Problem, dass ein gewisser 19-jähriger nicht nur auf der gleichen Strecke sondern auch für das gleiche Team fuhr. Er sah das aber anscheinend nicht so eng und äußerte sich recht angetan von seinem Neo-Teamkollegen Sebastian Vettel: "Kompliment an ihn, weil wir vorher nicht wirklich viel getestet hatten. Er hat gerade einmal einen Tag im Auto gesessen und kannte die Strecke hier nicht und steht ganz vorne"
Alex Wurz hatte nach dem Training zwei Probleme. Eines davon hing mit Vettel zusammen, denn er kennt den Nachwuchsfahrer bislang nicht und bekam auch irgendwie keine Gelegenheit, ihn kennen zu lernen. "Wir sind uns einmal auf der Strecke begegnet, aber da ist zu wenig Zeit, um Floskeln auszutauschen", sagte er zu motorsport-magazin.com. Das andere Problem hatte mehr mit Reifen oder genauer gesagt mit deren Auswahl zu tun. Wurz meinte: "Es wird schwer, welchen Reifen wir wählen werden. Wir sind uns noch nicht sicher, weil sie sehr knapp beieinander sind."

Wurz´ Landsmann Christian Klien hatte kein Problem, sondern eher Spaß. Denn er durfte für einen Freitag so richtig umtriebig sein. "Die zweite Session war viel aufregender, da ich drei Runs gefahren bin und nicht nur eine Installation-Lap! Die Strecke ist hier schön zu fahren und ich mag es hier sehr", sagte der Österreicher.
Die größten Sorgenfalten hatte Neel Jani auf der Stirn, denn er konnte an seinem Freitag gar nichts Positives finden. ""Ich denke es könnte ein schwieriges Wochenende für uns werden, weil wir noch Geschwindigkeit finden müssen. Meine Rundenzeiten sagen nicht viel aus, da ich bei meinen schnellen Runden immer in viel Verkehr war. Wir sind durch das Programm gekommen, aber ich denke, wir könnten auf dieser Strecke Schwierigkeiten haben", sagte er. Es ist nur fraglich, wie viele das auch mitbekommen haben, denn schließlich galt die ganze Aufmerksamkeit ja einem 19-jährigen. Die Jugend sollte eben etwas mehr Respekt zeigen und den anderen auch noch Aufmerksamkeit übrig lassen.

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