Juan Pablo Montoya ist empört. Juan Pablo Montoya ist sehr verärgert. Und schließlich kann sich Juan Pablo Montoya nur noch wundern und den Kopf schütteln. Es geht um die Vorfälle beim GP von Australien, im Albert Park, am Sonntag. Es geht um die schweren Fehler, die an diesem Renntag begangen wurden.

Was ist passiert? Was meint der Kolumbianer damit? Vielleicht seinen Dreher in der Aufwärmrunde? Seinen Dreher hinter dem Safety Car? Oder den Schlenker über die Kerbs, in der Zielkurve, der zur Folge hatte, dass sein McLaren in den Off-Modus wechselte und Montoya das Rennen beenden musste? Ist er also empört darüber, dass er an diesem Rennsonntag gleich dreimal die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, davon zweimal in einer neutralisierten Rennphase?

Mitnichten - es geht um die seiner Meinung nach dummen oder zumindest nicht nachvollziehbaren Aktionen seines Teamkollegen Kimi Räikkönen und die falschen Entscheidungen seines Arbeitgebers McLaren-Mercedes, die ihn in Down Under mindestens sechs WM-Punkte gekostet haben!

Der Reihe nach. Da ist dieser Kimi Räikkönen. Montoya hat es wirklich nicht leicht mit seinem Teamkollegen. In der ersten Kurve und auch danach wollte der Finne einfach nicht nachgeben und seine Position verteidigen - gegenüber Autosport klagt der Kolumbianer: "Ja, das war schon beim letzten Rennen das Gleiche. Er schleuderte mir seinen Wagen vor die Nase und das Gleiche tat er auch hier in Melbourne. Aber das macht nichts - wir fahren ja Rennen. Ich werde mich jetzt nicht hinsetzen und deshalb Tränen vergießen."

Hat Räikkönen einen Abflug riskiert? War er zu langsam?

Sieger Alonso und der Zweite, Kimi Räikkönen., Foto: Sutton
Sieger Alonso und der Zweite, Kimi Räikkönen., Foto: Sutton

Doch mit Räikkönen muss etwas schief laufen, Juan Pablo Montoya hat das Verhalten seines Stallkollegen studiert und etwas Haarsträubendes entdeckt: Kimi Räikkönen hat am Ende des Rennens, in der letzten Runde, die Schnellste Rennrunde in den Asphalt gebrannt. Montoya erläutert: "Kimi muss sich wie ein Held gefühlt haben in seiner letzten Runde, er markierte die Schnellste Rennrunde, er war um eine halbe Sekunde schneller als in jeder anderen Runde, die er in diesem Rennen gefahren ist. Er war also in allen Runden davor entweder zu langsam oder er hat an irgendwelche anderen Dinge gedacht als an das Fahren."

Hat also Kimi Räikkönen im GP von Australien 2006 in den Runden 1 bis 56 an andere Dinge als das Fahren gedacht? "Sherlock" Montoya möchte sich nicht festlegen, er hat noch eine weitere mögliche Erklärung für die Schnellste Rennrunde des Kimi Räikkönen gefunden: "Wenn man es sich recht überlegt, wie kann es sein, dass du um eine halbe Sekunde schneller bist in der letzten Runde? Was soll das bringen? Es geht nicht darum, einen Rundenrekord aufzustellen, den Rekord hält Michael [Schumacher, d. Red.] mit 1:24 Minuten, also warum riskiert man da noch etwas? Damit man in der letzten Kurve abfliegt? Ich weiß es nicht" - wieder könnte man glauben, Montoya würde von seiner eigenen Performance sprechen, doch Montoyas Worte gelten immer noch Kimi Räikkönen, der in Down Under als Zweiter auf dem Podium stand, während Montoya im letzten Viertel des Rennens über die Kerbs hinaus schoss und mit einer abrupten Lenkbewegung zwar den ausbrechenden Boliden abfangen konnte, dafür jedoch das System zum Absturz brachte.

Kimi Räikkönen ist für Montoya ein Rätsel., Foto: Sutton
Kimi Räikkönen ist für Montoya ein Rätsel., Foto: Sutton

"Ich fuhr über die Kerbs und als ich den Wagen wieder unter Kontrolle hatte schaltete er sich selbst ab. Zunächst schien es so, als würde das System einen Reset vornehmen - doch dann schaltete es sich ab. Das ist schade, denn der Wagen lief gut", beschreibt Montoya den Vorfall. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht: "Renault war etwas schneller als wir, aber nicht viel. Ich denke, ich war etwas schneller als Kimi, daher denke ich, dass mein Resultat okay gewesen wäre. Ich denke schon, dass uns Fernando geschlagen hätte, aber unsere Pace war gut genug."

Montoya das Opfer einer falschen Entscheidung?

Montoya geht sogar so weit, dass er die Schuld für sein eigenes Ausscheiden in einer Teamentscheidung sucht und auch findet. In der letzten Safety Car-Phase suchten beide McLaren-Piloten die Box auf. Das Team entschloss sich dazu, Kimi Räikkönen eine neue Nase zu montieren, weil eine Endplatte beschädigt war, JPM musste warten.

Juan Pablo Montoya gesteht: "Ich war schockiert, dass sie das gemacht haben. Wenn man zugleich an die Box kommt und man kann beide Autos auf das Podest bringen... - aber sie entschieden, Kimi's Nase zu wechseln. Sicher, er demolierte sich eine Endplatte - aber das Resultat war, dass ich am Ende über die Kerbs hinaus fuhr, das Auto sich selbst abschaltete und uns das WM-Punkte gekostet hat. Wenn sie das nicht getan hätten, wäre ich nicht wieder hinter Ralf gelegen und ich hätte nicht so hart puschen müssen."

Hat sich Ron Dennis geirrt?

Ron Dennis steht zu seiner Entscheidung., Foto: Sutton
Ron Dennis steht zu seiner Entscheidung., Foto: Sutton

Juan Pablo Montoya sagt, er habe auch mit seinem Teamboss Ron Dennis darüber gesprochen. Und dass er, Montoya, auch nach diesem Gespräch der Meinung sei, dass die Entscheidung, Räikkönen's Nase zu wechseln, falsch gewesen sei. Ob er Dennis auch davon überzeugen konnte, dass McLaren Montoya mit dieser Entscheidung in den Schlenker mit Abschaltfolge getrieben hat und somit die Schuld an dessen Ausfall trägt, ist nicht bekannt. "Ron sagte, dass Kimi die nötige Pace fahren konnte, um das Rennen zu gewinnen - aber offenbar hat er das dann ja doch nicht können. So endete es damit, dass er Zweiter wurde und ich nicht ins Ziel kam, was uns in der Konstrukteursweltmeisterschaft mindestens sechs Punkte gekostet hat", rechnet Montoya vor.

Das Klima im Hause McLaren-Mercedes ist offensichtlich rauer geworden, seit bekannt ist, dass einer von den beiden Einsatzpiloten das Team verlassen muss. Es gäbe noch einen weiteren Grund dafür, warum die Beziehung zwischen Montoya und Räikkönen in dieser Saison um vieles angespannter sei als noch im letzten Jahr, glaubt Montoya: "Ich denke, es ist so, weil ich in einer guten Position bin. Letztes Jahr war ich nicht in der Position, um gegen ihn kämpfen zu können, daher denke ich, dass er da in mir noch keine Bedrohung sah."