DTM / Kolumne

Markus Winkelhock: Asphaltanalyse

Markus Winkelhocks Heimrennen steht vor der Tür. Doch nicht nur der Hockenheimring entfaltet auf den Audi-Piloten einen ganz besonderen fahrerischen Reiz.
von Markus Winkelhock

Motorsport-Magazin.com - Es hat zwei Tage gedauert, bis ich das Rennen in Le Mans verkraftet habe. Gerade auf Slicks bei feuchten Bedingungen waren wir im Vorjahresauto sehr gut unterwegs - dennoch war es für mich das härteste Wochenende, das ich in diesem Jahr erlebt habe. Ich war das ganze Rennen hinter Alexandre, konnte aber nicht überholen, weil es neben der Ideallinie noch feuchter war als ohnehin schon. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, mitten im Rennen eine brenzlige Situation zu provozieren. Wenn ich bedenke, dass er am Ende Dritter geworden ist, weiß ich, wo auch ich hätte landen können: Anders als Alexandre habe ich am Ende einen zusätzlichen Reifenwechsel eingelegt.

Die Hockenheimer Spitzkehre bringt den Fahrer immer wieder aus dem Rhythmus. Hier mussten die Streckenarchitekten Kompromisse eingehen
Markus Winkelhock

Der Hockenheimring, wo traditionell das anstehende DTM-Saisonfinale stattfindet, ist meine Heimstrecke - und macht mir relativ viel Spaß. Es ist keine wirklich "besondere" Strecke mit unverwechselbarem Charakter, so wie ich zum Beispiel Brands Hatch empfinde. Aber hier kenne ich jeden Quadratzentimeter in- und auswendig. Das kann nur von Vorteil sein, auch wenn es mir letztlich nicht hilft, in die Spitzengruppe vorzudringen. Im Jahreswagen kämpfen wir im Wettbewerb mit den 2008er-Boliden unverändert mit stumpfen Waffen.

Fahrerischer Wermutstropfen in Hockenheim ist die Spitzkehre. Für den Rennverlauf ist sie zwar durchaus nicht unwichtig, da hier erfahrungsgemäß die entscheidenden Überholmanöver gestartet werden. Dennoch bringt sie den Fahrer immer wieder aus dem Rhythmus heraus. Auch in Hockenheim mussten die Streckenarchitekten Kompromisse eingehen, denn auf einer durchgehend flüssigen Rennstrecke ist es unmöglich zu überholen.

Faszination Stadtkurs

Wenn es nach mir ginge, könnten wir fünf DTM-Rennen auf Stadtkursen wie dem Norisring, Peau in Frankreich oder in Monaco fahren. Als ich zum ersten Mal in Monaco war, war das für mich ein unvergessliches Erlebnis. Während der ersten Runden konnte ich gar nicht begreifen, wie man hier ein Rennauto bewegen kann. Ein paar Runden später war ich sogar schneller als die Konkurrenz.

Markus Winkelhock mag Stadtkurse ebenso wie schnelle Streckenlayouts - Foto: Audi

Auf Stadtkursen hat man generell viele Bodenwellen und Unebenheiten; man muss so nah wie möglich an die Mauer fahren und ein beträchtliches Risiko eingehen. In Hockenheim oder auf dem Lausitzring fährt man hingegen einfach durch die asphaltierte Auslaufzone, wenn ein Fehler passiert ist. Auf Stadtkursen wird kein Missgeschick verziehen - es ist ein schmaler Grat, auf dem man sich bewegt. Insofern ist für mich der Norisring, zu dessen Fans ich durchaus zähle, kein klassischer Stadtkurs: Hier fährt man nur in der Schikane wirklich nah an den Mauern vorbei - der Rest ist sehr weitläufig.

Asphaltierte Auflaufzonen haben ihre Vor- und Nachteile. Für die Sicherheit sind sie ein großer Gewinn. Passiert ein Fehler, steckt man nicht gleich im Kiesbett fest und ruft eine Gelbphase hervor. Andererseits wird Mutkurven der besondere Reiz genommen. Nun kann jeder, auch ein weniger risikobereiter Fahrer, das Limit seines Boliden und des Kurses austesten, ohne im Fall eines Fehlers Nachteile berfürchten zu müssen. Auch auf dem Nürburgring sind die Kiesbetten mit den Jahren immer weniger geworden.

In Monza habe ich einmal auf Slicks im Regen mit zehn Sekunden Vorsprung gewonnen - daran kann ich mich selbst in Hockenheim nicht erinnern
Markus Winkelhock

Vorliebe für schnelle Kurven

Der Traditionskurs in der Eifel ist ähnlich wie der Hockenheimring eine meiner Lieblingsstrecken, ohne dass ich hier eine bevorzugte Kurve hätte. Die Schikane, die früher an Stelle der Mercedes-Arena war, hat mir mehr Spaß gemacht. Der neue erste Streckensektor bringt einen langen langsamen Part ins Streckenlayout, der mir weniger gefällt - denn prinzipiell mag ich lieber schnelle Kurven. Entscheidend ist aber die Kombination der Kurven, die sich am besten flüssig zusammenfügen.

Eine Strecke, die ich gern im Rennkalender sähe, ist Monza. Das Autodrom unweit von Mailand ist mit dem alten Hockenheimring vergleichbar. Hier muss man den Kompromiss zwischen einer auf wenig Abtrieb ausgelegten Flügeleinstellung und den wenigen Kurven eingehen, in denen das Auto umso instabiler werden kann. In Monza habe ich einmal auf Slicks im Regen ein Rennen zehn Sekunden vor der Konkurrenz gewonnen - daran kann ich mich selbst in Hockenheim nicht erinnern.

Euer Markus Winkelhock


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